Jugendliche und Onlinemedien: Smartphones

fünf Kinder sitzen über Tablet gebeugt und gucken interessiert. | Bildquelle: colourbox.de

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"Mama, darf ich ein Smartphone?"

Daniel Isengard

Telefon, Spielekonsole, Kamera - Smartphones sind alles in einem. Deshalb sind sie sehr begehrt, schon bei den ganz Kleinen. Der richtige Umgang will also früh gelernt sein.

Bereits jedes fünfte Kind im Alter von sieben Jahren besitzt laut BITKOM-Studie 2014 ein Smartphone.  Bei den 12- bis 19-Jährigen haben laut fast 90 Prozent ein solches Telefon.  In der Generation der sogenannten "Digital Natives" sind sie ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Ab wann sollten Kinder Smartphones besitzen? Auf diese Frage gibt es keine klare Antwort, aber viel zu beachten.

Teure Prestige-Anschaffung

Smartphones sind wichtig für junge Menschen. Sie sind Statussymbol und für zahlreiche Kinder und Jugendliche Voraussetzung für soziale Akzeptanz innerhalb der Gruppe. Manchmal ist es da sogar besser, gar kein Smartphone zu haben, statt das alte Handy, das die große Schwester schon vor fünf Jahren benutzt hat. Je nach Marke - und die gehört zum Prestige - kostet ein Smartphone bis zu 1.000 Euro. Da sollte man sich gut überlegen, ob eine so teure Anschaffung sinnvoll ist. Zwar lernt das Kind, Verantwortung für Wertgegenstände zu übernehmen. Es ist jedoch immer die Frage, ob es einer solchen Verantwortung schon gewachsen ist. Denn Besitz bringt immer auch Neider mit sich. Außerdem wird der Rucksack mit dem Handy beim Spielen vielleicht auch mal aus den Augen gelassen. Die Frage, ab wann die Anschaffung aus finanzieller Sicht angemessen ist, kann nur individuell beantwortet werden.

Vorteile - erreichbar sein und Kontakt halten

Gerade bei jüngeren Kindern hat das Smartphone als ständiger Begleiter den großen Vorteil, dass man seine Kinder ständig erreichen kann. Für Eltern in Sorge bietet das Smartphone die Möglichkeit, schnell per WhatsApp nachzufragen, ob alles in Ordnung ist. Darauf kann das Kind auch mal kurz antworten, ohne sich vor den Freunden die Blöße zu geben, ein Gespräch mit Mutti zu führen. 

Außerdem bietet das Smartphone schon früh die Gelegenheit, Kontakt zu Freunden zu halten. Bereits Schüler und Schülerinnen in 4. Schulklassen bilden kurz vor dem Ende der Grundschulzeit WhatsApp-Gruppen, um den Kontakt zu den Klassenkameraden nicht zu verlieren, nachdem sich die Wege getrennt haben. Doch diesen Vorteilen stehen auch Risiken gegenüber.

Kostenfalle Handyvertrag

Das Angebot an Handy- und Smartphone-Verträgen hat sich in den letzten Jahren verändert und erweitert. Im Mittelpunkt steht die Möglichkeit, immer und überall online zu sein und dabei möglichst viel Datenvolumen zu haben. Außerdem sind Verträge, die eine Internet-Flatrate anbieten inzwischen vergleichsweise günstig, so dass sie auch für Kinder und Jugendliche vom monatlichen Taschengeld bezahlt werden können. Die JIM-Studie 2014 fand heraus, dass nur noch die Hälfte der 12- bis 19-Jährigen ihr Smartphone mit einer Prepaid-Karte aufladen. 

Smartphone Rechner auf Euro Scheine Geld. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Für den Abschluss eines Vertrags benötigen Kinder und Jugendliche dann allerdings die Unterschrift der Erziehungsberechtigten. Dabei gilt es, vor allem auf die Details der Verträge zu achten. Im Mittelpunkt stehen die Fragen: Was ist im Vertrag enthalten? Welche Kosten können zusätzlich entstehen, wenn beispielsweise die Freiminuten aufgebraucht sind oder Telefonate in Fremdnetze geführt werden? Achten Eltern und auch Kinder nicht darauf, wird das Smartphone schnell zur Kostenfalle. Sind die Freiminuten oder Frei-SMS aufgebraucht, dann werden alle Gespräche und Nachrichten darüber hinaus teuer. Das sprengt den Taschengeld-Rahmen und belastet das Konto der Eltern. Teuer wird es auch, wenn sogenannte "Premium-SMS-Dienste" genutzt werden. Dies sind beispielsweise Musik- oder Video- Abos. Oft werden diese unabsichtlich abgeschlossen und müssen dann wieder aufwändig gekündigt werden. Durch eine sogenannte "Drittanbietersperre" können Sie von vorneherein die Nutzung solcher Premiumdienste verhindern.

Ungefilterter Zugang zu einer neuen Welt

Mobiles Internet bietet Smartphone-Nutzern überall Zugang zum World Wide Web, einer Welt, in der Nutzer alles sehen können - das gilt auch für Kinder. Smartphones eröffnen den Einblick in eine Welt, die nicht zwingend für Kinderaugen gedacht ist. Dabei braucht es nicht mal viel Aufwand, um in die dunklen Ecken des Spielzimmers Internet zu gelangen. Tippen Kinder beispielsweise das scheinbar harmlose Wort "eklig" bei Google ein, so spuckt die Suchmaschine Bilder mit teilweise gewalttätigem und pornografischem Inhalt aus. Diese Bilder und Videos werden dann oft auch im Freundeskreis verbreitet. Ein Drittel der Jugendlichen hat laut der JIM-Studie 2014 im engen Freundeskreis schon die Verbreitung von Pornovideos oder Filmen mit gewalttätigem Inhalt mitbekommen. Zwar ist es möglich, Seiten zu sperren. Doch den kompletten nicht jugendfreien Inhalt des Internets zu verriegeln, dürfte schwierig werden.

Smartphones als Zeitverschwendung?

Zwei Kinder sitzen nebeneinander im Bus und starren auf ihr Smartphone. | Bildquelle: colourbox.de

Das Smartphone wird durch die Vielzahl an Apps, die man sich auf sein Smartphone herunterladen kann, zum Universalwerkzeug. Smartphones sind MP3-Player, Spielekonsolen oder Sportinformations-Dienst. Vor allem sind sie aber eines: Zeitfresser! Fast ein Drittel der Kinder und Jugendlichen geben zu, viel Zeit mit ihrem Smartphone zu verschwenden (Quelle: JIM Studie 2014). 

Ein weiteres Problem gibt ein Viertel der Befragten an: Die Angst, etwas zu verpassen, wenn das Smartphone ausgeschaltet ist. War das Handy ursprünglich auch Zugang zu sozialen Gruppen, so kann der ständige Blick auf das Display den direkten Austausch mit Freunden und Mitschülern hemmen. 

Erst mal probieren lassen

Damit vor allem Kinder sich an den Umgang mit Smartphones gewöhnen, sollten sie in einer sicheren Umgebung "üben" können. Eltern und Kinder können gemeinsam das elterliche Smartphone benutzen, damit das Kind bestimmte Funktionen kennen lernt und einen Überblick über die Möglichkeiten und Gefahren des Umgangs bekommt. Der Vorteil dieser Heranführung: das eigene Smartphone lässt sich mit wenigen Handgriffen kindersicher einstellen, so dass es ohne Gefahr auch mal unbeaufsichtigt bedient werden kann:

8 Tipps, wie Sie ein Smartphone kindersicher machen

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Tipp 1: Mit dem Kind reden

Kindern im Grundschulalter kann man die Gefahren der Smartphonenutzung nur schwer vermitteln. Ein internetfähiges Handy ist für sie ungeeignet. Sollten sie trotzdem Zugriff haben, ist es wichtig, den Internet-Zugang (auch WLAN) auszuschalten oder zu sperren. Das geht z.B., indem man den Flugmodus einschaltet oder beim Android-Handy in den Offline-Modus geht.

Bei älteren Kindern mit einem größeren technischen Verständnis, kann man nur mit Aufklärung und Vertrauen etwas erreichen. Machen sie ihrem Kind klar, dass heute in fast jedem kostenlosen Spiel "In-App-Käufe" lauern, bei denen z.B. der Kauf virtueller Juwelen am Ende echtes Geld kostet. Und auch, dass das Klicken auf Werbebanner teuer werden kann.

Ansonsten: Interessieren Sie sich für das, was Ihr Kind im Internet tut und bleiben Sie auch selbst (technisch) up to date. Vereinbaren Sie feste Regeln und zeitliche Vorgaben für die Smartphone- bzw. Internet-Nutzung.

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