Transparenz: Studien zu Medienvertrauen und Glaubwürdigkeit der ARD

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Studien zu Medienvertrauen und Glaubwürdigkeit der ARD

Zahlreiche Studien und Umfragen belegen, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vertraut.

Hinweis: Die Darstellung basiert auf einer Auswahl von aktuellen medienspezifischen Untersuchungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Studien sind im Internet verfügbar. Die Links führen zur Primärquelle oder einer Zusammenfassung bzw. Analyse.

Vertrauen in die Medien im Langzeitvergleich stabil

Im Vergleich des Vertrauens der Bevölkerung in klassische Medienangebote - also Fernsehen, Hörfunk und Presse - finden sich deutsche Medien europaweit jeweils auf den vorderen Rängen wieder. Dabei ist das Vertrauen in Hörfunk und Fernsehen von 2016 auf 2017 gestiegen, in die Presse leicht gesunken. (Quelle: European Broadcasting Union 2018, S. 20, 24, 28). In einem weltweiten Vertrauensranking aus 36 Ländern belegen die deutschen Medien mit 50 % gattungsübergreifend den siebten Platz (Quelle: Universität Oxford 2017, S. 21).

Der häufig zitierte "Vertrauenseinbruch" gegenüber den Medien ist im Langzeitvergleich nicht belegbar. Im Gegenteil: Aktuelle Studien zeigen ein stabiles, ja sogar wachsendes Vertrauen, insbesondere in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sowie in die Tagespresse (Quellen: Universitäten Würzburg 2017 und Mainz 2018, Westdeutscher Rundfunk 2018). Kurzzeitige Schwankungen im Medienvertrauen sind auch in Deutschland kein außergewöhnliches Phänomen; sie hängen mitunter auch mit dem Grad der politischen Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit der Bevölkerung zusammen (Quelle: Universität Würzburg 2017). Den studienübergreifend feststellbar steigenden Vertrauenswerten stehen jedoch weitere Befunde gegenüber: Mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung gibt an, gesellschaftliche Zustände anders wahrzunehmen, als diese von den Medien dargestellt werden. Individuell als wichtig empfundene Themen werden laut knapp einem Viertel der Menschen von den Medien nicht entsprechend gespiegelt (Quellen: Universität Mainz 2018). Bei einer Abfrage des Bayerischen Rundfunks gab jeweils die Hälfte der Bevölkerung - damals noch stark unter dem Eindruck der sogenannten Flüchtlingskrise - an, dass Medien ihnen "zu wenig Gehör schenkten" und an ihren "Problemen vorbei redeten". Allerdings haben die Deutschen das Gefühl, dass ihre persönliche Realität am besten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in Tageszeitungen abgebildet wird (Quelle: Bayerischer Rundfunk 2016, S. 20, 21).

Das digitale Zeitalter ermöglicht jedem Internetnutzer selbst zu recherchieren und Nachrichten auch außerhalb des Angebots der traditionellen Medienhäuser zu konsumieren; dabei werden in Blogs oder sozialen Medien oftmals ganz bewusst und politisch motiviert unwahre oder fehlerhafte Informationen veröffentlicht. Gerade vor diesem Hintergrund bleibt der Qualitätsjournalismus als glaubwürdige Informationsquelle wichtig für die Gesellschaft und den Einzelnen. Der Vertrauensvorsprung, den journalistische Angebote gegenüber Plattformen und sozialen Medien erzielen, ist im internationalen Vergleich von 28 Ländern in Deutschland am größten. In 22 der 28 untersuchten Länder herrscht gegenüber Medien im Allgemeinen jedoch mehr Misstrauen als Vertrauen (Quelle: Edelman Trust Barometer 2018, S. 20). Betrachtet man die einzelnen Mediengattungen in Deutschland, zeigt sich: Das Vertrauen der Bevölkerung ist gegenüber journalistischen Angeboten der öffentlich-rechtlichen Hörfunk- und Fernsehsender sowie regionaler Tageszeitungen mit Abstand am größten. Nur ein Bruchteil der Bevölkerung vertraut hingegen Blogs und sozialen Medien. (Quelle: Studienreihe "Medien und ihr Publikum" 2017).

Kernaussagen zur Wertschätzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Auf Basis der einschlägigen wissenschaftlichen Literatur lassen sich drei Kernaussagen treffen.

1. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist von hoher Relevanz für die Meinungsbildung in Deutschland.

Öffentlich-rechtliche Medien punkten länderübergreifend nicht nur durch den Umfang an gesellschaftlich relevanten Inhalten. Sie fördern zugleich politische Kenntnis und politische Partizipation der Bevölkerung (Quelle: Universität Oxford 2016, S. 16).

Das Interesse an gesellschaftlich relevanten Informationen, sogenannten "Hard News", ist in Deutschland mit 88 % im internationalen Vergleich sehr groß (Quelle: Reuters Digital News Report 2016, S. 98). Informationsangebote im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und Hörfunk werden dabei von den Menschen als besonders relevant wahrgenommen (Quelle: Studienreihe "Medien und ihr Publikum" 2017). Sie gelten außerdem als vertrauenswürdigste, zuverlässigste und glaubwürdigste Quelle (Quelle: Institut für Demoskopie Allensbach 2017, S. 6).

Den Angeboten der ARD werden im MedienVielfaltsmonitor der Landesmedienanstalten die größte Reichweite und Relevanz attestiert. Daher bildet die ARD am deutschen "Meinungsmarkt" mit 21,2 % bei den ab 14-Jährigen den größten Anteil. In der Alterskohorte der 14- bis 29-Jährigen halbiert sich dieser Wert jedoch nahezu auf 11,7 % (Quelle: MedienVielfaltsMonitor der Landesmedienanstalten 2017, S. 12, S. 31). 83 % der Befragten halten öffentlich-rechtliche Fernseh- und Radioangebote auch in der digitalen Zukunft für unverzichtbar (Quelle: Westdeutscher Rundfunk 2018, S. 9).

Verglichen mit den öffentlich-rechtlichen Angeboten, bieten kommerzielle Fernsehanbieter - mit Ausnahme ihrer reinen Nachrichtensender - nur in sehr geringem Umfang Informationssendungen an (Quelle: Programmbericht der Landesmedienanstalten 2017, S. 33f.). Dementsprechend nimmt die Bevölkerung das öffentlich-rechtliche Fernsehen einerseits sowie die kommerziellen Anbieter andererseits als zwei komplett unterschiedliche Systeme mit spezifischen Leistungen wahr - eine Ansicht, die sich in den letzten Jahren noch verstärkt hat (Quelle: ARD/ZDF-Studie-Massenkommunikation 2015, S. 4-6). Während öffentlich-rechtliche Sender u. a. bei den Werten Sachlichkeit, Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Objektivität vorne liegen, werden kommerzielle TV-Sender als unterhaltsamer, moderner und ungezwungener wahrgenommen (ebd., S. 3).

Den hohen Vertrauenswerten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks entspricht deren Nutzung: 60 % der Deutschen greifen täglich auf deren Angebote als Nachrichten- und Informationsquelle zum aktuellen Geschehen zurück (Quelle: Studienreihe "Medien und ihr Publikum" 2017).

2. Die ARD gehört zu den gesellschaftlich wertvollsten Institutionen in Deutschland.

Das Gemeinschaftsprogramm der ARD "Das Erste" sowie die Dritten Programme sind in der Wahrnehmung der Bevölkerung die Medien mit der größten Gemeinwohlorientierung (Quelle: Universität Sankt Gallen 2015). Ihnen werden ein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur Lebensqualität sowie moralisches Verhalten attestiert. In einem Ranking der "gesellschaftlich wertvollsten" Institutionen befinden sich die ARD und ihre Dritten Programme ganz oben, gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt, dem Arbeiter Samariter Bund sowie Amnesty International - und damit sogar noch vor UNICEF und Greenpeace (Quelle: Universität Sankt Gallen 2015).

Weitere Befragte loben den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland vor allem wegen seines Beitrags zur politischen Meinungsbildung und seiner ausgewogenen Berichterstattung (Quelle: ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation 2015, S. 12). Auch andere gesellschaftlich wichtige Faktoren werden durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk positiv beeinflusst: So ist in Ländern mit einem starken, öffentlich finanzierten Rundfunk der Grad der Pressefreiheit und der gesellschaftliche Zusammenhalt größer, die Korruption geringer und die Bevölkerung weniger anfällig für rechtsextremistisches Gedankengut. Kurzum: Zwischen öffentlich-rechtlichen Medien und einer gesunden Demokratie gibt es einen direkten Zusammenhang (Quellen: European Broadcasting Union 2016; Reuters Institute 2016). Dies wird unter anderem durch die nachweislich sachlichere sowie umfassendere gesellschaftspolitische Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien begünstigt (Quelle: Universität Zürich 2017).

3. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk genießt hohes Vertrauen und hat positive Effekte auf und für die gesamte Medienlandschaft.

Wird in Deutschland nach dem Vertrauen in spezifische Mediengattungen und deren Glaubwürdigkeit gefragt, so führen der öffentlich-rechtliche Rundfunk sowie die Qualitätspresse die Rankings der Medienforschung an (Quellen: Westdeutscher Rundfunk 2018, Bayerischer Rundfunk 2016, Institut für Demoskopie Allensbach 2017, Universität Mainz 2018). Auch bei der Glaubwürdigkeit von Nachrichtensendungen schneiden die Angebote der ARD am besten ab und liegen gleichauf mit dem ZDF. Auch die Vertrauenswerte der jungen Zielgruppe in Nachrichtenangebote der ARD liegen dabei deutlich vor jenen der kommerziellen Sendern sowie vor den sozialen Medien (Quelle: Forschungsgruppe Wahlen 2017). Zudem lassen sich in Ländern mit einem reichweitenstarken öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch positive Ausstrahlungseffekte auf kommerzielle Rundfunkanbieter feststellen (Quelle: Universität Zürich 2017). Die gute Reputation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wirkt sich überdies positiv auf das allgemeine Medienvertrauen aus (Quelle: Universität Zürich 2017). Hohe Vertrauenswerte bedeuten jedoch nicht, dass Menschen nicht auch Kritik an den Angeboten der ARD äußern würden, so etwa zur Schuldenkrise in Griechenland (Quelle: Otto Brenner Stiftung 2016) zum Ukraine-Konflikt (Quelle: infratest dimap 2014) oder zur Berichterstattung über die sogenannte Flüchtlingskrise (Quelle: Otto Brenner Stiftung 2017).

Fazit

Aktuelle Studien aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Quellen weisen eine weitgehend positive Grundhaltung der Bevölkerung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland auf. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass sich die ARD auf diesen Ergebnissen ausruhen soll, kann oder will. Auch ist es wichtig, Ergebnisse einzelner Studien sowie ihre Entstehung kritisch zu hinterfragen bzw. in den Zusammenhang mit anderen Studienergebnissen zu stellen. Dennoch: Das Gesamtbild, das die Studien und Abfragen vermitteln, ist durchaus positiv für die deutsche Medienlandschaft und bestätigt, dass die Menschen ihren öffentlich-rechtlichen Rundfunk schätzen.

Stand: Tue Mar 06 00:00:00 CET 2018 Uhr

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