Geliebt, gequält, getötet: Mensch und Tier

Ein Rhesus-Affe mit Implantat im Kopf. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Persönliche Empfehlungen aus der ARD Mediathek

Geliebt, gequält, getötet

Martin Walter, Redakteur ARD.de

ARD.de-Redakteur Martin Walter. | Bildquelle: ARD.de

Die einen bekommen Streicheleinheiten, die anderen werden in Schlachthöfen zu handlichen Stücken verarbeitet oder fallen Laborexperimenten zum Opfer. Während unsere Haustiere verhätschelt werden, sehen wir über das qualvolle Leben von Millionen Nutz- und Versuchstieren gerne hinweg. Auch über die Lebensräume von Wildtieren bestimmt der Mensch. Dürfen wir das - frei über Tiere und ihre Körper verfügen? Kommt die Moral erst nach dem Essen? Und wie könnte ein ethischer Umgang aussehen? Eine Suche nach Antworten. 

Video: Tierversuche - die quälende Frage

Eine weiße Maus sitzt auf der Handfläche einer Hand mit blauem Handschuh, während die andere Hand den Schwanz der Maus festhält. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Video

Impfungen gegen Kinderlähmung? Ohne Tierversuche nicht möglich. Fortschritte bei der Herzklappen-Forschung? Kaum denkbar ohne Tests an Schafen. Eine Liste, die sich lange weiterführen ließe. Zwar sind viele von uns gegen Experimente an Tieren. Und doch rennen wir bei Krankheiten in die Apotheke, um uns mit Medikamenten einzudecken, die an Tieren getestet wurden.

Die Sendung zeigt sehr ausgewogen und klug, wieso Tierversuche polarisieren und warum es keine einfachen Antworten gibt. Mich rührt die Geschichte der neunjährigen Luisa, die ohne Herzklappen-Tests an Schafen wohl nicht mehr am Leben wäre. Dagegen machen mich Tierversuche für die Erforschung von Botox wütend. 150.000 (!) Mäuse müssen jedes Jahr sterben, um Botox-Präparate austesten zu können. Oder anders formuliert: wir opfern sie für die Eitelkeit des Menschen.

Video: Fleisch! Warum wir Tiere lieben und trotzdem töten

Moderator Ralph Caspers zwischen lebenden und toten Gänsen (Bildmontage). | Bildquelle: WDR Video

95 Prozent der Menschen in Deutschland essen Fleisch. Doch mit dessen Herstellung wollen die meisten möglichst nichts zu tun haben. Das unterstreichen auch die heftigen Reaktionen im Clip, als im Rahmen eines Experiments in der Kölner Fußgängerzone Gänse "live" geschlachtet werden.  

Wenn der Bauer seine quicklebendige Gans packt, ihren Kopf in den Elektroschocker steckt, ihn abtrennt und das tote Tier rupft und zerlegt, ist das tatsächlich nur schwer erträglich. Und doch auch eine Form der Transparenz. Diese verfolgt auch die im Clip vorgestellte gläserne Metzgerei. Jeder Fleischesser sollte sich dort eine Schlachtung ansehen - fürs Erste zumindest in der ARD Mediathek!

Video: Selber schlachten - kann ich ein Tier töten?

Moderatorin Ariane Alter hält sich beide Hände vor den Mund, im Hintergrund ein Schaf, darüber der Schriftzug "Kann ich ein Tier töten? (Teil 1)" (Bildmontage). | Bildquelle: BR Video

Fleisch essen bedeutet Tiere töten. Doch wie bewusst ist uns das? Und was macht es mit uns, wenn wir selbst Hand anlegen müssten, um ein kleines Schaf zu töten, zu schlachten, zu Wurst zu verarbeiten und dann zu verspeisen? Moderatorin Ariane wagt den Selbstversuch - und gelangt an ihre Grenzen. 

Eine aufgelöste Moderatorin, ein blutverschmiertes Messer und echte Tränen: Der Selbstversuch von Ariane sorgte auch in den Sozialen Netzwerken für kontroverse Diskussionen. Ihre situative Reaktion wirkt für mich nicht gestellt und absolut nachvollziehbar. Ob ich den Bolzenschuss abgegeben hätte? 


Audio: Tierversuche und Alzheimer - wer braucht geklonte Affen?

Die beiden geklonten Äffchen Zhong Zhong and Hua Hua. | Bildquelle: picture alliance/ZUMA Press Audio Audio

Zhong Zhong und Hua Hua: Die Bilder der süßen Javaneraffenbabys gingen um die Welt. Es ist kein Zufall, dass die ersten geklonten Affen aus China kommen. Zehntausende Primaten werden dort zu Forschungszwecken gezüchtet, der jüngste Durchbruch wird diese Zahlen eher noch steigen lassen.

Geklonte Affen sind ein Anblick, der für mich bei aller Niedlichkeit nur schwer zu ertragen ist. Die Klon-Befürworter erachten die Forschung mit Affen als zwangsläufig, um Fortschritte im Kampf gegen Alzheimer, Autismus und Schizophrenie zu machen. Doch haben wir das Recht, Tiere dafür leiden zu lassen? Die wissenschaftliche Einordnung des Beitrags hilft bei der schwierigen Auseinandersetzung mit dieser Frage. 

Video: Wenn Mensch und Tier sich in die Quere kommen

Ein Wolf steht vor einem Panzer. | Bildquelle: WDR Video

Wölfe in Niedersachsen, Wildschweine auf Usedom, Biber in Bayern: wo sich die Lebensräume von Menschen und Wildtieren kreuzen, kommt es schnell zu Konflikten. Was der Zoologe super findet, kann für Maisbauer, Fischzüchter oder Waldbesitzer zur Existenzbedrohung geraten, wie die Beiträge der Sendung anschaulich zeigen.

Persönlich erfreue ich mich am Anblick der faszinierenden Biberburgen oder der wildlebenden Nandus im Osten Deutschlands. Dennoch verstehe ich den Unmut der Menschen, die dadurch massive Nachteile hinnehmen müssen. Für ein ausgewogenes Verhältnis braucht es den Staat. Vorurteile abbauen, Verluste ausgleichen und gleichzeitig dem Wildleben einen gesunden Rahmen bieten, im Sinne des Naturschutzes: nicht einfach, aber machbar!


Filme, Dokus, Reportagen

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Stand: Tue Feb 06 09:00:00 CET 2018 Uhr

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