Tatort "Virus" - Empfehlungen aus der ARD Mediathek

Ebola-Helfer tragen einen Toten auf einer Trage. | Bildquelle: dpa/ARD

Hintergrundblog zum Tatort "Virus"

Ebola: Albtraum im Alptraum?

Lydia Dartsch, Redakteurin ARD.de

Lydia Dartsch. | Bildquelle: ARD

Ebola in der beschaulichen Steiermark? Im Tatort "Virus" ermitteln die Kommissare Moritz Eisner und Bibi Fellner die Todesursache eines Mannes, während die Gegend wegen des Verdachts auf Ebola unter Quarantäne gestellt wird. Ob sich außer dem toten Arzt aus Guinea noch jemand angesteckt hat - und gar stirbt - bleibt am Ende der neuesten Tatort-Episode "Virus" offen. Wundern würde es mich nicht.

Die gute Nachricht zuerst: Die Epidemie ist vorbei - wie es ist, das Virus zu überleben

Ein Ebola-Helfer im Schutzanzug setzt sich eine Schutzbrille auf. | Bildquelle: SWR/Docdays/Gierstorfer/ARD Video

Die Ebola-Epidemie in Westafrika wurde Ende 2016 für überstanden erklärt. In den vorangegangenen zwei Jahren hatte das Virus 11.000 Menschen dahingerafft, Familien zerstört und Dorfgemeinschaften auseinandergerissen.

Wer das Virus überlebt hat, hat nicht nur Glück. In diesem Dokumentarfilm begleiten wir Stanley aus Liberia, dessen gesamte Familie an Ebola gestorben ist. Weil er seinen erkrankten Sohn nach Taylortown gebracht hatte, wird er für den Ausbruch und viele Tote in seinem Dorf verantwortlich gemacht und versucht nun, wieder in die Gesellschaft zurückzufinden. Der Film zeigt eindrücklich, wie eine solche Epidemie Menschen und das Vertrauen untereinander verändert.

Bedrückende Bilder: Ein internationaler Gesundheitsnotfall

Helfer in Schutzanzügen in einem afrikanischen Dorf vor einem Leichensack. | Bildquelle: ARD Video

Der Einstieg in den Tatort ist bedrückend: Es ist dunkel, Menschen schreien, weinen, strecken ihre Arme durch dünne Gitter - ob aus Verzweiflung über den Tod ihrer Angehörigen oder ob sie um Hilfe flehen, erfahren wir nicht. Die Bilder überwältigen, überfordern. Ein Arzt hält es nicht mehr aus. Obwohl er gerufen wird, ergreift er die Flucht und lässt die Menschen hilflos zurück.

Ende 2013 starb der erste Ebola-Kranke in Guinea. In den kommenden Monaten breitet sich das Virus über die Landesgrenzen hinaus nach Sierra Leone und Liberia aus. Es ist die bislang größte Ebola-Epidemie. 28.000 Menschen infizieren sich in der Zeit, 11.000 sterben. Erst gut zwei Jahre später - im Januar 2016 - gilt die Epidemie als überstanden. So chaotisch wie in "Virus" wirken die ersten Bilder des "Weltspiegel extra" vom August 2014 nicht. Doch auch in der Reportage wird die Anspannung in den betroffenen Ländern sichtbar.

"Afrika ist dann in Europa" - Was ist Ebola?

Ein Ebola-Virus im Elektronenmikroskop. | Bildquelle: ARD Video

Kaum weiß der Gerichtsmediziner, dass der Unbekannte auf seinem Tisch Ebola hat, werden alle Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Auch wenn Ebola weniger ansteckend ist als eine Grippe: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben zwischen 25 und 90 Prozent der Infizierten daran. Das ist ein Faktor, der die Krankheit so gefährlich macht.

Ein zweiter ist, dass Ebola nicht immer sofort erkannt wird. Die Symptome ähneln zunächst einer Erkältung. Bei Patient 0 der Epidemie von 2014 - einem zweijährigen Jungen - hielten die Ärzte die Krankheit für Cholera. Die Verwandten des kleinen Jungen wuschen und berührten seinen Leichnahm bei der Bestattung und trugen das Virus jeweils in ihre Dörfer. Die "Quarks & Co."-Sendung vom Dezember 2014 erklärt, woher der Virus kommt und wie es zu der Epidemie kam.

Sind die Kommissare immun? - Panik vor Ansteckung

Ein Mann im Schutzanzug hinter einer Sicherheitstür. | Bildquelle: ARD Video

Das beschauliche Pöllau steht unter Quarantäne, abgeriegelt durch das Bundesheer. Menschen in gespenstisch aussehenden Schutzanzügen laufen herum und mittendrin inspizieren Moritz Eisner und Bibi Fellner ein möglicherweise kontaminiertes Haus mit bloßen Händen. Dieser Beitrag von "Panorama 3" zeigt die Hysterie, die 2014 mit der Rückkehr der ersten Helfer aus Westafrika ausbrach. Angesichts dessen wirken die Kommissare ziemlich sorglos.

An Ebola anstecken kann man sich nur, wenn man in Kontakt mit Körperflüssigkeiten wie beispielsweise Schweiß, Blut und Erbrochenem eines Erkrankten kommt. Aber auch an Gegenständen sind die Erreger noch mehrere Tage infektiös. Grund genug, sich mindestens ein paar Gummihandschuhe anzuziehen, bevor man etwas in die Hand nimmt.

Vorwürfe gegen die Weltgesundheitsorganisation

Helfer in Schutzkleidung tregen einen Ebola-Toten in einem weißen Leichensack. | Bildquelle: ARD Video

Kurz vor seinem Tod konfrontiert der guineische Arzt Dr. Kamil Daouda Makab seinen Kollegen Albert Reuss mit Vorwürfen, er habe die Menschen in Westafrika mit der Ebola-Epidemie allein gelassen. Er halte das Leben eines Afrikaners für weniger wert als das eines Europäers.

Mit diesem Vorwurf sah sich auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Beginn der Epidemie konfrontiert: Sie habe zu zurückhaltend reagiert und während der Epidemie ihre Hilfe sogar verringert. Während "Ärzte ohne Grenzen" bereits von einer "Epidemie nie dagewesenen Ausmaßes" sprach, bemaß die WHO "ein relativ kleines Ausmaß".

Bibi, wasch dir die Hände - warum Küchenhygiene wichtig ist

Hände beim Händewaschen. | Bildquelle: colourbox.de Video

Noch bevor Bibi Fellner und Moritz Eisner mit dem eigentlichen Fall betraut werden, sieht es fast so aus, als würden sie wegen einer Lebensmittelinfektion ausfallen. Denn als die verschnupfte Kommissarin beim Kochen mit dem Messer auf das Hühnchen einschlägt, als wolle sie es erneut schlachten, niest sie herzhaft auf den Vogel und öffnet kurz danach ihrem Kollegen die Tür - ohne sich vorher die Hände zu waschen.

"Guten Appetit", dachte ich bei dieser Szene und "Bibi, wasch Dir die Hände!" Dabei kann beispielsweise der Kontakt mit rohem Geflügelfleisch zu gesundheitlichen Problemen, wie einer Salmonelleninfektion führen. Es muss nicht gleich eine Tropenkrankheit wie Ebola sein.


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Stand: Tue Sep 05 10:11:57 CEST 2017 Uhr

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