Kommt, lasst uns die Welt retten!

Eine Frau bläst Seifenblasen. | Bildquelle: ARD.de

Persönliche Highlights aus der ARD Mediathek

Kommt, lasst uns die Welt retten!

Meike Büchner, Redakteurin ARD.de

Meike Büchner. | Bildquelle: ARD.de

Wo andere Steine warfen, schickten sie Seifenblasen in den Himmel: Beim G20-Gipfel bewiesen viele Menschen, dass Protest auch friedlich sein kann. Mit kreativen Aktionen haben sie ihre Stimme erhoben. Solche Menschen, die sich für ein Anliegen oder andere Mitmenschen stark machen, beeindrucken mich.  Doch in die Tagesschau schaffen es die wenigsten. Meine ausgewählten Videobeiträge zeigen Menschen, die sich gegen Hass und Terror, gegen Ungerechtigkeit und Armut engagieren - und dabei viel Mut und Einsatz zeigen.

Glaubenskrieger - Hassan gegen den Rest der Welt

Hassan Geuad. | Bildquelle: SWR Video

Hassan Geuad ist Muslim und will nicht zusehen, wie Radikale im Namen des Islam morden. Der Dokumentarfilm zeigt, wie er und seine Gruppe "12thMemoRise" wachrütteln und aufklären wollen – mit spektakulären Protesten in Fußgängerzonen und im Netz. Auf Unterstützung durch muslimische Dachverbände warten sie vergeblich. Stattdessen ernten sie viel Hass und sogar Morddrohungen.

Es ist ein bisschen wie David gegen Goliath: Ohne Rückendeckung größerer Organisationen kämpft eine kleine Gruppe gegen die scheinbare Übermacht der Extremisten. Mich faszinieren der Mut und die Entschlossenheit, mit der sie in die Öffentlichkeit gehen. Gleichzeitig erschreckt es mich, wie wenig Rückhalt sie aus den eigenen Reihen haben – ob aus Scham, Furcht vor oder Zustimmung für Extremisten. Es muss wohl mehr solcher Aktivisten geben!

Rettung auf der Todesroute

Reporterin Nadia mit einem Crewmitglied. | Bildquelle: WDR Video

Für drei Wochen geht Reporterin Nadia Kailouli an Bord der "Aquarius" der Organisation "SOS Mediteranée". Ein Schiff, das Flüchtlinge in Seenot rettet. Sie spricht mit den Menschen, die an Bord arbeiten, gibt aber auch den Flüchtlingen eine Stimme.

Organisationen wie "SOS Mediteranée" wird vorgeworfen, mit den Schleppern in Libyen zu kooperieren. Ich finde: Wo sich staatliche Institutionen zurückziehen, leisten die NGOs wertvolle Arbeit. Die sehr persönliche Reportage von 2016 macht deutlich, worum es bei den Einsätzen geht: Menschen, die auf der Flucht sind, vor dem Ertrinken zu retten. Und das gelingt ihnen beileibe nicht immer, wie ich als Zuschauerin bezeugen muss.

Duell auf hoher See - der Kampf um die Brent Spar

Brachiale Wasserwerfer gegen winzige Schlauchboote: 1995 kaperten Greenpeace-Aktivisten die verlassene Ölplattform Brent Spar in der Nordsee, die der Ölmulti Shell im Meer versenken wollte. Was folgte, war eine beispiellose Seeschlacht. Eine Doku über den größten Erfolg der Umweltschützer, der zugleich ihr Ende als Schlauchboot-Aktivisten einläuten sollte: Greenpeace wurde zum professionellen Lobbykonzern.

Der Kampf um die Brent Spar war vor allem ein Kampf der Bilder – und den beherrschte Greenpeace. Ohne die Medien, die sich vorbehaltlos hinter sie gestellt hatten, hätten die Öko-Aktivisten nicht gewonnen. Dass auch beim Einsatz für eine gute Sache kritische Distanz nötig ist, wird mir hier klar: Greenpeace hatte mit völlig falschen Zahlen agiert was den Ölschlamm in der Brent Spar betraf und so den Kampf für sich entschieden – ob aus Versehen oder bewusst bleibt offen. Bei mir bleibt ein schaler Beigeschmack.

Raus aus dem Elend - eine Deutsche kämpft gegen die Armutsflucht

Kinder sitzen an Tischen und schreiben. | Bildquelle: WDR Video

Ein Slum mitten in Europa? Zufällig entdeckt Jenny Rasche die Roma-Siedlung, als sie mit einem Hilfstransport auf dem Balkan unterwegs ist. Was sie dort sieht, macht die Sozialarbeiterin fassungslos: Hütten, ein Haufen hungernder Menschen, unterernährte und verwahrloste Kinder. Sie gründet eine Hilfsorganisation und zieht mit ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern aus dem Harz nach Rumänien.

Die über sechs Jahre gedrehte Doku hat mich von Anfang an in den Bann gezogen. Könnte ich das? Das eigene, sichere Leben auf meiner Wohlstandsinsel aufgeben und mit der Familie in ein fremdes Land ziehen, um dort den Ärmsten zu helfen? Eine Doku, die Mut macht - trotz des Leids und der Armut.

Einer, der Gesicht zeigt

Michael an der Gitarre. | Bildquelle: BR Video

Jahrelang engagiert sich Michael gegen Rechtsextremismus. Als Sprecher einer Initiative wird er selbst zur Zielscheibe der Neonazis. Doch er lässt sich nicht einschüchtern und kämpft weiter für seine Überzeugungen.

Michael hat viel zu verlieren: eine Frau, zwei Kinder, ein schönes Haus. Und doch zeigt er offen Gesicht und stellt sich an die Spitze einer Initiative gegen Rechts. Hat er keine Angst, frage ich mich? Dass Neonazis hochgefährlich sind, hat zuletzt die Aufdeckung des NSU gezeigt. Doch das Porträt von Michael macht deutlich: Mit Humor und Gleichgesinnten ist vieles zu ertragen!

Stand: Thu Aug 03 13:57:24 CEST 2017 Uhr

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