Gefährliche Medikamente: Krieg gegen die Patienten?

Autor Martin Walter neben Ampullen und einer Patrone. | Bildquelle: colourbox.de / Bildmontage ARD.de

Hintergrundblog

Gefährliche Medikamente: Krieg gegen die Patienten?

ARD.de-Redakteur Martin Walter

ARD.de-Redakteur Martin Walter. | Bildquelle: ARD.de

Lebensbedrohliche Nebenwirkungen, unterschätztes Suchtpotential, wirkungslose Imitate aus dem Ausland: Medikamente, die uns eigentlich gesund machen sollen, erfüllen diesen Auftrag nicht immer. Auch im Tatort "Zurück ins Licht" aus Bremen spielten illegale Medikamenten-Importe vor kurzem eine Rolle. Wie real sind die Gefahren? Welchen Einfluss haben die Pharmakonzerne? Und worauf kann man als Patient achten? Ausgewählte Beiträge aus der ARD Mediathek geben einen Einblick.

Gefährliche Medikamente - gepanscht, gestreckt, gefälscht: 

Ein Totenkopf aus gelben Tabletten. | Bildquelle: SWR Video

Die Erfolge der Verdächtigen Maria Voss im Bremer Tatort basieren maßgeblich auf billigen Medikamenten aus dem Ausland, mit denen ihre Arbeitgeber Traumgewinne einfahren. Ein Szenario, das sich erschreckend nah an der Realität bewegt, wie die Investigativ-Dokumentation "Gefährliche Medikamente" zeigt.

"Mit 1.000 Euro Investment können Sie bis zu 500.000 Euro verdienen", berichtet dort ein Aussteiger aus der Pharmabranche. Gefälscht werde alles, von Antibiotika bis zur Anti-Baby-Pille. Ein gigantisches Geschäft mit globalen Vertriebswegen. Gleichzeitig deckt die Doku auf, wie lax die Pharmariesen und Regierungen mit ihrer Verantwortung umgehen und sie von sich schieben. Mein Eindruck entspricht dem der krebskranken Petra H.: "Das ist wie Krieg führen gegen Patienten."

Medikamenten-Nebenwirkungen: krank statt geheilt

Wolfgang Fuchs im Rollstuhl. | Bildquelle: Das Erste Video

Wolfgang Fuchs war Marathonläufer. Heute sitzt der 48-Jährige im Rollstuhl und ist lebenslang arbeitsunfähig. Grund dafür sind fünf Tabletten Antibiotikum, deren Nebenwirkungen seinen Körper dauerhaft zerstört haben. Vor möglichen Risiken hat ihn sein Arzt nicht gewarnt. "Für mich ein kleines Verbrechen", sagt Fuchs.

Viel zu oft werden unpassende Medikamente verschrieben oder Nebenwirkungen nicht erkannt. Die Folgen sind verheerend. Schätzungen gehen von 30.000 Toten im Jahr aufgrund von Nebenwirkungen aus. 

Nach diesem Beitrag bin ich froh um meine Gesundheit - und stelle mir Fragen: Warum bleiben Medikamente mit gefährlichen Nebenwirkungen jahrelang auf dem Markt? Wie lässt sich sicherstellen, dass Betroffene wirklich die Arznei verschrieben bekommen, die für sie geeignet ist? Und warum nutzt kaum ein Patient den 2016 eingeführten Medikationsplan, der ihm rechtmäßig zusteht? Klar wird: es braucht informierende Ärzte und mündige Patienten! 

Medikamentensucht - unterschätzte Gefahr

Arznei-Pillen . | Bildquelle: colourbox.de Video

Sie lindern Schmerzen, machen Ängste und Sorgen klein. Doch wie schnell kann man nicht mehr ohne die Wunderpillen, die den Körper in die Abhängigkeit (ver-)führen? Millionen Menschen sind süchtig nach Medikamenten, vor allem nach Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Im Beitrag kommen zwei Betroffene zu Wort. Sie erzählen auch, wie leicht es ist, sich die Tabletten immer wieder verschreiben zu lassen - obwohl sich so das Risiko einer Sucht drastisch erhöht. 

Ganz abgesehen davon, dass die Wundermittel immer nur die Symptome, nie die Ursache bekämpfen: besonders erschreckend finde ich, dass neben uns Patienten offenbar auch viele Ärzte das Suchtpotential unterschätzen.

Pharmaindustrie zwischen Profit und Verantwortung

Braune Gläser werden in einer Fabrik abgefüllt. | Bildquelle: SWR / Thinkstock Video

Die Pharmabranche hat ein Imageproblem. Preistreiberei, bewusst herbeigeführte Lieferengpässe, fehlende Innovationen: sind all diese Vorwürfe berechtigt? Das Wissens-Format "Odysso" stellt die Branche auf die Probe.

Für mich unfassbar, wie der Preis eines Medikaments mit demselben Wirkstoff aufgrund von Neuvermarktung innerhalb kurzer Zeit von 21,07 € auf 887,75 € pro Milligramm steigen kann. Neues Etikett, 42-facher Preis. Nur ein Beispiel von vielen, das von purer Profitgier zeugt. "Odysso" legt dar, wie die Pharmakonzerne ihre Marktmacht missbrauchen, ohne zu verschweigen, dass deren Forschung auch ein Segen sein kann. Etwa bei der Suche nach neuen Antibiotika. Ein lohnenswerter Einblick.


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