Mitdiskutieren bei Social TV und Social Radio: Zusammen schaut man weniger allein

Screenshot Social TV "Beckmann". | Bildquelle: ARD.de

Screenshot Social TV "Beckmann"

Mitdiskutieren bei Social TV und Social Radio

Zusammen schaut man weniger allein

Jasmin Herter

Bei Social TV und Social Radio diskutieren die Zuschauer live mit Experten, fiebern mit Reportern und tauschen sich mit anderen Nutzern über die Sendung, den Film, die Show oder ein Fußballspiel aus. Aber wie funktioniert das eigentlich? Und was, wenn ich mich einfach nur berieseln lassen möchte?

 

Was ist Social TV und Social Radio?

Sujetbild Social Media. | Bildquelle: colourbox.com

Social TV und Social Radio nennt sich die Kombination von sozialen Medien und dem Fernsehen beziehungsweise dem Radio. Im Mittelpunkt steht dabei das Zusammenspiel von Livestreams aus der ARD Mediathek und Nutzerkommentaren. Die Nutzer können sich damit während einer Sendung austauschen. Zum einen mit anderen Zuschauern, die während einer Sendung oder eines Films online mitdiskutieren und zum anderen mit der Redaktion oder mit den Kommentatoren bei einem Sport-Ereignis.

Und sogar mit den Machern selbst kann der Zuschauer in Kontakt treten: Beim ARD-TV-Event "Der Turm" hat Regisseur Christian Schwochow live im Social TV Zuschauer-Fragen beantwortet und von der Arbeit am Film und dem Dreh erzählt.

Wie funktionieren Social TV und Social Radio?

Um Social TV und Social Radio auf ARD.de zu nutzen, ist keine Anmeldung erforderlich. Zuschauer können ohne Anmeldung direkt auf ARD.de oder mit ihren vorhandenen Social-Media-Profilen (Twitter, Facebook, Google+) dabei sein und diskutieren. Social TV und Social Radio auf ARD.de laufen auf allen Plattformen, zum Beispiel auf PCs, Tablets oder Smartphones und sind individuell steuerbar: Beim Social TV kann der Nutzer entscheiden, ob er den Schwerpunkt auf das Video oder aufs Kommentieren legen möchte. Entsprechend kann er die Größe des Livestream-Fensters ändern. Die Beiträge sind moderiert. Der User sieht also Kommentare, die die Redaktion ausgewählt hat.

Wissen Fernsehmacher überhaupt was online getwittert, gepostet, gelobt und kritisiert wird?

Ja. In der US-Wahlnacht ging Moderator Jörg Schönenborn beispielsweise auf Kritik der Zuschauer ein, die online zusahen. Nutzer "Brandt" kommentierte damals im Social TV: "Diese Obamania, die hier von der ARD abgezogen wird, ist unerträglich. Ich bin absolut kein Fan der Republikaner, aber eine neutralere/wertefreiere Berichterstattung würde der ARD gut zu Gesicht stehen." Der Moderator mache aus seiner Sympathie für den Demokraten ja keinen Hehl, so der Vorwurf. Dieser Kommentar wurde später in der Wahlsendung zitiert. Jörg Schönenborn räumte ein, einen journalistischen Fehler gemacht zu haben. Direkte Fernseh-Demokratie sozusagen. Die Zuschauer fanden das "Social TV der #ARD vorbildlich".

Und wie hört sich das im Social Radio an?

Sujetbild Social-Radio-Reportage. | Bildquelle: colourbox.com/ARD.de Audio Audio

Audio: Ein Champions-League-Abend mit Social Radio

Bei Social Radio kommunizieren die Sportreporter auf mehreren Kanälen. Während sie live vor Ort zum Beispiel Fußballspiele kommentieren, lesen sie mit einem Auge die Beiträge im Social Radio und gehen in Echtzeit auf die Kommentare ein. Und plötzlich ist das Medium Radio nicht mehr nur einseitig.

Was, wenn ich einfach nur gucken und nichts tun will?

Dann am besten das Livestream-Fenster groß ziehen und sich in Ruhe berieseln lassen. Die ganze Bandbreite, die es zusätzlich zum klassischen Programm gibt, soll den User nicht überfordern. Und Leute, die keine Lust auf Diskutieren, Rätseln und Twittern haben, können sich auch in Zukunft in Ruhe dem Fernsehgenuss hingeben.

Was, wenn mir Diskutieren alleine nicht reicht?

Dann gibt es zusätzliche Features für den sogenannten Second Screen. Auf diesem zweiten Bildschirm - dem Smartphone, Tablet oder PC - laufen dann synchron zur Ausstrahlung Inhalte mit Bezug zum Fernsehfilm.

Durch einen QR-Code oder den direkten Aufruf der URL erhalten Nutzer zum Beispiel Zusatzinformationen auf den Second Screen. Beim ARD-Spielfilm "Rommel" konnten sie mitraten, welcher Schauspieler welchen General spielte oder erfuhren, welche Bedeutung der Führer-Eid hatte. Und das alles gleichzeitig zur Ausstrahlung.

Auch spielerisches Fernsehen ist möglich. Denkbar wäre etwa folgende Szenerie beim Tatort: Die Tatortermittler gehen in die Gerichtsmedizin. Plötzlich macht es "Bing" auf dem Smartphone oder dem Tablet und der Obduktionsbericht steht zum Download bereit. Dann könnten Nutzer selbst lesen, was der Gerichtsmediziner herausgefunden hat.

Wie geht es weiter mit Social TV und Social Radio?

Es gibt Formate, die besonders gut mit Social TV und Social Radio funktionieren und viel Mehrwert für den Zuschauer bieten. Aber eben auch einige, die weniger dafür geeignet sind - daher wird Social TV sich weiterentwickeln. Fernsehmacher und Kommunikationswissenschaftler sind sich sicher, dass sich unser Medienkonsum ändern wird und Social TV sowie Social Radio dabei eine Brücke zu einem geänderten Nutzungsverhalten schlagen - Hand in Hand mit der Digitalisierung. Denn die ARD/ZDF-Onlinestudie 2012 zeigt: Der Fernsehkonsum nimmt zwar weiter zu, die Nutzung der damit verbundenen Onlineangebote allerdings auch. Und bisher werden Social TV und Social Radio positiv von den Nutzern aufgenommen. So schrieb Zuschauer "Karlsson vom Zug" beim TV-Ereignis "Der Turm": "ARD Social ist toll! Ich hoffe es gibt solche Abende häufiger".

Stand: Wed Nov 28 00:00:00 CET 2012 Uhr

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