Rücksichtslos durchs Leben | 50. Geburtstag von Guns n'Roses-Frontmann Axl Rose | Porträt

Guns n'Roses-Konzert (2010). | Bildquelle: picture alliance/dpa

50. Geburtstag von Axl Rose

Rücksichtslos durchs Leben

Sybille Klormann

Er war der Frontmann jener Band, die Journalisten zu Beginn der 1990er-Jahre als "gefährlichste Band der Welt" bezeichneten: Axl Rose von Guns n' Roses. So wie er maßgeblichen Anteil an dem Erfolg der Rock-Band hatte, so ist er auch für ihren Niedergang verantwortlich. Am 6. Februar 1962 wurde W. Axl Rose geboren.

Die Veranstalter trauten sich nicht, den Namen anzukündigen: Ein "ganz besonderer Gast" wurde dem Publikum von Rock am Ring gegen 12 Uhr nachts versprochen. Seit Monaten kursierte das Gerücht, es handele sich dabei um Guns n' Roses. Doch so richtig sicher konnte da niemand sein. Schon zu oft hat Axl Rose Auftritte in letzter Minute abgesagt.

Die rund 80.000 Festivalbesucher drängten sich immer enger und ungeduldiger vor die Bühne. Es ging die Nachricht, dass "er wirklich da sei". Und um 2 Uhr nachts war es soweit: Axl Rose betrat nach 13 Jahren Abstinenz in Deutschland im Sommer 2006 tatsächlich die Bühne. Als Frontmann von Guns n' Roses, oder besser: von dem, was von der Kult-Rockband der 1980er- und 90er-Jahre noch übrig war. Mit Hits wie "Welcome to the Jungle", "Paradise City" oder "Live and let die" heizte er dem Publikum ein. Doch der bittere Beigeschmack blieb: Von der Originalformation der Band standen nur Rose und der Pianist Dizzy Reed auf der Bühne. Enttäuschend war zudem, dass Rose nach fast jedem Song minutenlang von der Bühne verschwand. Das Publikum bekam in abwechselnder Reihenfolge Gitarren- oder Klaviersolos zu hören, die die Stimmung auf den Tiefpunkt brachten. Fazit des Abends: Guns n' Roses war ein Schatten seiner selbst und Rose glänzte bei seinem Comeback in Deutschland vor allem durch Abwesenheit.

"Ich führe ein rücksichtsloses Leben" singt Rose auf "Appetite for Destruction" – dem Album, das Guns n' Roses Ende der 1980er-Jahre zum großen Durchbruch verhalf. Und rücksichtslos ging er häufig durchs Leben: Nicht nur gegenüber seinen Fans, sondern auch gegenüber seinem Körper, seinen Frauen und seinen Bandkollegen. Axl Rose hatte maßgeblichen Einfluss daran, dass Guns n' Roses von einigen Journalisten Anfang der 1990er-Jahre als "gefährlichste Band der Welt" bezeichnet wurde.

Ein falscher Blick und Axl prügelte los

Guns n' Roses Ex-Gitarrist Saul "Slash" Hudson. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Auffällig wurde Rose bereits als Teenager in seiner Heimatstadt Lafayette im US-Bundesstaat Indiana. Geboren am 6. Februar 1962, wuchs er dort als William Bruce Bailey auf, sang im Schulchor und lernte Klavier spielen. Bis er mit 17 Jahren erfuhr, dass sein Vater ihn nur adoptiert hatte. Sein leiblicher Vater – ein in der ganzen Gegend berüchtigter Unruhestifter - hatte die Familie verlassen, als Billy zwei Jahre alt gewesen war.  Als er das erfuhr, war er außer sich und wollte fortan nur noch W. Rose – den Nachnamen hatte er bei seiner Geburt bekommen – genannt werden. Es war auch der Zeitpunkt, als er begann, sich die roten Haare lang wachsen zu lassen und in Bands zu spielen. Eine davon hieß Axl, was zunächst sein Spitzname wurde. 1986 ließ er seinen Namen dann offiziell in W. Axl Rose umändern. Dass das Akronym aus den drei Initialen das Wort "WAR" (deutsch: Krieg) ergibt, bezeichnete Rose als reinen Zufall. Dabei war er zu diesem Zeitpunkt schon häufig mit dem Gesetz in Konflikt geraten und mehr als zwanzig Mal im Gefängnis gesessen.

Wegen "Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit" und "Ruhestörung" war er so bekannt, dass es ihm 1982 in Lafayette zu heiß wurde. Rose zog nach Los Angeles, Kalifornien, wo er mit seinem Schulfreund Izzy Stradlin zusammentraf. Der erinnert sich an Axl als "echten Psychopathen, als ich ihn kennenlernte. Er war streitsüchtig und zerstörungswütig. Ein falscher Blick genügte schon, damit er eine Prügelei anfing". Einige Jahre später diagnostizierten Ärzte, dass Rose manisch-depressiv sei. Doch 1989 erklärte er in einem Interview mit dem Magazin "RIP", dass die Medikamente dagegen nicht helfen würden: "Der einzige positive Effekt ist, dass es mir die Leute vom Hals hält, weil sie mich für einen klinischen Fall halten", erklärte er.

Vom Schnorrer zum Millionär

Gemeinsam mit seinem Freund Izzy wollte Rose in Los Angeles eine Band gründen. Doch zunächst mussten sie überleben. Die beiden ließen sich von ihren Freundinnen aushalten, während sie auf der Suche nach geeigneten Bandkollegen waren. Dabei trafen sie nach und nach auf Gitarrist Slash, Bassist Duff McKagan und Schlagzeuger Steven Adler. In dieser Kombination starteten sie 1985 ihre erste Tour als Guns n' Roses. Sie spielten bald regelmäßig in den Klubs der Stadt, wohnten im Proberaum und lebten von 3 Dollar 75 am Tag. Bis die Zahl der Fans rasant anstieg und die Plattenfirmen auf sie aufmerksam wurden.

1986 unterschrieben sie ihren Plattenvertrag. Knapp fünf Jahre und vier Alben später war Guns n' Roses weltberühmt: Hits wie "Sweet Child of Mine", "Paradise City" oder "November Rain" wurden in Radio und TV hoch und runter gespielt und die dreijährige Use-your-Illusion-Tour führte die Band in gefüllte Hallen und Stadien auf dem gesamten Globus. Ihre Musik – eine Mischung aus Punk- und Bluesrock, Heavy Metal und Hard Rock – hatte den Nerv der Zeit getroffen: Während in den Charts Dancemusic und Popmetal auf dem Vormarsch war, erinnerten Guns n' Roses an Led Zeppelin. Ozzy Osbourne sprach sogar von den "nächsten Rolling Stones". Es war der Höhepunkt eines rasanten Aufstiegs in den Rockolymp. Doch W. Axl Rose hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Erfolgsgeschichte ihren plötzlichen Niedergang fand.

Jede Menge Streit und Gerüchte

. | Bildquelle: picture alliance/dpa

1994 - die über drei Jahre andauernde Use-your-Illusion-Welttournee war noch nicht lange zu Ende - warf Rose den Gitarristen Gilby Clarke, der 1991 für Izzy Stradlin gekommen war, überraschend aus der Band. Es war auch das Jahr, in dem "The Spaghetti Incident" – das letzte Album der Band in der Originalbesetzung – erschien. Rose hatte gegen den Willen der anderen Bandmitglieder am Ende des Albums einen Song versteckt, den der Massenmörder Charles Manson geschrieben hat. "Look at your game, girl" war eine Botschaft an seine Ex-Freundin Stephanie Seymour, von der er sich im Streit getrennt hatte.

In den kommenden Jahren wurden die Spannungen zwischen Rose und den anderen Bandmitgliedern so groß, dass nach und nach der Rest ausstieg. Während die anderen Guns n' Roses-Musiker neue Bands gründeten, Alben veröffentlichten und auf Tour gingen, wurde es still um den Frontmann. Es kursierten Gerüchte, Rose sitze im Studio und nehme ein Album auf. Gelegentlich zeigte er sich in den kommenden Jahren der Öffentlichkeit, spielte hier mal ein Konzert, sang dort mal als Gast auf einem Album oder gab ein Interview und versprach "bald neue Musik" zu liefern.

Die Erwartungen nicht erfüllt

Auf das Comeback des Axl Rose mussten die Fans letztlich aber lange warten. Nach dem Auftritt in Deutschland im Sommer 2006 dauerte es noch einmal zwei Jahre, bis das Album "Chinese Democracy" auf den Markt kam. Die hohen Erwartungen, die das jahrelange Warten mit sich brachte, konnte es nicht erfüllen und auch an die erfolgreichen Guns n' Roses-Zeiten konnte Rose nie mehr anknüpfen.

Gerüchte um eine erneute Rückkehr

Im Dezember 2011 wurde verkündet, dass Guns n' Roses in der Originalformation in die Rock 'n' Roll Hall of Fame aufgenommen werden soll. Das dürfte ein interessantes Aufeinandertreffen werden, denn zwischen den Musikern ist in den letzten Jahren viel böses Blut geflossen. Seit einiger Zeit kursieren zudem wieder Gerüchte, es werde bald ein neues Album geben, eine Tour ist für 2012 angekündigt. Aber das ist alles Zukunftsmusik. Bei Rose weiß man nie, ob es tatsächlich soweit kommt. Denn nur in einer Sache ist er sich in den letzten Jahren immer treu geblieben: Er ist rücksichtslos und unberechenbar.

Stand: Mon Feb 06 14:58:00 CET 2012 Uhr

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