Kinder und Jugendliche im Internet besser schützen

Kinderhände auf einer Tastatur. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

ARD Pressemeldung

Baustelle Jugendmedienschutz – Kinder und Jugendliche besser vor schädlichen Inhalten im Internet schützen

"Jugendschutz ist ein sehr wichtiges Thema. In der unübersichtlichen Vielfalt des Netzes ist entscheidend, Kinder medienpädagogisch aufzuklären und zu schulen, denn einen absoluten Schutz durch technische Maßnahmen kann es nicht geben", so ARD-Vorsitzender und NDR Intendant Lutz Marmor auf der Jugendmedienschutztagung von ARD, ZDF und den Kirchen in Hamburg.  Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung von Politik, Gesellschaft, Eltern, Kirchen und Medien, seien die Herausforderungen einer globalisierten Medienwelt zu meistern.

Auch der Medienbeauftragte des Rates der EKD, Markus Bräuer, sieht die Politik in der Pflicht, die Medienkompetenz der Kinder gerade aus bildungsfernen Schichten stärker zu fördern.

Jugendschutzfonds von Bund und Ländern

Die Länder planen, den technischen Jugendmedienschutz zu stärken. Die bislang anerkannten Jugendschutzprogramme würden hinter dem Stand der Technik weit hinterherhinken, so die Vertreterin der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, Frau Dr. Eva Aernecke. Deshalb sollen Anreize für die Weiterentwicklung von effektiven Jugendschutzprogrammen gesetzt werden. Dies könnte durch einen Entwicklungsfonds von Bund und Ländern gemeinsam mit der Wirtschaft erreicht werden.

Technischer Jugendschutz und Medienkompetenz

Die Teilnehmer der Tagung waren sich im Grundsatz einig, dass der technische Jugendschutz und die Förderung von Medienkompetenz gleichermaßen von erheblicher Bedeutung für die Gewährleistung eines effektiven Jugendmedienschutzes im digitalen Zeitalter sind. Die Wirksamkeit des technischen Jugendschutzes müsse hierfür aber noch stark verbessert werden.

Geräte- und plattformübergreifende Systeme werden, so Birgit Kimmel von klicksafe (Landeszentrale für Medien und Kommunikation), dringend benötigt. Die Eltern bräuchten Unterstützung. Viele seien verunsichert und scheuten sich mitunter auch, die Smartphones ihrer Kinder zu kontrollieren. Eine medienpädagogische Begleitung sei zudem wichtig. Projekte, wie z. B. Medienscouts an Schulen müssten gefördert und dauerhaft eingerichtet werden.

Prof. Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung wies darauf hin, dass Jugendschutzprogramme nur ein Bestandteil einer umfassenden Medienerziehung sein könnten, um Kinder vor dem ungewollten Zugriff vor schädlichen Seiten zu schützen. Medienbildung und Medienkompetenzförderung müssten künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.

"Pläne der Länder nicht ausreichend"

Die Pläne der Länder wurden auf der Tagung als nicht ausreichend bezeichnet. Insgesamt fehle den Ländern der Mut, den noch vor der Zeit von Facebook und Twitter stammenden Jugendmedienschutzstaatsvertrag, an die veränderte Medienwelt anzupassen, kritisierte Prof. Murat Erdemir von der Universität Göttingen. So sei etwa eine umfassende wechselseitige Anerkennung der jugendschutzrechtlichen Entscheidungen in den Plänen der Länder nicht vorgesehen. Das sei verfassungsrechtlich bedenklich. Darüber hinaus mahnte Prof. Erdemir, moderner Jugendmedienschutz müsse auch Verbraucher- und Datenschutz sowie Suchtprävention umfassen. Prof. Wolfgang Schulz vom Hans-Bredow-Institut bezeichnete ein überschaubares und kommunizierbares System des Jugendmedienschutzes als anzustrebendes Ziel einer Novellierung. Dabei könne man auf Vorhandenes aufbauen. Beim Thema Konvergenz dürfte die Politik nicht an Tempo verlieren.

Einig waren sich alle Teilnehmer der Jugendmedienschutztagung auch darin, dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Inhalten im Netz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei.

Stand: Fri Nov 28 00:00:00 CET 2014 Uhr

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