Leserbrief zum Artikel "Ein Wasserkopf auf Reisen" im Handelsblatt vom 15.8.2012

Die Logos von ARD und ZDF. | Bildquelle: ARD / ZDF

Klarstellung

Leserbrief zum Artikel "Ein Wasserkopf auf Reisen" im Handelsblatt vom 15.8.2012

Vergleiche sind gut – so lange sie fair bleiben. Beim olympischen Leistungsvergleich von verschiedenen internationalen Sendern legen die "Handelsblatt"-Autoren jedoch Äpfel und Birnen in ein und dieselbe Waagschale. So macht es einen gravierenden Unterschied für Redaktion und Produktion aus, wie intensiv ein Sender über das Abschneiden der eigenen Teilnehmer berichtet. ARD und ZDF waren in London nicht nur mit Kommentatoren, sondern auch mit eigenen Reportern an zahlreichen Wettkampfstätten vertreten, um mit eigenen Kameras und Mikrofonen den Ablauf aus deutscher Sicht besser abbilden und z. B. Interviews mit den Athleten führen zu können. Das verursacht naturgemäß einen höheren Aufwand als eine weitgehende Übernahme des Weltbilds, das der Veranstalter zur Verfügung stellt.

Umfrage mit Bestnoten für ARD und ZDF

Wollen die Zuschauer die aufwendigere "deutsche Brille"? Dafür sprechen die hohen Einschaltquoten ebenso wie eine am 10. August veröffentlichte repräsentative Umfrage des IFAK-Instituts. Sie ergab Bestnoten für ARD und ZDF bei der Präsentation der Wettkämpfe: 73 Prozent der befragten Olympiazuschauer fanden sie "sehr gut" oder "gut".

Weniger als 500 Mitarbeiter in London

Ihr Artikel erweckt weiterhin den Anschein, dass ARD und ZDF in London mit 650 Mitarbeitern vor Ort gewesen wären. Sie nennen nämlich nur die Mitarbeiterzahl für Peking und vergleichen diese mit der Mitarbeiterzahl der BBC für Peking (493). Sie verschweigen jedoch, dass ARD und ZDF in London mit weniger als 500 Mitarbeitern zugegen waren und sich damit auf die Anzahl der BBC für die Olympischen Spiele in Peking reduziert.

Riesenerfolg mit Livestream

Nicht nur der Aspekt "Resonanz" fehlt im "Handelsblatt"-Artikel, auch in der Disziplin "Sorgfalt" erweisen sich die Autoren als nicht medaillenverdächtig. Beispiel Rechtekosten: Ohne die kolportierten Zahlen zu kommentieren oder gar zu bestätigen: Eine Nachfrage etwa bei der BBC nach dem Stellenwert des Wintersports beim britischen Publikum wäre hilfreich gewesen – er tendiert gegen null. Das hat selbstverständlich Auswirkungen auf den Rechtepreis. Oder das Beispiel Programmstunden: Bei der amerikanischen NBC zählen die Autoren sämtliche Livestreams mit und kommen auf die gigantische Zahl von 5.500 Programmstunden. Die knapp 1.000 Stunden Livestream hingegen, die ARD und ZDF produziert haben, fallen unter den Tisch. Dabei waren sie mit insgesamt rund 50 Millionen Nutzungen ein Riesenerfolg.

Auch wenn das "Handelsblatt" eine Wirtschaftszeitung ist, muss die Frage erlaubt sein: Wo bleibt der Sportsgeist?

Martin Gartzke, NDR Sprecher, Hamburg / Jörg Berendsmeier, ZDF-Sprecher, Mainz

Stand: Fri Aug 17 11:28:00 CEST 2012 Uhr

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