Dritte Programme

Dritte Programme

Regionale Fernsehangebote der Landesrundfunkanstalten, zwischen 1964 und 1969 als Gemeinschaftsprogramme mehrerer ARD-Anstalten (NDR, RB und SFB; SR, SDR und SWF) oder Eigenprogramme einzelner Anstalten (BR, HR, WDR) gestartet, 1992 um Angebote von MDR und ORB sowie ein eigenes Programm des SFB ergänzt. 2004 mit der Fusion von RBB Berlin und RBB Brandenburg zum neuen rbb Fernsehen um ein Programm verringert. Derzeit BR Fernsehen, hr-fernsehen, MDR FERNSEHEN, NDR Fernsehen in Zusammenarbeit mit Radio Bremen, rbb Fernsehen, SWR/SR Fernsehen und WDR Fernsehen.

Programmprofile

Bis weit in die 70er Jahre hinein fungierten die Dritten Programme primär als Angebote für wechselnde, im Ersten oder Zweiten Programm kaum bedienbare Minderheiten, stellten regionale Belange in den Vordergrund und waren der bevorzugte Ort für Bildungs- und Ausbildungssendungen wie Schulfernsehen oder Telekolleg. Ihr Programmvolumen wuchs allmählich von anfänglich zum Teil unter zwei Stunden auf vier bis sechs Stunden pro Tag.

Ab Mitte der 70er Jahre öffneten sie sich zunehmend breiteren Publikumsschichten, brachten auch Unterhaltung, Spielfilme u. ä. und betonten ihre regionale Kontrastfunktion zu den nationalen Angeboten von ARD und ZDF, besonders nach der grundlegenden Reform des Ersten und Zweiten Programms zum 1. 1. 1978. Dieser Wandel hin zu Vollprogrammen, unterstützt von einer quantitativen Erweiterung des Angebots auf Anfang der 90er Jahre in der Regel über zwölf, Ende der 90er Jahre fast 24 Stunden pro Tag, ging zumeist einher mit dem Start eigener Nachrichtensendungen, einer zeitweiligen Abkoppelung von der »Tagesschau« sowie mit dem Auf- und dem Ausbau regionaler, teils als Fensterprogramme verbreiteter Informationsangebote erst zu Lasten, dann mehr und mehr zur Entlastung des ARD-Vorabendprogramms über die erste Senderkette.

Während die Regionalmagazine weiterhin wichtige und programmprägende Bestandteile der Dritten Programme sind, wurden die eigenen Nachrichtensendungen gegen Ende der 90er Jahre zum Teil wieder zugunsten von »Tagesschau«-Übernahmen reduziert. 1983 begann die Einführung regionaler Videotextdienste, die es heute bei allen Dritten Programmen gibt.

Kooperation

Fast von vornherein, genau seit einer ersten Verwaltungsvereinbarung vom 7. 9. 1966, arbeiteten die Dritten Programme eng zusammen, tauschten unentgeltlich Programme aus und informierten sich gegenseitig ständig über aktuelle wie langfristige Planungen und Produktionen. In einigen Fällen liegt der Programmanteil der Entnahmen aus dem gemeinsamen Pool heute bei 30 und mehr, im Schnitt bei knapp 20 Prozent. Derzeit gültige Rechtsgrundlage für die Zusammenarbeit ist die entsprechende Verwaltungsvereinbarung vom 15. 3. /16. 7. 1993.

Infrastruktur

Voraussetzung für den Start der Dritten Programme war – ebenso wie für den der zweiten Programme (Zweites ARD-Programm, Zweites Deutsches Fernsehen) – die Erschließung der Frequenzbereiche IV und V, Ultra High Frequency (UHF), für den Rundfunk, d. h. die Freigabe dieser Bereiche für Hörfunk bzw. Fernsehen auf der Genfer Funkverwaltungskonferenz 1959, die Errichtung entsprechender Sender durch die Deutsche Bundespost in der Folgezeit und die Entwicklung entsprechender Empfangsgeräte der »zweiten Generation« durch die Industrie.

Da der Senderbau und die Umstellung der Haushalte auf neue Empfänger Zeit brauchten, dauerte es etliche Jahre, bis für die Dritten Programme ein ähnlich hoher Versorgungsgrad erreicht wurde wie für das Erste Deutsche Fernsehen. Ab Mitte der 80er Jahre kam als zweiter Verbreitungsweg die analoge Ausstrahlung via Satellit hinzu, von der heute alle Dritten Gebrauch machen. Außerdem werden sie seit 1997 im Rahmen von ARD Digital angeboten. Schließlich sind die Dritten auch via Kabel zu empfangen.

Eingeschaltet werden die Dritten Programme täglich von knapp 40 Prozent der Bundesbürger. Zusammengenommen lag ihr Marktanteil 2015 bundesweit bei 12,5 Prozent.

»Kabarett aus Franken« Ingo Appelt, am 1.12.2016 im BR Fernsehen . | Bildquelle: BR/Lisa Hinder

»Kabarett aus Franken« Ingo Appelt, am 1.12.2016 im BR Fernsehen

»Kabarett aus Franken« Ingo Appelt, am 1.12.2016 im BR Fernsehen . | Bildquelle: BR/Lisa Hinder
»Hessenschau« . | Bildquelle: HR / Ben Knabe
»Stilbruch« in RBB Brandenburg. | Bildquelle: rbb / Thomas Ernst
»Zimmer frei« im WDR Fernsehen. | Bildquelle: WDR/Melanie Grande
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