Transparenz: Studien zu Medienvertrauen und Glaubwürdigkeit der ARD

ein Bücherregal mit vielen Büchern. | Bildquelle: colourbox.de

Bildquelle: colourbox.de

Studien zu Medienvertrauen und Glaubwürdigkeit der ARD

Großteil der Bevölkerung vertraut dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Die im folgenden Artikel zitierten Quellen sind im Text in Form von Links hinterlegt und/oder als PDF beigefügt. Die Auswahl der erwähnten Studien erfolgt ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Es wurden nur Studien berücksichtigt, die nicht älter als 2015 sind und als Untersuchungsgegenstand den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland bzw. seine Programme haben – auch bei internationalen Vergleichen.

Vertrauen in die Medien im Langzeitvergleich stabil

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland bezüglich des Vertrauens der Bevölkerung in die Medien auf den vorderen Rängen, so eine Studie der Universität München.  In einem Länder-Ranking des "Reuters Institute Digital News Report 2017" der Universität Oxford nehmen die deutschen Medien den siebten Platz unter 26 Ländern ein. Der häufig zitierte "Vertrauenseinbruch" gegenüber den Medien ist im Langzeitvergleich nicht belegbar. Im Gegenteil belegen jüngste Studien der Universitäten in München, Würzburg und Mainz sogar ein stabiles bis wachsendes Vertrauen, vor allem in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Tagespresse. Kurzzeitige Schwankungen im Medienvertrauen sind auch in Deutschland kein außergewöhnliches Phänomen und hängen mitunter auch mit dem Grad der politischen Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit der Bevölkerung zusammen, so die Wissenschaftler aus Mainz. Die politische Unzufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger äußerte sich vor allem während des "Krisenjahrs" 2015 in einem wachsenden Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen, zu denen laut Edelman Trust Barometer und einer Studie der Medienforschung des Bayerischen Rundfunks auch die großen Medienhäuser gezählt werden (Abb. 1).

Qualitätsjournalismus als Quelle der Information und die Glaubwürdigkeit der professionellen journalistischen Medien sind jedoch auch im digitalen Zeitalter wichtig für die Gesellschaft und den Einzelnen. Denn das Internet ermöglicht es allen, Nachrichten fernab der etablierten Medienhäuser zu sammeln. Informationen aus ungesicherten oder unbekannten Quellen sind jedoch oftmals fehlerhaft, unwahr oder versuchen, das System politisch motiviert bewusst zu diskreditieren, so die Studie der Universität München.

Drei Kernaussagen

Aus den wissenschaftlichen Studien lassen sich drei Kernaussagen treffen:

1. Die TV-Sender der ARD und das ZDF sind von hoher Relevanz für die Meinungsbildung in Deutschland.

Qualitativ hochwertige, unabhängige und faktenorientierte Berichterstattung durch Medien findet vor allem in Ländern mit einem starken, öffentlich finanzierten Rundfunk statt. Zu diesem Schluss kommen Studien der Universitäten in Oxford und Zürich sowie eines Forscherteams der Universitäten Amsterdam, Zürich und Odense. Das Interesse an gesellschaftlich relevanten Informationen, sogenannten "Hard News", ist laut "Reuters Digital News Report" in Deutschland mit 76 Prozent im internationalen Vergleich sehr groß. Diese "Hard News" werden nach Umfragen der Medienforschung des Bayerischen Rundfunks sowie des Instituts für Demoskopie Allensbach am verständlichsten und glaubwürdigsten vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk vermittelt.  Die Rundfunksender der ARD sind laut "MedienVielfaltsMonitor" der Landesmedienanstalten die relevantesten Medien auf dem deutschen "Meinungsmarkt" (Abb. 2). 83 Prozent der Befragten in der ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation halten öffentlich-rechtliche Fernseh- und Radioangebote auch in der digitalen Zukunft für unverzichtbar (Abb. 3). Zudem haben die Deutschen das Gefühl, dass ihre persönliche Realität am besten in Tageszeitungen und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk abgebildet wird, so eine repräsentative Studie des Bayerischen Rundfunks (Abb. 4). Dem umfassenden Nachrichten- und Informationsangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steht ein, abgesehen von kommerziellen Nachrichtenkanälen, vergleichsweise mageres Informationsangebot der Privatsender gegenüber (Abb. 5 + 6). Dies ist nachzulesen im jährlich erscheinenden Programmbericht der Landesmedienanstalten. Die Bevölkerung nimmt auch laut ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation den privaten und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als zwei komplett unterschiedliche Systeme mit spezifischen Leistungen wahr – diese Meinung hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch verstärkt.

2. Die ARD gehört zu den gesellschaftlich wertvollsten Institutionen in Deutschland.

Soziales Engagement ist den Deutschen wichtig. Das Gemeinschaftsprogramm der ARD "Das Erste" sowie die Dritten Programme sind laut "GemeinwohlAtlas" der Universität Sankt Gallen in der Wahrnehmung der Bevölkerung diejenigen Medien mit der größten Gemeinwohlorientierung. Ihnen wird ein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, zur Lebensqualität sowie moralisches Verhalten attestiert. In einem Ranking der "gesellschaftlich wertvollsten" Institutionen befinden sich die ARD und ihre Dritten Programme in der Topgruppe zwischen der Arbeiterwohlfahrt, dem Arbeiter Samariter Bund sowie Amnesty International und damit noch vor UNICEF und Greenpeace. Zahlen der alljährlichen repräsentativen Trend-Umfrage der ARD zeigen: 60 Prozent der Deutschen sehen in der ARD und ihren Programmen einen "unverzichtbaren Bestandteil der nationalen Kultur". In der ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation loben Befragte vor allem das Anregen gesellschaftlicher Diskussionen sowie die Förderung der politischen Meinungsbildung.

Auch andere gesellschaftlich wichtige Faktoren werden durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk positiv beeinflusst. So ist in Ländern mit einem starken, öffentlich finanzierten Rundfunk der Grad der Pressefreiheit und der gesellschaftliche Zusammenhalt größer, die Korruption geringer und die Bevölkerung weniger anfällig für rechtsextremistisches Gedankengut. Kurz: öffentlich finanzierte Medien tragen zu einer gesunden Demokratie bei. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der European Broadcasting Union (Abb. 7). Dies wird u.a. begünstigt durch die nachweislich sachlichere sowie umfassendere gesellschaftspolitische Berichterstattung öffentlich-rechtlicher Medien, so eine Studie der Universität Zürich. Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Untersuchungen – gesammelt in einem Aufsatz der Universität Oxford – belegt zudem positive Effekte auf das (politische) Wissen der Gesamtbevölkerung.

3. Ein Starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk wirkt sich positiv auf das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien aus.

Duale Rundfunksysteme mit einem starken öffentlich finanzierten Rundfunk – wie zum Beispiel in Deutschland – schneiden in Sachen Medienvertrauen am besten ab. Das zeigen die Zahlen aus Studien der Universität Oxford und der European Broadcasting Union. Zudem gibt es laut einer Studie der Universität Zürich wissenschaftliche Hinweise auf einen positiven Einfluss öffentlich-rechtlicher Medien bezüglich der Qualität der Berichterstattung privater Anbieter. Medienforschungs-Studien des Westdeutschen Rundfunks, des Bayerischen Rundfunks sowie des Instituts für Demoskopie Allensbach fragten nach dem Vertrauen in spezifische Mediengattungen. Hier führen der öffentlich-rechtliche Rundfunk sowie die Qualitätspresse die Rankings an (Abb. 8). Die gute Reputation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wirkt sich im Übrigen wiederum positiv auf das allgemeine Medienvertrauen aus, so die Studie der Universität Zürich,  und liefert dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk einen Vertrauensvorschuss gegenüber anderen Medien.

Quelle: WDR-Studie 2016, S. 8

1.400 Fälle aus der Grundgesamtheit der deutschen Bevölkerung ab 16 Jahren, Face-to-Face- Befragung; Items (Medienarten) wurden einem Ranking unterzogen (von sehr glaubwürdig bis gar nicht glaubwürdig).

Quelle: Allensbach für VDZ 2016

Fazit

Aktuelle Studien aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Quellen weisen eine eher positive Grundhaltung der Bevölkerung zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland auf. Das bedeutet nicht, dass sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk auf gewonnenen Lorbeeren ausruhen soll und will – denn vor allem an einzelnen Elementen der Berichterstattung wurde in Wissenschaftskreisen auch Kritik geübt (z. B. Schuldenkrise Griechenland, Ukraine-Konflikt, Kölner Silvesternacht). Zudem müssen Ergebnisse einzelner Studien sowie ihre Entstehung immer auch kritisch hinterfragt bzw. in den Zusammenhang mit Ergebnissen anderer Studien gestellt werden. Dennoch: Die aktuelle Studienlage zeigt sich einig über den durchweg positiven Effekt starker öffentlich-rechtlicher Medienorganisationen auf das Mediensystem, die Gesellschaft sowie das Medienvertrauen in Deutschland.

Stand: Fri Sep 01 00:00:00 CEST 2017 Uhr

Darstellung: