Mein Körper, mein Zuhause

Frau in geblühmten Kleid. | Bildquelle: colourbox.de

Persönliche Highlights aus der ARD Mediathek

Mein Körper, mein Zuhause

Ina Mersch, Redakteurin ARD.de

Ina Mersch, ARD. | Bildquelle: ARD

Extrem viele Frauen und Mädchen, zunehmend auch Männer, sind mit ihrem Körper unzufrieden. Um ihn zu optimieren, führen sie eine Art Krieg - hungern ihn aus, kämpfen sich in Sportstudios ab, lassen ihn strecken, aufpolstern und straffen. Aber ist unser Körper nicht eigentlich unser Zuhause, in dem wir uns wohlfühlen sollten - unabhängig vom aktuellen Schönheitsdiktat? Ein Appell für ein realistischeres und liebevolleres Körperbild.

Nora Tschirner weiß, warum Kim Kardashian einen Po hat wie wir

Szenenfoto "NDR Talkshow" mit Nora Tschirner. | Bildquelle: ARD Video

"Wir haben uns in einen Optimierungs-Fasching hineinmanövriert", sagt Nora Tschirner, die sich sehr intensiv mit unserem alltäglichen Schönheitswahn beschäftigt hat. Warum sie es wichtig findet, dass sich das Körpergefühl von Frauen ändert, erzählt sie in der "NDR Talk Show". Und ganz nebenbei erfährt man auch, warum der Po von Kim Kardashian nur eine Sache der Kontrolle über ihre Bilder ist.

Vielleicht taugt Nora Tschirner nicht hundertprozentig als Vorbild, denn sie ist genau das, was viele sein wollen: schön, schlank und prominent. Aber auch sie hatte das Schönheitsdiktat zeitweise fest im Griff - gerade weil sie prominent ist! Was bei mir hängen bleibt: ihr Appell an uns alle, nicht auf eine Umkehr der Medien zu warten, sondern selbst in die Hand zu nehmen, wo wir hinschauen wollen und wo nicht. Und schließlich, dass sie hofft, dass wir über das Thema bald ganz hinweg kommen. Denn letztlich ist dieser Optimierungswahn auch Ausdruck unseres gesellschaftlichen Zwangs zur Perfektion auf allen Gebieten. Er hat das Zeug, uns langfristig depressiv und krank zu machen.

"Wenn du auf schlanke Zeiten wartest, lebst du nur halb"

Szenenbild "Liebe deinen Körper, so wie er ist". | Bildquelle: ARD Video

"Liebe deinen Körper, wie er ist!" Das ist das Motto der Body Positivity Bewegung, zu der auch das ausdrucksstarke und wunderschöne Plus-Size-Modell Jana gehört, die im Beitrag porträtiert wird. Aber ist die Gesellschaft wirklich schon so weit, dieses Einverständnis auch bei Übergewichtigen zu akzeptieren? "puls" macht dazu ein Experiment: Die Moderatorin tritt mit ihrer Originalfigur und mit 70 Kilo mehr zum Berufscheck an. Traut man ihr mit Übergewicht genauso viel zu?

In Zeiten wo Plus Size in manchen Agenturen schon bei Kleidergröße 38 anfängt, habe ich Zweifel, ob wir unser Körperideal einfach so wandeln können. Bei diesem Experiment wäre auch ich in die Klischee-Falle getappt. Peinlich! Und schade, denn wir verpassen so viel Schönheit und Vielfalt.

Super fit für Instagram

Szenenbild aus "Schluss mit Body-Shaming". | Bildquelle: FUNK

Mindestens (!) viermal die Woche ins Fitnessstudio gehen, Pausen- und Regenerationszeiten beachten, einen strikten Ernährungsplan einhalten, zu bestimmten Zeiten essen, zu bestimmten Zeiten aufhören zu essen, nie mehr Dinge aus dem Supermarkt einfach so konsumieren oder sich ein Brötchen beim Bäcker holen. So fit und schön zu sein wie mancher Instagram-Star ist eine Vollzeitbeschäftigung - und extrem entbehrungsreich, wie der Beitrag zeigt.

Die geschönten und bearbeiteten Bilder auf Instagram und Co. sind dabei, uns das Gehirn und damit die Vorstellung von "normalen" Körpern zu vernebeln. Was das mit jungen Mädchen macht, die sich selbst nur noch gefiltert oder mit rosa Bäckchen und Hasenohren aushalten können, davon habe ich mit einer 13-jährigen Tochter eine sehr gute Vorstellung - und ich wüsste gerne, wie man es verhindert.

Der Körper als Heiligtum

Szenenbild: "Der Körper als Heiligtum". | Bildquelle: ARD Video

Eine völlig andere Geschichte erzählt der Beitrag über das Alternativ-Modell Trizz Täss, die ihren Körper zum Kunstobjekt gemacht hat. Sich nicht wie eine Fremde im eigenen Körper zu fühlen, das musste sie sich hart erarbeiten.

Obwohl mir Trizz' Körperdarstellung im ersten Moment wie das gegenteilige Extrem erscheint, erzählt ihre Geschichte auch von einer großen und liebevollen Annäherung. Ihre Geschichte macht aber auch klar, wie sehr sich die Seele im Körper spiegelt und im schlimmsten Falle eben keine Heimat findet.

Der Kult um den Körper

Szene aus "Nachtcafé". | Bildquelle: SWR Video

Der schöne und möglichst makellose Körper ist in unserer Gesellschaft zum Statussymbol geworden. Doch ist alles, was machbar ist, auch notwendig und richtig? Darüber sprechen die Gäste im "Nachtcafé".

Dass wir unseren Körper gesund und schön erhalten, wer will es uns verdenken. Doch wenn sich ein junger Mann die Beine brechen lässt, um sie acht (!) Zentimeter zu verlängern und damit Modellmaße zu erreichen, muss ich schlucken. Und auch bei der "ewigen Barbie" Angela Vollrath, die ein schmerzensreiches Optimierungs-Leben hinter sich hat, kommt bei mir so etwas wie Mitleid auf. Weil sie so unbeirrbar und ohne Einsicht an ihrem Schönheitsideal festhält. Im Vergleich mit den genannten Protagonisten kommt mir der Schönheitschirurg Werner Mang wie ein Hohepriester der Mäßigung vor und Reiner Calmund wie ein Achtsamkeits-Guru. 

Welcher Beitrag hat Sie beeindruckt? Wir sind gespannt!

Stand: Tue Oct 10 14:06:48 CEST 2017 Uhr

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