Gewinner des ARD Hörspielpreises
:: Enigma Emmy Göring ::
"'Enigma Emmy Göring' ist ein meisterhaft komponierter "furioser Monolog", der uns "mit beklemmender Intensität der Spannung zwischen Kitsch und Terror aussetzt". So die Jury über Werner Fritschs Hörspiel. Die SWR-Produktion, die auch für den Online Award nominiert war, gewinnt den ARD Hörspielpreis.
"Der ARD-Hörspielpreis 2007 geht an die SWR-Produktion 'Enigma Emmy Göring' von Werner Fritsch. Unter der Regie des Autors entwickelt die Schauspielerin Irm Hermann in der Rolle der Gattin Hermann Görings einen furiosen Monolog. Wir hören einer lebenslang in sich selbst und im Schreckenssystem des Nationalsozialismus verfangenen Schokoladenfabrikantentochter, Gretchendarstellerin und fanatischen Machtanbeterin beim verlogenen Erinnern zu. Die meisterhafte Komposition von Text und Stimme, Geräusch und Musik setzt uns mit beklemmender Intensität der Spannung zwischen Kitsch und Terror aus." (die Jury)
Der Preisträger des ARD Hörspielpreises wird in den Monaten nach den Hörspieltagen in allen Kultur- und Wortprogrammen der ARD wiederholt.
"'Enigma Emmy Göring' ist der Versuch, zwei Phänomene des vergangenen Jahrhunderts, die Masseneuphorie und Massenhysterie hervorgerufen haben, auf spielerische Weise ineinander zu spiegeln:
Schauspielerin Irm HermannDass diese Wirkungen – zum Glück! – die denkbar konträrsten sind, ist der Stein, aus dem die komischen, aber auch die abgründigen Funken der Inszenierung geschlagen werden, die gerade dadurch im Idealfall Erkenntnis zulassen.
Insgesamt die Umkehrung all der Texte, die ich geschrieben habe, um Sprachlosen Stimme und vom Vergessen bedrohter Erinnerung Raum zu geben, ist dieses Satyrspiel eine Parodie auf die sich allgemach immer breiter machende, immer unkritischere Nazi-Nostalgie, mit der sich die Medien hohe Einschaltquoten erheischen." (Regisseur Werner Fritsch)
Das Buch zum Hörspiel ist am 1. Oktober 2007 im Suhrkamp Verlag erschienen. "Das von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste als Hörspiel des Jahres prämierte Stück von Werner Fritsch ist der Monolog einer Frau, die entweder die übriggebliebene Gattin ihres Hermann ist oder eine Frau, die glaubt, diese zu sein: auf jeden Fall der Monolog einer Schauspielerin", heißt es im Klappentext. "Alles, was sie erzählt, ist so gräßlich harmlos, daß sich die lachenden Zuhörer entsetzen. Emmy, die ihre Schauspielerkarriere der Repräsentation im Zentrum der Macht geopfert hat, spricht nicht nur mit Hermann, Adolf und Gustaf, sondern auch als Hermann, Adolf und Gustaf."

Was für ein Mann, der da neben Hitler im Hotel "Elephant" steht und sich von der SA bejubeln läßt! Emmy ist hin und weg. Den will sie, den und keinen anderen!

Den Führer führen, wenn auch nur bei der Polka - sein Hochzeitsgeschenk. Will er etwa mehr? Emmy ist irritiert. Diese eisgrauen Augen …

Hermann ist tot. Doch Emmy weiß: etwas wird bleiben, im Radio verbreitet werden. Denn wer hatte die höchste Einschaltquote aller Zeiten?
Die Mitwirkenden
Emmy Göring: Irm Hermann
Regie: Werner Fritsch
Regieassistenz: Felicitas Ott
Dramaturgie: Hans Burkhard Schlichting
Technik: Gaby Kemper, Judith Rübenach, Daniel Senger
Produktion: SWR 2006
Länge: 53'55''
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Stand: 10.11.2007
Der Autor
Werner Fritsch wurde 1960 in Waldsassen/Oberpfalz geboren. 1987 erschien sein vielbeachteter Roman "Cherubim". Es folgten zahlreiche Veröffentlichungen von Prosa, Dramatik, Hörspielen und Filmen, die Frisch zum Teil selbst auf der Bühne, für den Rundfunk oder fürs Kino realisiert hat. Seine Arbeiten wurden u.a. mit dem Robert-Walser-Preis, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet. Für sein aktuelles Hörspiel "Enigma Emmy Göring" erhielt er die Auszeichnung "Hörspiel des Jahres 2006". Werner Fritsch lebt in Hendelmühle und Berlin.

