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Beginn des Inhaltes

Nominiert für den ARD Online Award

:: Tannöd ::

Niemand will etwas mit der Familie zu tun haben. Unheimlich ist der abgelegene Hof. Seine Bewohner: immer finster und mürrisch. Eines Tages wird die ganze Familie tot im Stall aufgefunden. Brutal ermordet mit einer Spitzhacke. Doch der Mord bringt noch eine ganz andere Familientragödie ans Licht. Nach dem Roman von Andrea Maria Schenkel.

Sie galten als eigenbrötlerisch, mürrisch und finster. Hausten auf einem abgelegenen, verwahrlosten Hof. Hüteten ein Geheimnis, von dem alle wussten. Jetzt sind sie tot: der Bauer, seine verhärmte alte Frau, die Tochter mit den beiden Kindern, die neue Magd. Ermordet mit einer Spitzhacke.

Kühe auf der Weide vor mit dunklen Wolken verhangenem Himmel. Quelle: Colourbox

Das Blutbad auf dem in der Oberpfalz gelegenen Dannerhof Mitte der 50er Jahre wird in diversen Hörbildern rekonstruiert: Protokolle der Dorfbewohner wechseln sich ab mit inneren Monologen. Alle kommen zu Wort, auch der Mörder. Die einzelnen Stimmen schwellen an zu einem Stimmenchor aus Lebenden und Toten, Schuldigen und Unschuldigen, dem Täter und den Opfern.

Familientragödie archaischen Zuschnitts

Immer engmaschiger webt Andrea Maria Schenkel ihre Textur aus Protokollen und Erzählung, Außen- und Innenbetrachtung, Chronik und Alptraum. Schlussendlich enthüllt sie weit mehr als nur den Mörder: eine Familien-Tragödie archaischen Zuschnitts und das Porträt einer von Katholizismus und Bigotterie beherrschten bäuerlichen Dorfgemeinschaft mit traumatischem Beziehungsgeflecht.



Die auf dem Hof kannten ihn, vertrauten ihm. Nur nicht zu lang bleiben, ist sein Motto - jetzt kommt er heimlich wieder. Denn er weiß, wo das Sparschwein ist.

Sie hat Wehen - trotzdem jagt sie der Bauer aufs Feld. Ein Mädchen kommt zur Welt. Zwölf Jahre später will die Mutter nicht sehen, was geschieht ...

Beichten? Warum denn, fragt sie sich. Der Pfarrer predigt von der Erbsünde der Frau. Doch sie hat niemanden aus dem Paradies vertrieben!


Die Mitwirkenden

Georg: Michael Vogtmann
Betty: Charlotte Bufler
Marianne: Elisabeth Tscharke
Theresia: Christa Berndl
Traudl: Franziska Ball
Meiler: Monika Manz
Eibl: Stephan Zinner
Kurt: Markus Brandl
Michael: Udo Wachtveitl
Hermann: Jörg Hube
Anna: Brigitte Hobmeier
Hansl: Ferdinand Weiß
Mathias: Alexander Duda
Alois : Heiko Ruprecht
Stimme : Jutta Schmuttermaier
Maria : Caroline Ebner
Meier : Philip Moog
Lichtl: Ilse Neubauer
Meißner: Michael Habeck
Barbara: Barbara Bauer
Kind: Charlotte Bufler

Komposition: Martina Eisenreich
Ton: Peter Kretschmann/Hans Scheck
Schnitt: Sabine Kaufmann/Adele Kurdziel
Bearbeitung und Regie: Norbert Schaeffer
Regieassistenz: Martin Trauner, Simon Jaspersen
Redaktion: Susanne Hoffmann
Produktion: NDR 2007

Länge: 70'35''

 

Vielen Dank für Ihre Kommentare!

Viele Internet-Nutzer haben uns ihre Meinung zur Frage: "Was denken Sie über dieses Hörspiel?" geschrieben. Die Kommentar-Möglichkeit ist inzwischen beendet.

roland effertz | 06.01.2008 | 03.29 Uhr
Ein sehr dichtes beklemmendes Hörspiel. Durch die atmosphärisch düstere Komposition der Stimmen und Geräusche sowie die gleichbleibende Monotonie, geht einem dieses Hörspiel doch sehr nahe. Ein gelungenes Projekt.
Karsten Gaube | 15.11.2007 | 20.56 Uhr
Obwohl ich nicht alle Beiträge gehört habe ( das nervös hektische Hall of Fame habe war es wert nicht zu Ende gehört zu werden), war Tannöd mein Favorit: das mehrdimensionale Hörspiel erschliesst sich erst nach mehrmaligen Anhören: nicht nur die Abrechnung mit alten patriachischen Strukturen, die lange Deutschland dominiert haben, sondern auch die schonungslose Offenlegung der Machtverhältnisse , die Missbrauch ermöglichen: Vater zu Kind/Frau, Bauer zu Angestellten, Kirche zu Schutzbefohlenen: wem sich das nicht erschliest, sollte das mal im Auto Anfang November bei der Fahrt durch dichte Wälder hören- eine Spitzenleistung 2007.
Rainer Hanf | 10.11.2007 | 23.53 Uhr
Gescheitert auf hohem Niveau. Formal raffiniert, im Umgang mit Musik und Geräuschen souverän. Aber eine Dorfkirche ist doch nicht der Kölner Dom! Fürbitten haben eine Vorbeter/eine Vorbeterin. Und dann der Dialekt - bestenfalls urbanes Süddeutsch, aber nie und nimmer bairisch aus der Provinz. Hube, Neubauer und ein paar andere Schauspieler treffen noch den richtigen Ton - der Rest ist für Bayern eher zum Weghören!

Stand: 24.10.2007

Andrea Maria Schenkel. Quelle: Edition Nautilus

Die Autorin
Andrea Maria Schenkel, 1962 geboren, lebt in der Nähe von Regensburg. "Tannöd", ihr Romandebüt, wurde 2007 mit dem "Deutschen Krimipreis" und dem "Friedrich-Glauser-Preis" ausgezeichnet. Im August 2007 erschien ihr zweiter Roman "Kalteis", die Geschichte eines Serienmörders im München der 30er Jahre.