Buddy lebt! | Porträt zum 75. Geburtstag der Rock'n'Roll-Ikone

Buddy Holly mit Zigarette;. | Bildquelle: Archiv

Zum 75. Geburtstag von Buddy Holly (Teil 1)

Buddy lebt!

Jasmin Herter

Als Buddy Holly am 3. Februar 1959 mit nur 22 Jahren bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückte, war das gerade nicht der "Tag, an dem die Musik starb", wie Don McLean später sang. Denn Holly ist in seinem kurzen Leben zur Rock'n'Roll-Ikone geworden und prägt die Musik bis heute.

Dürr, blass, schlaksig, mit Hornbrille und Anzug tänzelt Buddy Holly hinterm Mikrofon herum und prescht erregt auf seine Fender Stratocaster ein. Sein rechtes Knie zuckt wild, während er dem Publikum mit einer Reibeisenstimme, die man ihm rein äußerlich gar nicht zugetraut hätte, seine Songs entgegen schmettert - inklusive ein paar eingestreuten Schluckauf-Hicksern.

Parallelen zu Elvis Presley sind durchaus erkennbar, dennoch fehlt ihm der verruchte Herzensbrecher-Charme seines Idols. Aus heutiger Sicht scheint es eher, als gehe ein Computer-Nerd einmal so richtig aus sich heraus. Auf seine Zeitgenossen hatte er jedoch eine ganz andere Wirkung, und so wurde er als junger Held des Rock'n'Roll zur Inspiration von Legenden wie den Beatles und Bob Dylan.

Von Country zu Rock'n'Roll

Geboren am 7. September 1936 in Lubbock, Texas, als jüngstes von vier Kindern, war das Leben von Buddy Holly früh von Musik erfüllt. Mit acht Jahren lernte er Geige, Gitarre und Piano spielen. Durch Country-Fiedler seiner Heimat inspiriert, musizierte er schon wenige Jahre später als pubertierender Teenager auf Tanzveranstaltungen. Nach der Highschool formierten er und sein Sandkastenfreund Bob Montgomery, mit dem er auch erste Songs schrieb, eine "Western-and-Bop"-Band. Die beiden waren regelmäßig auf einem lokalen Radiosender von Lubbock zu hören und spielten im Vorprogramm von Bands, die die texanische Stadt mit Konzerten aufmischten.

Gemeinsam mit Hollys bestem Freund und Schlagzeuger, Jerry Allison, machten sie als Trio ab 1956 Musik. Montgomery verließ die Band wenig später, da er sich im traditionellen Country zu Hause fühlte, während Holly und Allison mit neuen Stilrichtungen experimentierten. Zahlreiche Gitarristen und Bassisten kamen, spielten kurze Zeit mit Holly und Allison und verließen die Combo wieder. Von einem Talentscout entdeckt, kamen sie bei der Plattenfirma "Decca" unter Vertrag und nahmen noch im selben Jahr in Nashville erste Singles auf - zunächst mit wenig Erfolg.

Von Beginn an charakteristisch für Hollys Gesangsstil waren seine eingestreuten Schluckauf-Hickser. Diese behielt er auch bei, nachdem er seinen Musikstil - der anfangs rechts countrylastig war - hin zu mehr Rhythm & Blues geändert hatte. Auslöser für die Veränderung war, dass er im Vorprogramm von Elvis Presley auftreten durfte und wie sein musikalisches Vorbild klingen wollte. Sein Hillbilly-Sound verschob sich Richtung Rockabilly. Lange bevor dieser Ausdruck ein neues Musikgenre bezeichnete, zählte Buddy Holly damit zu den jungen Helden des Rock'n'Roll. "Das haben wir alles Elvis zu verdanken", sagte Holly später über die Inspiration zu seiner Musik.

Buddy Holly & the Crickets revolutionieren die 1950er

Buddy Holly an der Gitarre. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Anfang 1957 festigte sich die Combo um Buddy Holly und Allison dann mit zwei neuen Mitgliedern - Gitarrist Niki Sullivan sowie Bassist Joe B. Mauldin vervollständigten "The Crickets" (Die Grillen). Norman Petty führte die Band schließlich als Produzent und Manager zu kommerziellem Erfolg. Mit den zwei Platten "The Chirping Crickets" und "Buddy Holly" feierten sie große Erfolge - zwei internationale Touren in England und den USA folgten. Zu den größten Hits der Crickets zählten "Rave on", "Oh, Boy!" und "Peggy Sue", das nach der damaligen Freundin von Schlagzeuger Allison benannt wurde. Ursprünglich lautete der Titel des Lieds Cindy Lou - nach Hollys Nichte. Jerry aber bat seinen Kumpel darum, den Track umzubenennen. Er heiratete seine Peggy Sue im Jahre 1958.

Die klassische Besetzung einer Rockband aus Rhythmus- und Lead-Gitarre, Bass, Schlagzeug und Leadsänger verdankt die Musikwelt Buddy Holly. Bevor er mit den Crickets zum Idol seiner Generation aufstieg, hatte meist ein einzelner Star im Rampenlicht gestanden - so wie bei Elvis Presley. "Du bist zu einem Konzert gegangen, um Elvis zu sehen, aber Holly und die Crickets wolltest du hören", so Musikhistoriker und Holly-Biograf Bill Griggs. Die Band agierte nun nicht mehr nur im Hintergrund. Sie wechselte auch nicht von Auftritt zu Auftritt, wie es damals üblich war.

Die Grillen ohne Kopf

Je mehr Musik sie gemeinsam machten, desto deutlicher traten unterschiedliche Vorstellungen und Ansprüche zwischen Holly, Allison und Mauldin zu Tage. Während sich die beiden Bandkollegen nie einen Lebensmittelpunkt außerhalb von Texas vorstellen wollten, zog es Holly in die große Stadt. Jerry Allison trat nach seiner Heirat mit Peggy Sue nicht mehr mit Buddy Holly auf. Im Juni des Jahres 1958 ehelichte Buddy Holly seine Frau Maria Elena Santiago, der er schon bei der ersten Verabredung einen Antrag gemacht hatte. Die beiden zogen kurz darauf nach New York. Holly wandelte auf zwar nicht mehr privat, nun aber musikalisch auf Solopfaden - die Crickets machten ohne ihn weiter.

Anfang 1959 war Buddy Holly mit mehreren Musikern auf Tournee durch 24 Städte des Mittleren Westens der USA. "Winter Dance Party" hieß das dreiwöchige Musikevent, bei dem auch der erst 17-jährige Sänger und Gitarrist Ritchie Valens, der posthum mit seinem Song "La Bamba" weltberühmt wurde, und Jiles Perry Richardson, besser bekannt als "The Big Bopper" ("Chatilly Lace"), dabei waren.

"Hoffentlich stürzt euer Flieger ab"

Zerschelltes Flugzeug;. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Die Tournee war schlecht organisiert, die Strecken durch den Mittleren Westen zu lang. Bei Eiseskälte versagte die Heizung im Tourbus. Nach einem Konzert in Clear Lake, Iowa, beschloss Holly, ein kleines Flugzeug zu chartern. Mit ihm gingen außer dem Piloten noch Ritchie Valens und Jiles Perry Richardson an Bord. Der nächste Stopp sollte der rund 600 Kilometer entfernte Hector Airport in Fargo sein. Doch dort kam das Kleinflugzeug nie an. Wenige Minuten nach dem Start am 3. Februar 1959 um ein Uhr nachts stürzte es in ein Kornfeld über Iowa - vermutlich war es ein Pilotenfehler. Alle Insassen starben.

Später erinnerte sich Hollys Bassist Waylon Jennings, dass er Richardson seinen Platz im Flugzeug überließ, da dieser erkältet war. Holly habe gescherzt: "Ich hoffe, der alte Bus friert euch ein." Jennings habe geantwortet: "Ich hoffe, euer alter Flieger stürzt ab." Dieser Scherz hat ihn später jahrzehntelang verfolgt.

Stand: Wed Sep 07 11:42:00 CEST 2011 Uhr

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