Stellungnahme zum BILD-Artikel vom 24. Januar 2018, Seite 6

Dr. Albrecht  Frenzel. | Bildquelle: Phillip Kimmelzwinger/BR

ARD-Stellungnahme

Stellungnahme zum BILD-Artikel vom 24. Januar 2018, Seite 6

Der Vorsitzende der ARD-Finanzkommission, BR-Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel, widerspricht mit Nachdruck der BILD–Zeitung. Diese hatte unter Berufung auf KEF-Zahlen über die  angebliche "unterschiedliche Arbeitseffizienz" innerhalb der ARD berichtet. "Hier werden munter Äpfel mit Birnen verglichen", so Frenzel.

So bringt die BILD eine Tabelle zu "Produzierten Sendeminuten pro Mitarbeiter", die den WDR (mit über 4.300 Mitarbeitern) als den im Verbund am wenigsten produktiven Sender erscheinen lässt, während Radio Bremen (mit gut 200 Mitarbeitern) die Tabelle anführt. 

Dabei wird erstens unterschlagen, dass es sich allein um Sendeminuten im Hörfunk handelt. Zweitens bleibt außer Acht, dass manche Sender deshalb weniger Mitarbeiter in die Statistik einbringen, weil sie Produktionsleistungen ausgelagert haben. Drittens und besonders wichtig: die Unterschiedlichkeit der Programme wird völlig außer Acht gelassen. Hochwertige Sendungen aus Kultur und Bildung etwa sind in der Produktion besonders aufwendig. Eine Minute Musik in einer Popwelle ist nicht vergleichbar mit Hörspiel, Feature oder aufwendig produzierter, vielfältiger Regionalberichterstattung, wie sie etwa BR und WDR bieten.

Sparbemühungen laufen

Für abwegig hält Frenzel auch den Vorwurf, die Spar-Anstrengungen der ARD seien  "zu gering". Frenzel: "Richtig ist: nach Feststellungen der KEF sind die Hörfunkproduktionsbetriebe von 2005 bis 2015 um nominal 4,3 Prozent geschrumpft (real um 8 Prozent). Auch im Fernsehen wurden die Produktionskosten seit dem Jahre 2013 gesenkt – und das bei unverändertem Output und trotz Inflation."

Vielfalt beim "Tatort"

Fragwürdig ist auch die Kritik an unterschiedlichen Kosten beim "Tatort". Dabei bleibt unberücksichtigt, dass der Tatort eine Programmmarke ist, die ihre Stärke aus der Vielfalt der Stoffe und Akteure und aus ihrer unterschiedlichen Machart bezieht. Das reicht vom subtilen Kammerspiel bis zum Action-geladenen Jubiläums-Tatort mit kinotauglicher Starbesetzung. Frenzel: "Wenn die KEF hier unter dem Schlagwort „Wirtschaftlichkeit“ ein Einheitsformat von Drehbüchern oder Drehtagen fordert, dann greift sie unzulässigerweise in die Programmautonomie der Sender ein."

ARD-Strukturreform

Der Vorwurf, die ARD habe "keine Strategie" geht zudem schon deshalb ins Leere, weil die Sender eine umfassende Strukturreform mit konkreten Projekten eingeleitet haben. Darüber hinaus laufen in allen Häusern seit Jahren Einsparbemühungen: Ohne diese wäre es gar nicht möglich gewesen, den Rundfunkbeitrag seit 2009 nicht mehr zu erhöhen und den Sendern 2015 sogar eine Beitragssenkung zu verordnen. Die ARD wird Ende 2020 im Vergleich zum Stand 1993 rund 4.900 Stellen abgebaut haben (ein Minus von 20 Prozent). Allein der BR halbiert bis 2025 die Stellen in seiner Fernsehproduktion und spart jährlich nachhaltig 20 bis 30 Millionen Euro.

Die von der BILD abschließend verkündete "gute Nachricht", wonach der Rundfunkbeitrag bis 2020 bei 17,50 Euro bleibt, ist nicht neu. Die Diskussion dreht sich um den Finanzbedarf von Anfang 2021 bis Ende 2024. Hierbei wirbt die ARD nach dann zwölf Jahren Beitragsstagnation um einen Teuerungsausgleich.

Stand: Wed Jan 24 16:30:00 CET 2018 Uhr

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