"Social TV der #ARD: vorbildlich" - ARD-Internetangebote zur US-Wahlnacht

In der Sendung zur US-Wahlnacht liest Andreas Cichowicz einen kritischen Nutzerkommenatr vor.. | Bildquelle: Das Erste

Während der Sendung zur US-Wahlnacht liest Andreas Zichowitz einen kritischen Nutzerkommenatr vor.

ARD-Internetangebote zur US-Wahlnacht

"Social TV der #ARD: vorbildlich"

Ingo Fischer

Während im Fernsehen Jörg Schönenborn die "US-Wahlparty im Ersten" moderierte, diskutierten die Besucher der ARD-Internetangebote in den Nachtstunden mit. Nutzer wie "zumak" waren begeistert: "Social TV der #ARD: vorbildlich", postete er. Natürlich gab es auch (berechtigte) Kritik - und die wurde sogar live im Fernsehstudio aufgegriffen.

Dass die ARD ausführlich über US-Präsidentschaftswahlen berichtet, hat eine lange Tradition. Aber diesmal war dennoch etwas anders: Nie zuvor bei einer US-Wahl war die Vernetzung zwischen Fernsehen, Hörfunk und den Internetangeboten so stark wie dieses Mal. Im Social-TV der ARD Mediathek, auf der ARD-Facebookseite und dem Twitterauftritt des ARD-Studios Washington haben Redakteure informiert und Nutzer diskutiert: nicht nur über Romney und Obama, sondern auch über die Qualität der ARD-Wahlsendung: über Probleme mit dem Touchscreen im Studio, für welchen Kandidaten das Publikum Partei ergriffen hat - und die vermuteten Sympathien des Moderators Jörg Schönenborn für Barack Obama.

Als der amtierende Präsident einen US-Bundesstaat gewonnen hatte, bezeichnete Schönenborn dies als "gute Nachricht". Das sorgte auf der ARD-Facebook-Seite und im Social-TV-Angebot auf ARD.de sofort für reichlich Kritik. So schrieb etwa Nutzer "Brandt": "Diese Obamania, die hier von der ARD abgezogen wird, ist unerträglich. Ich bin absolut kein Fan der Republikaner, aber eine neutralere/wertefreiere Berichterstattung würde der ARD gut zu Gesicht stehen." Herr Schönenborn mache aus seiner Färbung ja keinen Hehl, wenn er von den "erfreulichen" Nachrichten spreche und erst im Nachsatz erwähne "natürlich für Obama".

Dieser Kommentar wurde wenig später live in der Wahlsendung verlesen. Jörg Schönenborn räumte daraufhin ein, einen Fehler gemacht zu haben. Sein Bestreben sei es, neutral zu berichten, erklärte er den Zuschauern. Aber das sei ihm in der zutreffend geschilderten Situation nicht geglückt - er habe sich von der großen Mehrheit im Studio beeinflussen lassen, die mehrfach offen Sympathien für den demokratischen Amtsinhaber bekundet habe. Dass der Moderator auf die Kritik aus dem Netz einging, kam bei den Internetnutzern sehr gut an: "Lob für die Selbstkritik! Steigert den Wert des Formates", schrieb etwa "mirall". Und "Klaus" kommentierte: "Hallo Jörg. Sie müssen sich nicht rechtfertigen. Wir leben in einer Demokratie. Sie dürfen natürlich, genau wie jeder Zuschauer, auch Ihren Favoriten haben."

Online first

Auf Twitter gab Tina Hassel vom ARD-Studio Washington die Zahlen der neusten Hochrechnungen bekannt, noch bevor Schönenborn sie im Fernsehen verkündete. Außerdem veröffentlichte sie Fotos, etwa wie Ex-US-Außenminister Henry Kissinger vor seinem TV-Auftritt in der Maske saß oder wie sie sich mit Heißgetränken gegen die Kälte wappnen wollte. "Kann die ARD Tina Hassel mal ein Paar Handschuhe bringen?", kommentierte dies "Bric McManama". Zudem konnten die Zuschauer parallel zum Fernsehbild ausgewählte Tweets mit dem Hashtag #uswahl auch im ARD Text auf Videotextseite 777 mitverfolgen.

Die Wahlsendung und das Internetangebot der ARD kamen insgesamt sehr gut bei den Zuschauern und den Nutzern an. Rund 110.000 Besucher verzeichnete das Social-TV-Angebot - und dies in den Nachtstunden zwischen 22:45 und 5 Uhr. "Ja also man kann es nicht oft genug sagen die Sendung ist spitze da zahlt man gern Rundfunkgebühren", kommentierte "Marc". Und "Alexander Robert Barharn" schrieb gegen vier Uhr morgens: "Verfolge eure Sendung seit 23:50. sehr gut gemacht! Muss in 2 Stunden aufstehen, und jetzt ist es eh zu spät um schlafen zu gehen. Also wird sich mit Kaffee wachgehalten. Grüße aus Sonderburg (DK)." Ganz ähnlich auch "pro obama from london": "Obwohl ich morgen um 7Uhr aufstehen muss, kann ich mich nicht vom Laptop losreisen! Ich studiere derzeit in London und schau daher eure Sendung per live stream. Ein großes Lob dafür!"

Doch es gab auch Kritik an der Berichterstattung. So schrieb "scharnaz": "Irgendwie hat das ganze aber einen bitteren Beigeschmack: Politik als Nachtshow, nett mit einer Band nebenbei und Schnittchen für alle...das Geld, was diese Berichterstattung kostet, hätte man besser den Sturmopfern auf Haiti spenden sollen!"

Solche Stimmen waren eher die Ausnahme. Den Grundtenor brachte "Ralf" auf den Punkt: "Mensch, ARD, was für ein lockerer, informativer Wahlabend. Wenn wir unsere Bundestagswahl auch so zelebrieren würden, hätten bestimmt mehr Bürger Lust mitzumachen und vor allem wählen zu gehen."

Stand: Wed Nov 07 05:30:00 CET 2012 Uhr

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