ARD

Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD)

Logo ARD. | Bildquelle: ARD

1950 gegründete, nicht rechtsfähige Arbeitsgemeinschaft. Mitglieder heute: alle Landesrundfunkanstalten, d. h. der Bayerische Rundfunk (BR), der Hessische Rundfunk (HR), der MITTELDEUTSCHE RUNDFUNK (MDR), der Norddeutsche Rundfunk (NDR), Radio Bremen (RB), der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), der Saarländische Rundfunk (SR), der Südwestrundfunk (SWR) und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) sowie die Anstalt des Bundesrechts Deutsche Welle (DW).

Geschichte

Gründer der ARD waren die sechs Landesrundfunkanstalten BR, HR, RB, SDR (Süddeutscher Rundfunk), SWF (Südwestfunk) und NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk) sowie – mit beratender Stimme – RIAS Berlin. In bewusster Abkehr von dem 1925 mit Gründung der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) realisierten Konzept einer Dachgesellschaft, die für eine allmähliche Zentralisierung des Weimarer Rundfunks gesorgt und bis 1945 als Zentrale des NS-Rundfunks fortbestanden hatte, wurde die Form einer Arbeitsgemeinschaft gewählt, die den einzelnen Mitgliedern ihre volle Unabhängigkeit beließ.

Nach Gründung des SFB und Teilung des übrigen NWDR in NDR und WDR sowie Gründung des SR zählte die ARD 1959 neun Mitglieder. 1962 kamen die beiden neugegründeten Anstalten des Bundesrechts DW und Deutschlandfunk hinzu, 1992 die beiden neuen Landesrundfunkanstalten MDR und ORB. Der Deutschlandfunk und RIAS Berlin gingen 1994 im DeutschlandRadio auf, das gemeinsam von der ARD und dem Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) getragen wird, und schieden damit als ARD-Mitglieder aus. SDR und SWF fusionierten 1998 zum SWR, der ihren Platz in der ARD einnahm. Anfang Mai 2003 entstand aus ORB und SFB der RBB.

Rechtsgrundlagen

die Satzung der ARD vom 9./10. 6. 1950 in der Fassung vom 20. 6. 2006 sowie der Rundfunkstaatsvertrag sämtlicher Bundesländer von 1991 in der jeweils aktuellen Fassung. Die Satzung weist der ARD u. a. die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen ihrer Mitglieder zu und die »Bearbeitung gemeinsamer Fragen des Programms sowie gemeinsamer Fragen rechtlicher, technischer und betriebswirtschaftlicher Art«. Der ARD-Staatsvertrag und der Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrag verpflichten die ARD-Mitglieder u. a. zur gemeinsamen Gestaltung des Ersten Deutschen Fernsehens und zur Durchführung eines angemessenen Finanzausgleichs.

Programme

das 1954 gestartete (Erste) Deutsche Fernsehen / Das Erste, seit Dezember 1993 eine 30-Prozent-Beteiligung am Satellitenprogramm 3sat, seit Mai 1992 eine 25-Prozent-Beteiligung am Europäischen Kulturkanal ARTE, seit Januar bzw. April 1997 50-Prozent-Beteiligungen an den Spartenprogrammen Der Kinderkanal/Ki.KA und PHOENIX sowie im Hörfunk vier Nachtprogramme, ein eigener Videotextdienst, der ARD-Text, und das gemeinsame Internet-Portal ARD.de.

Die übrigen Programmangebote aus der Gemeinschaft, derzeit sieben Dritte Fernsehprogramme, mehr als 50 inländische Hörfunkprogramme – für jeweils ein Sendegebiet oder ein Bundesland darin – und die Auslandsprogramme der DW, werden von einzelnen ARD-Mitgliedern oder mehreren Mitgliedern in Kooperation betrieben.

Das von der ARD mitgetragene Deutschlandradio gestaltet drei bundesweite Hörfunkprogramme. Im Rahmen von Pilotprojekten der Bundesländer für digitales Fernsehen (Digital Video Broadcasting / DVB) – seit Anfang 2001 im Regelbetrieb – bieten die Landesrundfunkanstalten seit August 1997 ihr eigenes Programmbouquet ARD Digital an. Im Zusammenhang mit Pilotprojekten für digitalen terrestrischen Hörfunk (Digital Audio Broadcasting / DAB und DAB+) haben einzelne Landesrundfunkanstalten spezielle Hörfunkangebote entwickelt, etwa WDR Event oder BR Heimat.

Organisation

Beschlussgremium der ARD ist die Mitgliederversammlung, in der bei bestimmten Fragen Mehrheitsbeschlüsse mit einfacher oder Dreiviertelmehrheit vorgesehen sind, in anderen Fragen einstimmig entschieden werden muss. Bei Mehrheitsbeschlüssen haben die Landesrundfunkanstalten je nach Größe ein bis vier Stimmen.

Die Geschäftsführung liegt jeweils für ein Jahr bei einer der Mitgliedsanstalten, die dazu mit einfacher Mehrheit gewählt wird. Der Intendant der geschäftsführenden Anstalt ist der Vorsitzende der ARD. Zur Unterstützung der Geschäftsführung wurde 2006 das in Berlin angesiedelte ARD-Generalsekretariat eingerichtet, das für die strategische Positionierung der ARD, die Interessenvertretung nach außen sowie für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist. Für die Bereiche Recht, Produktion und Technik, Finanzen, Hörfunk und Dritte Fernsehprogramme bestehen Ständige Fachkommissionen. Sonderkommissionen kümmern sich u. a. um Medienforschung oder um Fortbildungsfragen und koordinieren die ARD-Aktivitäten im Bereich Rundfunk und Telekommunikation. Federführungen für längerfristige Aufgaben sind einzelnen Anstalten bzw. einzelnen Intendanten oder Direktoren zugewiesen. Die Vertretung der ARD in nationalen und internationalen Institutionen, Organisationen und Gesellschaften haben einzelne Persönlichkeiten aus ARD-Anstalten oder -Institutionen übernommen.

Zur Wahrnehmung bestimmter gemeinsamer Aufgaben hat die ARD eigenständige Institutionen ins Leben gerufen, vor allem die Gebühreneinzugszentrale - seit 2013 Beitragsservice –, die Degeto Film GmbH, die ARD.ZDF medienakademie, die ARGE Rundfunkbetriebstechnik, das Institut für Rundfunktechnik, die SportA, Sportrechte- und Marketing-Agentur GmbH, und das Deutsche Rundfunkarchiv mit der Zentralen Schallplattenkatalogisierung. An diesen Institutionen und an den Kommissionen ist zum Teil auch das ZDF beteiligt.

Für das Erste Deutsche Fernsehen gibt es eine eigene Programmdirektion in München und eine Nachrichtenzentrale in Hamburg (ARD-aktuell); die 3sat-Zulieferungen der ARD betreut der BR; für die deutsche Seite des Europäischen Kulturkanals ist die ARTE Deutschland TV GmbH in Baden-Baden zuständig; der Kinderkanal KiKA hat seinen Sitz beim MDR in Erfurt; PHOENIX ist im ehemaligen ZDF-Studio in Bonn angesiedelt. Für sämtliche Hörfunk- und Fernsehprogramme der Arbeitsgemeinschaft arbeitet das ARD-Hauptstadtstudio Berlin, das im Mai 1999 eröffnet wurde.

Im Jahr 2015 waren in den Landesrundfunkanstalten und ARD-Gemeinschaftseinrichtungen mit Teilzeitbeschäftigten 22.655 festangestellte Mitarbeiter/innen tätig. Zum Stichtag 31.12.2015 entspricht dies 21.521 Vollzeitstellen.

Infrastruktur

neben den genannten Einrichtungen im Programmbereich vor allem das gemeinsame Auslandskorrespondentennetz, mit rund 100 Journalisten an 30 Orten in aller Welt – auch im internationalen Vergleich eines der größten derartigen Netze. Auf technischem Gebiet sind für Hörfunk und Fernsehen von der Telekom Dauerleitungsnetze angemietet, die in den gemeinsamen ARD-Sternpunkten in Frankfurt am Main zusammenlaufen. Die Nutzung mobiler Produktionsmittel, beispielsweise großer Fernsehübertragungswagen, für ARD und ZDF koordiniert eine Zentrale Dispostelle beim WDR in Köln.

Karola Wille, ARD-Vorsitzende 2016/2017. | Bildquelle: MDR/Marco Prosch

Karola Wille, ARD-Vorsitzende 2016/2017

Karola Wille, ARD-Vorsitzende 2016/2017. | Bildquelle: MDR/Marco Prosch
Der RBB in Berlin mit dem ARD-Generalsekretariat. | Bildquelle: RBB/Dirk Laubner
ARD-aktuell in Hamburg auf dem Gelände des NDR in Hamburg-Lokstedt. | Bildquelle: NDR/Gita Mundry
 Die sechs Gründerintendanten der ARD. | Bildquelle: Deutsches Rundfunkarchiv
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