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Sendernetze

Genauer terrestrische, also auf der Erde errichtete Sendernetze, bilden die traditionelle Infrastruktur zur Ausstrahlung von Rundfunkprogrammen, vor allem bei der analogen und digitalen Verbreitung von Hörfunk- (UKW/DAB) sowie bei der digitalen Verbreitung von Fernsehprogrammen (DVB-T) über Antennen. 2016 empfingen gut 3,4 Prozent aller Fernsehhaushalte ihre Programme primär über terrestrische Antennen.

Zu ihrem Aufbau bedarf es einerseits technischer und baulicher Maßnahmen wie Festlegung des Standorts, Errichtung von Sendemasten sowie Installation von eigentlichem Sender und Sendeantenne, andererseits internationaler Absprachen (World Radiocommunication Conference) über die zu benutzenden Frequenzen.

Geschichte

Die Entwicklung der terrestrischen Sendernetze in Deutschland begann in der Weimarer Republik mit dem Aufbau von Mittelwellen-Netzen sowie der Errichtung von einzelnen Langwellen- und Kurzwellen-Sendern durch die damalige Reichspost. In der Besatzungszeit gingen die im Westen vorhandenen Sender auf den Rundfunk über. Nachdem die spätere Bundesrepublik auf der Kopenhagener Wellenkonferenz von 1948 weitgehend ihre exklusiven Mittelwellen verlor, forcierten die damaligen ARD-Anstalten den Auf- und Ausbau eigener UKW-Sendernetze.

Parallel entstand im VHF-Bereich das Sendernetz für das Erste Fernsehprogramm. Ende der 50er Jahre startete die Bundespost den Aufbau zweier weiterer Fernsehnetze im UHF-Bereich für das Zweite und die Dritten Fernsehprogramme. Darauf folgte vor allem im Fernsehen eine längere Phase des Ausbaus, zunächst der Sender mit größerer Leistung (Grundnetzsender) und dann der Füllsender (Fernseh-Umsetzer), seit 1970 mit Millioneninvestitionen in die so genannte Restversorgung, d. h. die Versorgung auch kleiner abgeschatteter Gebiete mit allen drei TV-Programmen.

Seit Mitte der 80er Jahre erfolgt die Restversorgung teilweise auch über Kabelnetze. Parallel erhielt die Ausstrahlung über Satelliten zunehmende Bedeutung für die Programmversorgung, vor allem beim Fernsehen. 17,5 Mio Fernsehhaushalte wurden Mitte 2012 als Kabelhaushalte eingestuft, weitere 17,09 Mio als Satellitenhaushalte und nur noch 1,45 Mio als terrestrische Haushalte. Allerdings sind die Zuschauer in vielen analogen Kabelhaushalten (in denen die Errichtung einer Satellitenanlage nicht möglich ist) direkt und indirekt oft noch auf die terrestrische Programmverbreitung angewiesen, zum Beispiel, wenn sie ein für sie bestimmtes Regionalprogramm sehen wollen.

Ende der 90er Jahre begann ein neuer Entwicklungsabschnitt, als sowohl für den Hörfunk (DAB) als auch für das Fernsehen (DVB-T) neue Sendernetze mit digitaler Technik aufgebaut bzw. die bestehenden Sender entsprechend umgerüstet wurden. Diese, hauptsächlich von ARD und ZDF forcierte Entwicklung ist inzwischen für DVB-T senderseitig abgeschlossen, so dass seit 2009 nahezu alle Bundesbürger das so genannte ÜberallFernsehen empfangen können.

Umfang

Für die Verbreitung ihrer Hörfunkprogramme nutzen die ARD-Anstalten und das Deutschlandradio nach wie vor in erster Linie die analoge Infrastruktur: 1. 533 UKW-Sender, 34 leistungsstarke LW- und MW-Sender und 2 KW-Sender sowie KW- und MW-Sender der DW im Ausland, für die Verbreitung des Ersten Fernsehprogramms, der Dritten Programme und weiterer Angebote aus dem Bouquet ARD Digital 562 DVB-T-Sender. Während des Umstiegsprozesses auf DVB-T wurden schrittweise rund 600 analoge TV-Sender der öffentlich-rechtlichen und privaten Programmanbieter und mehr als 8. 700 Füllsender abgeschaltet.

Zuständigkeiten

In den alten Bundesländern besteht bei den analogen Hörfunksendern der Landesrundfunkanstalten die vor 1961 entstandene Situation fort: Sie gehören weiterhin den Rundfunkanstalten, werden von ihnen unterhalten und ausgebaut, obwohl das Bundesverfassungsgericht in seinem Fernsehurteil entschieden hat, dass für die sendetechnische Seite des Rundfunks prinzipiell der Bund, in praxi also heute die ehemalige Telekom-Tochter Media Broadcast GmbH, zuständig ist.

Die nach dem Urteil errichteten bzw. in Betrieb genommenen analogen Ketten für das Zweite und die Dritten Fernsehprogramme, die Sender des Deutschlandradios und die nach der Wiedervereinigung übernommenen Sendernetze in der früheren DDR befanden sich im Besitz der Telekom und wurden von den Rundfunkanstalten bzw. dem Deutschlandradio für ihre Zwecke angemietet. Die enge Zusammenarbeit zwischen Rundfunkanstalten und Telekom bzw. Media Broadcast setzte sich beim Aufbau der DAB- und DVB-T-Sendernetze fort, beim Digitalradio in Form regionaler Netzbetriebsgesellschaften.

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