Hörspiel im Wettbewerb: Broken German

Koffer. | Bildquelle: colourbox.de Audio Audio

Hörspiel im Wettbewerb

Broken German

von Noam Brusilovsky, nach dem Roman von Tomer Gardi

Ein Spiel mit Identitäten, Chronologie, Perspektiven. Mal erzählt Radili, mal Abschalom, mal dessen Mutter. Die Protagonisten sind sowohl aus dem Studio als auch vom Band zu hören, immer wieder wird das Erzählen gebrochen und über das Erzählen selbst erzählt. Ein Autor wird über das Verfassen seines Romans und dessen Vermarktung interviewt und wir folgen der Diskussion um "Broken German" beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Fiktion und Realität verschwimmen und lassen sich nicht mehr trennen.

Ein israelischer Mann erzählt in gebrochenem Deutsch. Er erzählt, babylonisch-lebendig, von Radili Anuan, der sich in Berlin, nach Anpöbelungen durch Skins, ein Messer gekauft, es dann aber vergraben hat. Als Erwachsener in die Stadt zurückgekehrt, landet er in einer linken WG, die einen Dokumentarfilm aus der Suche nach dem vergrabenen Messer machen will.

Er erzählt von einer Reise nach Berlin mit seiner Mutter. Statt ihrer eigenen nehmen sie zwei fremde Koffer vom Flughafen mit, die sich als Koffer eines Arabers und einer aus Eritrea geflüchteten Frau herausstellen. Die Verwirrung der Identitäten geht weiter: Der Mann trägt fortan die Kleider der Frau (die er später treffen wird), seine Mutter die des Mannes. Er bespricht mit seiner Mutter Erinnerungen an ein von den Deutschen besetztes Dorf in Rumänien, hält eine Rede zur Neueröffnung des Kafka-Instituts (vormals Goethe-Institut) und wird vom aufgeschreckten Bildungsbürgertum in die Flucht geschlagen. Er erklärt, warum die Darstellung des Mose auf einem Übersetzungsfehler beruht, lässt sich zu Recherchezwecken als "Arbeitsmigrant in der Prosa eine fremde Sprache" nachts im Jüdischen Museum einschließen und entdeckt dort in der Besenkammer eine Leiche.

"Also keine Angst. Ich nehme keiner Deutsche Literat seine Arbeit weg. Und deshalb musste ich das Jüdische Museum Besenkammer Tür aufmachen. Für die schwarze Arbeit. Ins deutsche Sprache. Und weil so sind wir Schriftsteller. Wir machen geschlossene Besenkammer Türe auf."

Mit: Dor Aloni, Aviva Joel, Meik van Severen, Noam Brusilovsky, Hannah Müller, Horst Hildebrand, Tomer Gardi, Jaime Krsto Ferkic, Britta Geister, Florian Hein, Daniel Mühe, Johanna Oetzmann, Sofia Flesch Baldin 

Ausschnitte: aus der Jurydiskussion des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 2016 mit gekürzten Wortbeiträgen von Meike Feßmann, Stefan Gmünder, Juri Steiner und Hildegard E. Keller 

Regie: Noam Brusilovsky 

Produktion: SWR 2017 

Länge: 59’06

  • Öffentliche Vorführung: Freitag, 10. November, 14 Uhr, ZKM_Kubus, in Karlsruhe
  • Nach der anschließenden Jurydiskussion findet das Frageforum statt
  • Diskussion und Frageforum können Sie auch im Videolivestream verfolgen

Der Autor

Noam Brusilovsky. | Bildquelle: Noya Frank

Noam Brusilovsky, 1989 in Israel geboren, Theater- und Hörspielregisseur. 2007 absolviert er die Thelma Yellin High School of the Arts. Seit 2012 lebt und studiert er in Berlin (Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch") - dort inszeniert er eine biografische Fassung von "Antigone" und Stefan Wipplingers "Als das Meer einer Einladung nachzukommen durchaus im Stande war" (Gastspiel am Deutschen Theater). Unter seiner künstlerischen Leitung findet ein gemeinsames Projekt der HfS "Ernst Busch", des Performing Arts Studio Tel Aviv und des Goethe Institut statt. Sein Stück "Woran man einen Juden erkennen kann" gastiert auf dem Körber Studio Junge Regie 2015 in Hamburg. 2016 wird das Stück als Hörspiel des Deutschlandfunk produziert. 2017 inszeniert er für den SWR das Hörspiel "Broken German" nach einem gleichnamigen Roman von Tomer Gardi. Im Dezember kommt seine erste Solo-Performance "Orchiektomie rechts" auf die Bühne des bat-Studiotheaters in Berlin.

Tomer Gardi. | Bildquelle: Arie Kishon

Tomer Gardi, geboren 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa, studierte Literatur und Erziehungswissenschaft in Tel Aviv und Berlin. Sein literarischer Essay Stein, Papier erschien 2011 auf Hebräisch und 2013 in deutscher Übersetzung. Im Frühjahr 2016 machte er von sich reden, als er beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt einen Ausschnitt aus Broken German las - und die Jury diskutierte, ob ein Text, der in unkorrektem Deutsch verfasst ist, überhaupt zulässig sei.

Stand: Fri Sep 22 00:00:00 CEST 2017 Uhr

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