Leserbrief von Thomas Hinrichs, ARD-aktuell, zur Kritik an der Tagesschau-App

Thomas Hinrichs. | Bildquelle: Holde Schneider / NDR

Leserbrief von Thomas Hinrichs, ARD-aktuell, zur Kritik an der Tagesschau-App

Beliebt ist der Vorwurf, die ARD würde ihre „enorme finanzielle Stärke nutzen [...], um vor allem digital immer neue Felder“ zu besetzen, so die Mainzer Rhein-Zeitung. Das ist falsch.

Zunächst ein Wort zur Online-Seite tagesschau.de. Es gibt sie bereits seit 15 Jahren, sie kann also ernsthaft nicht gemeint sein. Die Auseinandersetzung darum ist geführt, auch juristisch. Am Ende mussten wir rund drei Viertel unserer Inhalte von der Seite werfen, euphemistisch depublizieren genannt. Ein schmerzhafter Einschnitt war das. Vor diesem Hintergrund die öffentlich-rechtlichen Kontrollgremien der Untätigkeit zu bezichtigen, ist ein inakzeptabler Frevel.

Reden wir also von der App. Sie kostet den Gebührenzahler keinen müden Euro. Es wird weder richtiger noch teurer, wenn man den Vorwurf immer wieder erhebt. Die Fakten sind allgemein bekannt. Die Tagesschau sei zur Tageszeitung mutiert, das ist wohl der heftigste Vorwurf der klagenden Verlage. Unsere App hat an zentraler Position ein Live- Stream-Angebot aller Nachrichtensendungen von EinsExtra aktuell bis zum Nachtmagazin. Daneben gibt es ebenso zentral ein Video-on-demand-Angebot (tagesschau24) und ein Kurznachrichtenangebot (tagesschau in 100 Sekunden). Außerdem können die Nutzer jederzeit u. a. die letzte 20-Uhr-Tagesschau oder die Tagesthemen abrufen. Schließlich hat fast jedes Thema einen Video- oder Audiobutton. Es kann nicht ernsthaft behauptet werden, dass das textlastig ist.

Richtig ist, dass wir Texte haben. Ohne Buchstaben geht es nicht, das wäre absurd. Und auch Fotos haben wir, übrigens auch in jeder Hauptausgabe um 20 Uhr seit fast 60 Jahren. Aber wenn bei uns im Netz eine Bilderstrecke auftaucht, dann ist es im Zweifel eine Galerie der Ethikkommission des Bundestages und nicht ein Potpourri der schönsten Spielerfrauen von Real Madrid.

Thomas Hinrichs, Hamburg, Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell

(Erschienen in der Mainzer Rhein-Zeitung am 16. Juli 2011)

Stand: Tue Jul 19 19:16:00 CEST 2011 Uhr

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