25 Jahre Die Simpsons

Homer Simpson genießt ein Duff's Beer auf der Couch. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

25 Jahre "Die Simpsons"

Der gelbe Wahnsinn

Nele Gosch

Was haben Ringo Starr, Thomas Pynchon und Stephen Hawking gemeinsam? Sie alle hatten schon einen Gastauftritt in der Zeichentrick-Serie "Die Simpsons". Am 17. Dezember 1989 ging die gelbe Familie in den USA das erste Mal auf Sendung. 25 Jahre später ist immer noch kein Ende absehbar.

Auf den ersten Blick sind die von Zeichner Matt Groening erfundenen Simpsons eine ganz normale US-amerikanische Familie - wenn man einmal von der gelben Hautfarbe, den Stachelhaaren der Kinder, Marges exzentrischer blauer Turmfrisur und der Tatsache absieht, dass sie nur vier Finger haben.

Vater Homer arbeitet als Sicherheitsinspektor in einem Atomkraftwerk, Mutter Marge kümmert sich um den Haushalt, der zehnjährige Sohn Bart und die achtjährige Tochter Lisa gehen in die Grundschule, und Kleinkind Maggie nuckelt am liebsten geräuschvoll an ihrem Schnuller. Sie leben in Springfield in einem netten Haus, in dem die Küchenvorhänge ein schickes Maiskolben-Muster haben.

Homer auf dem Mond

Die Simpsons 1989. | Bildquelle: 20th Century Fox

Es sind die Macken, die die Charaktere so liebenswert machen. Homer hat ständig Heißhunger, ist stinkfaul und trinkt in seiner Stammkneipe "Moe's Taverne" gerne mal das eine oder andere kühle, frisch gezapfte "Duff's". Außerdem hat er ein Talent dafür, in unvorgesehene Situationen zu stolpern - das geht soweit, dass er zum Mond fliegt oder eine hübsche junge Country-Sängerin managt, die ein mehr als berufliches Interesse an "Colonel Homer" entwickelt.

Marge ist die ewig unterschätzte Hausfrau, die die Hoffnung noch nicht aufgegeben hat, ihren Mann ändern zu können. Manchmal bricht sie aus ihrer Rolle aus, wird Polizistin, arbeitet in einer Bäckerei, die Naschwerk in erotischen Formen herstellt, oder gründet kurzerhand eine Fitnessstudio-Kette. Dass im "Playboy" einmal eine Bildstrecke mit freizügigen Aufnahmen von Marge erschien, zeigt, dass sie sich auch außerhalb von Springfield medienwirksam präsentieren kann.

Ihren Glauben an das Gute im Menschen hat sie an ihre Tochter Lisa vererbt, die ihn allerdings noch etwas radikaler auslebt. Lisa ist überdurchschnittlich intelligent und will die Welt verändern. Gleichzeitig hat sie den Kleinmädchenwunsch, bei allen beliebt zu sein und von ihrem trotteligen Vater beachtet zu werden. Nesthäkchen Maggie stolpert noch recht unbeholfen durch die Gegend. Dennoch wird immer wieder klar, dass sie es faustdick hinter den Ohren hat.

Forever young - Dank Bart

Familie Simpson heute. | Bildquelle: 20th Century Fox

Sohn Bart ist neben Homer der eigentliche Star der Serie. Als verhaltensauffällige Rotznase mit gutem Herz bringt er sich ständig in die Bredouille. Und obwohl er seinen Eltern oft Anlass zu tiefer Sorge gibt, ist er es, der seine Sippe vor dem Altern bewahrt. Denn die Simpsons sind ohne den vorpubertären Lümmel-Bart nicht vorstellbar, wie Matt Groening in einem "Focus-Online"- Interview sagte: "Wir denken, dass Bart als Teenager eine viel zu traurige Figur wäre. Als Zehnjähriger ist er ja noch irgendwie süß, aber wenn er sich als Teenager genauso aufführt, wird er irgendwann im Gefängnis landen."

In einer der ersten Folgen mit dem Titel "Eine ganz normale Familie", gingen die Simpsons noch recht ruppig miteinander um. So versuchten sie, sich vor den Augen eines geschockten Nervenarztes gegenseitig mit Elektro-Schocks umzubringen, bevor sie kurzerhand den Schaumstoff vom patentierten Anti-Aggressionsknüppel ablösten, um effektiver aufeinander einschlagen zu können. Der entnervte Nervenarzt entließ sie daraufhin als unheilbar. Inzwischen sind die Familienmitglieder jedoch deutlich netter zueinander.


Bildergalerie

Gelb, chaotisch, erfolgreich

Homer ist bekannt dafür, am liebsten Hot-Dogs oder Donuts zu essen, reichlich Duff-Beer zu trinken und, wenn er sich ärgert, ein spitzes "Neiiin" ("D'oh!" in der Originalversion) auszustoßen. Die Welt der Simpsons in Bildern. | bilder, mehr

Gut verliert, dumm gewinnt

Der Erfolgsschriftsteller Daniel Kehlmann hat im "Spiegel" einmal treffend erklärt, wie die Trickserie so erfolgreich werden konnte: "Im Springfield der Simpsons ist das Dasein so absurd, wie es nun einmal ist: Die Guten verlieren, die Dummen haben Erfolg und die Klugen das Nachsehen, alles, was schief gehen kann, geht schief, Religion ist ein schlechter Witz, Gott ungerecht und das Leben ein Unternehmen, das nicht gelingen kann – aber all das ist noch lange kein Grund, den Humor zu verlieren."

Überhaupt ist es der besondere Humor, der die Simpsons ausmacht, denn er spricht Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. Während sich die kleinen Zuschauer über Homers Tollpatschigkeit und Unbeholfenheit amüsieren und Barts gemeine Streiche bewundern, haben die erwachsenen Fans ihren Spaß an der oftmals absurden Gesellschafts-, Medien- und Religionskritik, die sich durch die Serie zieht. Wenn Lisa in einem Experiment für einen Schulwettbewerb beweist, dass Bart dümmer als ein Hamster ist, weil er immer wieder an einen elektrisierten Muffin greift und "Au" ruft, dann ist diese Absurdität witzig. Wenn Bart dann den Wettbewerb gewinnt, weil er den putzigen Hamster in ein kleines Modellflugzeug setzt, ist es Kritik an einem Schulsystem, das den Faktor Niedlichkeit stärker gewichtet als wissenschaftliche Arbeit.

Gelbe Geisteswelt

Ringo Starr bei den Simpsons. | Bildquelle: 20th Century Fox

Ein weiteres Markenzeichen der Serie sind die unzähligen Film-, Comic- und Musikbezüge, mit denen bei den Simpsons genial jongliert wird. Verbunden mit ständig überraschenden Wendungen sorgen sie dafür, dass man sich die Folgen immer wieder ansehen kann und trotzdem jedes Mal neue Aspekte erkennt. Dabei bleiben die Simpsons auch für diejenigen witzig, die die Anspielungen nicht verstehen.

Die Kombination von Slapstick, Absurdität und intelligenter Satire haben Wissenschaftler und Künstler auf die Simpsons aufmerksam werden lassen. Das zeigen Veröffentlichungen wie der von drei Philosophen herausgegebene Essay-Band "Die Simpsons und die Philosophie" ebenso wie die Aussage des Kunsthistorikers Henry Keazor, der behauptet: "Die Simpsons sind Weltliteratur."

Stand: 17.12.2014, 08.41 Uhr

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