Zero Waste

Frische Lebensmittel in Tonne. | Bildquelle: colourbox.de

Persönliche Empfehlungen aus der Mediathek

Zero Waste: Zu gut für die Tonne

Carolin Albrand

Carolin Albrand. | Bildquelle: ARD

Ich koche gerne und kaufe dementsprechend viele Lebensmittel ein. Was mich nervt: Alles ist in Plastik eingepackt und ich schmeiße viel zu viele Reste weg. Eine Lösung bietet die Bewegung "Zero Waste". Im Kern steht ein bewusster Konsum, also wie man durch eine gute Planung Verschwendung vermeidet und keinen Plastikmüll mehr produziert. Das möchte ich ausprobieren. Beim Blick in die Supermarktregale wird mir klar: Kein Plastik wird eine Herausforderung. Für die ersten Schritte habe ich einen Erste-Hilfe-Blog mit spannenden Dokus und praktischen Tipps zusammengestellt.   

Ein Leben ohne Müll

Unverpackte Lebensmittel: Eine Hand voll Erbsen. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Video

Die New Yorkerin Lauren Singer beschäftigt sich seit mittlerweile zwei Jahren mit der Frage, wie sie leben kann, ohne Müll zu produzieren. Ihre Zahnpasta hat sie selbst gemixt. Die Zahnbürste ist kompostierbar. Und das sind nur einige Produkte, die sie durch plastikfreie Alternativen ersetzt. Aber wieso der ganze Aufwand? Wird doch recycelt! Doch in Deutschland trifft das lediglich auf 40 Prozent des Plastikmülls zu. Der Rest wird verbrannt oder landet in der Umwelt. 

Bei Lauren wirkt plastikfrei nicht wie ein Verzicht. Freudig und mit einer beneidenswerten Leichtigkeit plant sie ihren Einkauf und geht viel natürlicher mit Produkten um. Einige ihrer Tipps setze ich gleich um: 

  • Vor dem Einkaufen: Tasche nicht vergessen.
  • Zu einzelnen, unverpackten Lebensmitteln greifen.
  • Mehrwegbecher mitnehmen oder den Kaffee einfach nicht unterwegs trinken, sondern "to stay".
  • Zum Putzen Lappen verwenden und keine Küchenrolle. Die kann man waschen und wiederverwenden. 

Kampf der Lebensmittelverschwendung

Selina Juul - Pionierin im Kampf gegen Essensverschwendung. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die globale Lebensmittelproduktion reicht theoretisch aus, um weit mehr als sieben Milliarden Menschen jeden Tag satt zu machen. Von den sieben Milliarden hungern aber laut der Welthungerhilfe 795 Millionen – täglich. Anders ausgedrückt: Ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel landet im Müll. In Deutschland sind das laut WWF rund 50.400 Tonnen Lebensmittel am Tag. 

In Dänemark hat die Aktivistin Selina Juul erreicht, dass die Lebensmittelabfälle um 25 Prozent reduziert wurden. Mittlerweile führt sie eine Massenbewegung an, die zeigt, dass persönliche Initiative und bewusster Konsum sehr wohl einen Unterschied machen können. Verschwendung beginnt beim Konsumenten. Das Video gibt es hier

  • Morgens den Kühlschrankinhalt abfotografieren ersetzt den Einkaufszettel.   
  • Auch einzelne Bananen schmecken gut. "Single-Obst" wird im Supermarkt immer weggeschmissen. 
  • Weitere Strategien gegen Lebensmittelverschwendung gibt es in Selina Juuls englischsprachiger Kolumne der Huffington Post

Zero Waste als Lebenseinstellung

Supermarkt ohne Verpackungsmüll. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Audio Audio

Als eine der Gründerinnen der Zero-Waste-Bewegung gilt die Bloggerin Bea Johnson. Die Französin verzichtet bei allen Dingen des Alltags auf Verpackung. Für mich eine ziemliche Umstellung. Aus meinem Badezimmer könnte ich nichts mehr verwenden. Duschgel? Shampoo? Selbst die Seife ist in einem Plastikspender.

Bei Bea Johnson klingt "kein Müll" ein bisschen nach Selbstverwirklichung und ganz viel Lifestyle. Aber ihre Ökobilanz spricht für sich: Sie macht alle ihre Produkte selbst, verzichtet dabei angeblich auf nichts und schafft es auf ein Einmachglas voll Müll im ganzen Jahr. Der Schlüssel zu "Zero Waste" liegt laut Johnson in diesen fünf Prinzipien:

  • Verpackung ablehnen, Produkte reduzieren und wiederverwenden, Abfälle recyceln und kompostieren.

Unverpackt - Einkaufen ohne Müll

Einkaufen ohne Verpackungsmüll in verpackungsfreien Supermärkten.. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Video

Klopapier, Glasreiniger, Schokolade? Wo Aldi, Rewe und Co. keine Alternativen zur Plastikverpackung bieten, helfen so genannte verpackungsfreie Supermärkte. Wie so ein Einkauf abläuft, zeigt Marie Delaperriéres, Chefin von "UNVERPACKT" in Kiel. Hier findet man alles außer Fleisch- und Molkereiprodukte. Das verstößt noch gegen die deutschen Hygienevorschriften. Alles andere kann man sich Gramm genau in Gläser oder Stoffsäcke abfüllen.   

Ein Einkauf in einem verpackungsfreien Geschäft erfordert Planung. Obwohl man sich die Gefäße in manchen Läden sogar ausleihen kann. Auf den ersten Blick wirken viele Produkte teuer. Im Supermarkt rechne ich mir selten den Gramm-Preis aus. Insgesamt kaufe ich deutlich weniger und weiß bei jedem Produkt, was ich daraus mache. Richtig sparen kann man an Kosmetikartikeln, aber soweit bin ich noch nicht.  

  • Eine Liste von Geschäften in Deutschland, die ihre Ware komplett unverpackt anbieten, gibt es hier.

Plastik auf unserer Haut

Plastik auf unserer Haut. | Bildquelle: BR Video

Das wollte ich wirklich nicht wissen: Wir alle verseuchen die Umwelt mit Mikroplastik. Ohne es zu merken. Diese sehr kleinen Kunststoffe stecken in Klamotten, Duschgels oder Schminke. Da möchte ich Plastik sparen und schmiere mir das Zeug auch noch direkt auf die Haut. Das Problem: Verschiedene Kunststoffe wie Polyethylen stehen im Verdacht, wie ein Hormon auf den Körper zu wirken. Das kann beim Menschen zu einer verfrühten Pubertät, später zu Unfruchtbarkeit oder zu Brustkrebs führen.

Eine verlässliche Auskunft der Hersteller gibt es nicht. Meistens gilt, dass sie keine Feststoffe aus Plastik verwenden, flüssige- und gelförmige Kunststoffe zählen aber nicht dazu und werden eingesetzt. Um bei der unübersichtlichen Inhaltsliste durchzusteigen, helfen Apps wie Codecheck


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Stand: Fri Sep 08 11:00:51 CEST 2017 Uhr

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