"Da entschied er sich zu lächeln" | Interview zum 5. Todestag von Rudi Carrell

Carsten Eggers arbeitet an der Rudi-Carrell-Büste (März 2006);. | Bildquelle: Annemieke Kesselaar-Klar

Rudi Carrell zum 5. Todestag

"Da entschied er sich zu lächeln"

Kurz bevor Rudi Carrell am 7. Juli 2006 an Krebs verstarb, fertigte Carsten Eggers eine Büste des beliebten Showmasters und Komikers an. Heute steht sie auf dem Rudi-Carrell-Platz in dessen Geburtsstadt Alkmaar, einer Pilgerstätte für seine Fans. ARD.de hat mit dem Künstler über seine Zusammenarbeit mit Rudi Carrell gesprochen.

ARD.de: Wie kam es dazu, dass Sie kurz vor Rudi Carrells Tod eine Büste von ihm angefertigt haben?

Carsten Eggers: Das war keine spontane Aktion, sondern das ergab sich durch meine Freundschaft zu Rudi Carrells Tochter Mieke. Wenn wir uns getroffen haben, haben wir immer mal wieder darüber gesprochen, dass der Rudi eine Büste braucht - und irgendwann haben wir gesagt: 'Jetzt ist es soweit!'

Und wie ging es dann weiter?

Als diese Idee Gestalt angenommen hat, ist Mieke mit den Fotos von meinen Skulpturen zu ihrem Vater gegangen und hat gefragt: 'Was hältst du davon, wenn der dich porträtiert und eine Büste von dir macht?' Er hat gesagt: 'Ja, der soll das machen', und damit nahm das dann richtig Gestalt an.

Wie haben Sie sich auf diesen Auftrag vorbereitet?

Der Bildhauer Carsten Eggers. | Bildquelle: Ilona Eggers

Gar nicht. In dem Moment, in dem ich anfange mich vorzubereiten, greife ich der eigentlichen Arbeit vor, dann entsteht eine Erwartungshaltung, die mich hemmt. Wenn ich mir lange bevor ich mit dem Werk beginne Gedanken mache, wie dieses am Ende aussehen soll, dann könnte ich weit weniger kreativ sein. Denn dann würden sich bestimmte Klischees oder feststehende Vorstellungen in meiner Arbeit widerspiegeln, und das will ich nicht. Nein, die Arbeit muss spontan geschehen, sobald mein Modell Platz genommen hat. In diesem Moment will ich seinen Ausdruck und seine Stimmung einfangen.

Sie haben die Arbeit an der Büste lange geheim gehalten. Warum?

Weil ich als Bildhauer Respekt vor dem Trubel habe, der dadurch verursacht wird, noch bevor überhaupt Resultate da sind. Ich scheue diesen Trubel wie der Teufel das Weihwasser, weil er einfach nur ablenkt und mich unter Druck setzt.

Rudi Carrell war zu diesem Zeitpunkt bereits schwer an Krebs erkrankt. Dennoch trat er in der Öffentlichkeit immer noch als charmanter Spaßvogel auf - haben Sie ihn auch persönlich so erlebt?

Ja, er war zwar geschwächt, aber immer noch amüsant und unterhaltsam. Er hat Witze gemacht.


Der Künstler

Carsten Eggers, 1957 in Stade geboren, hat bereits in seiner Kindheit Karikaturen gezeichnet. Sein Vater, der impressionistische Maler Richard Eggers, habe ihn mit zur Landschaftsmalerei genommen, zurückgekehrt sei er mit Zeichnungen von Micky Maus. Nach der Schule ließ er sich zunächst weiter von seinem Vater als Maler ausbilden, ehe er Bildhauerei an der Freien Kunstakademie Nürtingen studierte. Seit 1978 ist Eggers freischaffender Künstler. Er malt großformatige Pastelle und kreiert lebens- bis überlebensgroße Bronzeplastiken, von denen rund 20 im öffentlichen Raum in Norddeutschland und den Niederlanden stehen.

Es hat also Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten?

Absolut. Ich habe viele Fotos gemacht, nach denen ich arbeiten konnte, denn er war ja schwer krank. Zwischendrin hat er Grimassen geschnitten. Und ich hatte ihm als Gastgeschenk eine Grafik von einem Narren mitgebracht, die ich vor Jahren angefertigt hatte. Da sagte er: 'Oh, das ist schön.' Und dann guckte er mich an und fragte trocken: 'Und was machen Sie beruflich?' (lacht)

Haben Sie mit Rudi Carrell abgesprochen, wie er abgebildet werden will?

Ich habe ihm gesagt: 'So jetzt wird’s ernst, jetzt legen wir los. Wie Sie jetzt gucken, wie ich Sie jetzt wahrnehme, so wird die Büste.' Da entschied er sich zu lächeln, und so kam es zu einer lächelnden Büste. Das habe nicht ich bestimmt, sondern der Altmeister.

Als ich mir die Plastik angeschaut habe, da kam mir sein Gesicht noch schmaler, seine Falten noch tiefer vor. Braucht es eine leichte Überzeichnung, um das Wesentliche besser herauszuarbeiten?

Ja - sonst kann man den Kopf ja abgießen. Daran sieht man auch, dass es einen Künstler braucht, der als Medium fungiert, das Gesehene, das durch ihn hindurchgeht, der das, was er sieht und empfindet überzeichnet und damit auf das Wesentliche abzielt. Rudi Carrells wesentliche Stärke war der Humor, und die ist in der Büste unverkennbar. Das, was jeden Menschen stark macht, ist der Humor. Und wenn dieser Humor von einer kräftigen Portion Intelligenz unterstützt wird und - wie in Rudis Fall - durch die Liebe zu dem, was er tut, dann kann eigentlich gar nichts mehr schiefgehen.

Carrells Familie posiert am Rudi-Carrell-Denkmal nach dessen Enthüllung.. | Bildquelle: Ilona Eggers

Was hat Rudi Carrells Tochter über die Büste gesagt?

Mieke war richtig erschrocken, da ich ihren Vater verjüngt dargestellt hätte. Ich hätte sozusagen seine Krankheit wegmodelliert. Seine Schwächung hat Mieke nicht in der Büste gesehen.

Rudi Carrell selbst hat Ihr Werk nicht mehr als fertige Bronze-Skulptur erlebt, aber er hat sie noch als Tonmodell sehen können. Wie hat er reagiert?

Da hat er gesagt: 'Das bin ich.' Aber er hat mir das nicht persönlich gesagt, sondern nur Mieke, die es mir dann erzählt hat. Man hat seinen Job dann gut gemacht, wenn die Menschen, die den abgebildeten kennen, und der Abgebildete selbst sich wiedererkennen. Mehr kann ich mir als Porträtist nicht wünschen.

Die Büste steht in Rudi Carrells niederländischem Geburtsort Alkmaar und gilt als Wallfahrtsort für seine Fans. Sind Sie auch oft dort?

Ich begegne meinen eigenen Skulpturen im öffentlichen Raum äußerst ungern. Diese Arbeiten entstehen ja sehr intim und wenn ich sie im öffentlichen Raum sehe, dann finde ich das befremdlich. Wenn ich einen Weg fahren muss, der mich an einer Skulptur von mir vorbeiführt und es gibt einen Alternativweg, dann wähle ich lieber diesen.

Das Interview führte Nicole Jagusch.


Rudi Carrell

Geboren am 19.12.1934 als Rudolf Wijbrand Kesselaar in Alkmaar, Niederlande, wuchs er als Sohn eines Entertainers auf. Seit seinem 17. Lebensjahr trat er in die Fußstapfen seines Vaters Andries, der unter dem Künstlernamen André Carrell auftrat, und entwickelte sein Talent als Sänger, Schauspieler, Showmaster und Produzent in den kommenden Jahrzehnten weiter. Seine "Rudi-Carrell-Show" machte ihn in den 1960er-Jahren auch in Deutschland bekannt. Darauf folgten weitere Shows, wie die Familien-Quizshow "Am laufenden Band", die Nachrichten-Parodie "Rudis Tagesshow" und der Flirtshow "Herzblatt". In Klamotten wie "Tante Trude aus Buxtehude" spielte sich Carrell in die Wohnzimmer Deutschlands und sorgte so für Klamauk und Unterhaltung. Mit dem Schlager "Wann wird's mal wieder richtig Sommer?" erzielte er in den 1970er-Jahren seinen größten Erfolg als Sänger. Seinen letzten öffentlichen TV-Auftritt hatte er am 2. Februar 2006 beim Verleih der "Goldenen Kamera" für sein Lebenswerk.

Stand: Thu Jul 07 18:00:00 CEST 2011 Uhr

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