Karriere in der ARD, Jobportraits: Johanna Maier, Aufnahmeleitung, BR

Johanna Maier. | Bildquelle: BR / Johanna Maier

Johanna Maier, Aufnahmeleitung

1. Wo ist Ihr Platz in der ARD?

Ich bin als Aufnahmeleiterin beim Bayerischen Rundfunk angestellt und dennoch arbeite ich auch für Produktionen des Gemeinschaftsprogrammes der ARD, 3Sat, ARTE oder ARD-Alpha. Es ist meist irrelevant, ob es sich um eine regionale oder überregionale Sendung handelt, ob ARD, BR oder Produktionshilfe für eine andere Landesrundfunkanstalt, meine Arbeit bleibt meist die gleiche, egal wo die Sendung am Ende ausgestrahlt wird. Natürlich hat jede Produktion ihre ganz speziellen Anforderungen oder "Gesetze", so sind bei Arbeiten mit Schauspielern andere Dinge wichtig als z. B. bei internationalen Sportproduktionen.

2. Um was geht es in Ihrem Job?

Mein Job reicht von der groben Planung und Organisation, lange vor Beginn der Produktion, bis hin zur feingliedrigen Aufteilung der Vorgänge am Set. Vor der Produktion erstelle ich gemeinsam mit der Produktionsleiterin bzw. dem Produktionsleiter ein zeitliches und organisatorisches Gesamtkonzept, die sogenannte "Produktionsmitteilung". In dieser ist geregelt welche Person, zu welchem Zeitpunkt, welche Aufgabe zu erledigen hat. Hierbei handelt es sich um eine sehr wichtige Vorarbeit, die während der Produktion für den reibungslosen Ablauf am Set führen soll und als wichtiger Leitfaden für das gesamte Team dient. Somit können wir auf unvorhersehbare und unplanbare Situationen - die uns erfahrungsgemäß während der Produktion ereilen - besser reagieren, z. B. bei technischen Problemen, krankheitsbedingtem Personalausfall/-wechsel, Wetterumschwung oder neue inhaltliche Ideen. Vor Ort erstellen wir oftmals noch zusätzlich eine aktuelle "Tagesdisposition", um genau diese Änderungen noch berücksichtigen zu können. Zusammen mit der Produktionsleitung planen wir natürlich auch die Arbeitszeiten und Pausen ein und achten auf die Einhaltung des Budgets.

3. Was ist reizvoll an dem Beruf?

Besonders reizvoll an meinem Beruf ist, dass er sehr abwechslungsreich ist und damit nie langweilig wird. Dies zeigt allein die Bandbreite der Produktionen für die ich bereits tätig war. Diese reicht von Unterhaltungs-, Politik- und Sportsendungen, über Klassikproduktionen, bis hin zu Gottesdiensten oder spezifisches Programm über Bayern. So war ich z.B. in vielen Wintersportorten Europas, um Ski-Alpin-Produktionen, Langlauf oder Skispringen für die ARD zu realisieren, ebenso war ich bei den Nordischen Ski-WM in Oberstdorf, den Olympischen Winterspielen in Turin und der Fußball-WM 2006 in München sowie 2014 bei der Schwimm-EM in Berlin, bei welcher der Bayerische Rundfunk dem rbb "Produktionshilfe" geleistet hat. Sowohl ein Teil des technischen Equipments als auch Kamerapersonal und Aufnahmeleitung wurde gestellt. Es gibt keinen ARD-Kameramann, ARD-Lichttechniker oder ARD-Aufnahmeleiter - immer werden diese Kollegen von einer Landesrundfunkanstalt gestellt.

4. Wie sieht Ihr beruflicher Werdegang aus?

Vor 34 Jahren begann ich beim Bayerischen Rundfunk mit einer Ausbildung zur Bürokauffrau. Im Anschluss daran war ich als Sekretärin im Programm in der damaligen Wirtschafsredaktion Hörfunk tätig, bevor ich gemeinsam mit meinem damaligen Chef zum Fernsehen wechselte. Dort war ich sowohl in verschiedenen Redaktionen als auch in den ARD-Studios Wien und Israel als Sekretariatsvertretung tätig, wo ich auch die Arbeit in den Auslandsstudios kennenlernen durfte. Später wechselte ich dann in die Programmredaktion und Sendeleitung des Bayerischen Rundfunks. Nach 17 Jahren Berufserfahrung entschied ich mich 1998, ein zweijähriges Volontariat beim BR zur Aufnahmeleiterin zu absolvieren. Im Gegensatz zu heute war der BR leider zu dieser Zeit noch nicht bei der Ausbildungsgemeinschaft für Medienberufe (AGM) vertreten, dieser ist er vor drei Jahren beigetreten. Seither hat sich die Qualität der Ausbildung nochmals wesentlich verbessert und intensiviert. Zwar ist der Zeitraum von zwei Jahren nach wie vor identisch, jedoch lernen die Volontärinnen und Volontäre heute mehrere Landesrundfunkanstalten der ARD kennen, indem sie in drei Ausbildungsbetriebe der AGM je sieben bis acht Monate bei Fernsehproduktionen aller Art mitarbeiten. Da das theoretische Fachwissen jedoch auch nicht fehlen darf, finden Schulungen in Blockseminaren statt. Die Volontärinnen und Volontäre profitieren von der breiten Ausbildung besonders, da sie nicht nur in einer Anstalt ausgebildet werden, so wie es noch zu meiner Zeit beim BR der Fall war.

5. Was sollte man mitbringen?

Mit der Ausbildung soll die Leidenschaft geweckt werden, die Produktionsabläufe mit Leben zu füllen, d.h. unterschiedlichste Menschen mit sehr verschiedenen Aufgaben und Berufen zu koordinieren, Konflikte zu lösen und dabei immer auch die Uhrzeit im Blick zu behalten. In erster Linie sollte man Freude an der Organisation von Produktionen aller Art sowie an Teamarbeit mitbringen. Daneben sind zeitliche und örtliche Flexibilität unabdingbar, da man als Aufnahmeleiter/-in häufig morgens der Erste und abends der Letzte am Set ist. Auch Abend-, Wochenenddienste und Dienstreisen sind üblich. Wenn man zudem noch ein Grundverständnis und Interesse für produktionstechnische und programmliche Abläufe in Fernseh-, Hörfunk sowie Onlineproduktionen, eine kaufmännische Ausbildung und einen Führerschein hat, ist man für den Beruf bestens geeignet.

6. Was erwartet einen in der ARD?

Als Aufnahmeleiter/in einer der ARD angehörenden Landesrundfunkanstalt erwartet einen durchaus auch der Kontakt zu weiteren Rundfunkastalten sowie deren Mitarbeiter/innen. Es gibt eine sogenannte "ARD-Produktionshilfe", auf die alle Landesrundfunkanstalten zurückgreifen können, wenn z.B. ein Übertragungswagen samt Team für eine ARD-Produktion benötigt wird. Es kann also sein, dass man morgen den rbb und nächste Woche den SWR bei einer Produktion unterstützen darf oder einfach bei der eigenen Landesrundfunkanstalt eine ARD-Produktion realisiert. Auch eine Zusammenarbeit bei Großveranstaltungen wie Olympiaden, Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften mit dem ZDF ist denkbar. Man hat damit die Möglichkeit regional, überregional oder sogar international zu arbeiten.

7. Ihr Tipp für künftige Bewerber?

Ich empfehle den künftigen Bewerbern/innen bzw. Volontären/innen an jede Produktion mit Mut, Freude, positivem Denken, Neugier und Offenheit heranzutreten… immer nach dem Motto: "Die vom Fernsehen kochen auch nur mit Wasser".

Stand: Mon Nov 06 00:00:00 CET 2017 Uhr

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