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Kinotipp der Woche | "Restless" | Start 13.10.2011
Vom Lieben und Sterben zweier Außenseiter
Gebhard Hölzl
Regisseur Gus van Sant interessiert sich für gesellschaftliche Außenseiter. In "My Private Idaho" war es ein Stricher, in "Milk" ein homosexueller Stadtrat. In "Restless", seinem neuen, ungewöhnlichen und gut gespieltem Drama, verliebt sich ein Junge mit Todessehnsucht in ein krebskrankes Mädchen.
Annabel Cotton (Mia Wasikowska) und Enoch Brae (Henry Hopper) pflegen dasselbe, höchst ungewöhnliche Hobby: Sie besuchen gerne Beerdigungen wildfremder Leute. Aber das ist auch alles, was sie zunächst eint. Sie ist eine charmante, hübsche und dem Leben zugewandte junge Frau; er ein verschlossener Eigenbrötler, der die Schule geschmissen hat. Grund hierfür ist der Unfalltod seiner Eltern. Ein schweres Schicksal – aber nichts im Vergleich zu dem Annabels. Sie leidet nämlich an Krebs im Endstadium und hat nur noch wenige Monate zu leben. Als Enoch dies erfährt, bietet er an, die letzten Tage gemeinsam mit ihr zu verbringen.
Mischung aus "Love Story" und "Harold und Maude"
Gus Van Sant interessiert sich in seinen Filmen für gesellschaftliche Außenseiter, ein Junkie war's in "Drugstore Cowboy", ein Stricher in "My Private Idaho" und ein schwuler Stadtrat in "Milk". Van Sant kommt vom Independentkino, hat sich in Hollywood etabliert und verweigert sich in seinen Arbeiten stets stereotypen Mustern. So ist denn auch "Restless" thematisch – wenn auch nicht formal – eine gegen den Strich gebürstete Liebesgeschichte, die gleichermaßen Erinnerungen an "Love Story" wie auch Hal Ashbys "Harold und Maude" weckt.
Zentrales Motiv: "Carpe diem"
Aber im Gegensatz zu Arthur Hillers klassischem Rührstück "Love Story", in dem Ali McGraw in den Händen Ryan O'Neals tränenreich aus dem Diesseits scheidet, gibt Annabel dem suizidgefährdeten Enoch, der mit einem imaginären japanischen Kamikaze-Bomber (Ryo Kase) kommuniziert, Kraft, sich dem Hier und Jetzt zu stellen. Die passionierte Ornithologin macht ihn auf die Schönheiten der Natur aufmerksam, lehrt ihn seine Zeit zu nutzen: "In drei Monaten" meint sie, "kann man zum Beispiel das Xylophonspielen erlernen". Spaß und Ernst halten sich hier die Waage, das lateinische "carpe diem", das "Pflücke den Tag", ist zentrales Motiv des Films, dem es an skurrilen, morbiden Momenten nicht fehlt.
Kostüme und Soundtrack herausragend
Ruhig und mit Bedacht führt der Regisseur seine Hauptdarsteller. Wasikowska gibt sich hier ähnlich kämpferisch und engelsgleich wie als "Alice im Wunderland". Von Henry Hopper, dem Sohn von "Easy Rider" Dennis Hopper, wird man in Zukunft noch hören. Störend und unglaubwürdig, und das haben fast alle (Studio-)Filme dieser Art gemein, ist lediglich wie leicht hier gestorben wird. Von Kampf, Wut, Angst und Trauer ist wenig zu spüren. Schick gewandet – die Kostüme stammen von Danny Glicker, der schon George Clooney in "Up in the Air" geschmackvoll einkleidete – wird hier zu Danny Elfmans einfühlsamem Soundtrack dem Tod ins Auge geblickt. Da hat Van Sant, ausgewiesener Spezialist für verlorene Seelen, der Traumfabrik zu sehr Tribut gezollt.
Quelle: "Kino Kino | br-online.de"
br | Stand: 13.10.2011
Film-Info
- Filmtitel:
- Restless (USA, 2011)
- Regie:
- Gus Van Sant
- Darsteller:
- Mia Wasikowska
- Henry Hopper
- Ryo Kase
- Schuyler Fisk
- Jane Adams
- Länge:
- 91 Min.
- Kinostart:
- 13. Oktober 2011
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