Blumen für Otello

Nominiert für ARD Online Award 2014

Blumen für Otello

Von Esther Dischereit

Zu A und B gehört das Milieu der Killer. Sie sind dumpf und moralisch unberührbar. Was hat der Verfassungsschützer A.T. damit zu tun? Eine Wäschereiangestellte wird ihm sagen: "Wäsche weiß nach siebzig Jahren" und findet sein Handy. Das Verdunklungstreiben der in der "Sicherheitsarchitektur" Zuständigen wird überlagert von den Stimmen der Mordopfer und ihrer Angehörigen. Sie führen die Klage und die Anklage.

Der Blumenhändler Enver spricht mit dem Leutnant, späteren General Otello, darüber, was sie beide zusammenführt. Sie teilen das Schicksal, nicht an Eifersucht oder ihnen zugesprochener krimineller Energie zugrunde gegangen zu sein, denn an Rassismus. "Mein Herz ist selbst so wund", sagt Otello, einstmals der Held bei Shakespeare, und entschuldigt sich bei Enver. Er bietet ihm das "Du" an, und Enver gibt seinem ehemaligen Kunden das letzte, was er bei sich trug: die Blume. Sie sind miteinander verbunden in gegenseitiger Achtung – und im Tod.

Nach Recherchen von Esther Dischereit über die Morde und Bombenanschläge des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), denen in den Jahren 1998 bis 2007 zehn Menschen zum Opfer fielen, überwiegend türkischer Herkunft, das letzte Mordopfer war eine deutsche Polizistin; zahlreiche weitere Personen wurden verletzt.

Das Buch "Blumen für Otello Über die Verbrechen von Jena" erschien 2014 im Verlag Secession, Zürich in deutscher und türkischer Sprache.

Mitwirkende:

Prosa-Rolla Verena von Behr

Konversionsverwalter Christian Grashof

Stimme 2 Leslie Malton

A - Axel Wandtke

B - Uwe Preuss

A.T. Andreas Schmidt

Wäschereiangestellte Marie Gruber

S Cathlen Gawlich

Frauke Nadja Engel

ZZ Tilo Prückner

Marie Anne Schirmacher

XX Horst Kotterba

Jemand Hansjürgen Hürrig

Sie Esther Dischereit

Stimme 3 Guntbert Warns

Stimme 1 Tatja Seibt

Enver Mürtüz Yolcu

Otello Mansou Ciss

Regie: Giuseppe Maio

Länge: 53´48

Redaktion: Stefanie Hoster

Komposition: Lutz Glandien Musik

Produktion: Deutschlandradio Kultur 2014

Stand: Thu Apr 02 02:08:53 CEST 2015 Uhr

Esther Dischereit

Esther Dischereit, geb. in Heppenheim a.d. Bergstraße. Sie ist Lyrikerin, Essayistin, Erzählerin, schreibt Theaterstücke und Hörspiele. Sie gehört zu den "profiliertesten Vertreterinnen der jüngeren jüdischen Literatur, vor allem zu den sprachlich avanciertesten", wie Petra Günther schreibt, und ist mit Werken wie "Joëmis Tisch -Eine jüdische Geschichte", "Übungen jüdisch zu sein" oder "Mit Eichmann an der Börse" bekannt geworden.

2009 erhielt sie den Erich-Fried-Preis. Mit dem akustischen Denkmal am Eichengrün-Platz, Dülmen, schuf sie 2008 ein Monument im öffentlichen Raum zur Würdigung der früheren jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt.

Esther Dischereit war 2013 writer in residence der Universität von Wisconsin in Madison, USA, und ist Professorin für Sprachkunst an der Universitätfür angewandte Kunst Wien.

Zuletzt erschienen: "Blumen für Otello Über die Verbrechen von Jena", Zürich, 2014, in deutscher und türkischer Sprache.

Stand: Mon Apr 13 02:12:39 CEST 2015 Uhr

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