Interview mit Corinna Harfouch

Interview mit Corinna Harfouch

"Es kommt auf den Gesamtklang an"

Ein Gespräch mit der Schauspielerin Corinna Harfouch, die als erste Jurorin bei den ARD Hörspieltagen den neuen Preis für die "Beste schauspielerische Leistung" vergibt.

Corinna Harfouch. | Bildquelle: Conny Fischer

ARD.de: Frau Harfouch, zum ersten Mal wird bei diesem Festival ein Preis für die "Beste schauspielerische Leistung" in einer Hörspielproduktion vergeben. Diesen wählen in diesem Jahr Sie aus. Was reizt Sie an der Aufgabe?

Corinna Harfouch: Ich hatte Lust, mir anzuhören, was gerade produziert wird und was die jeweiligen Sender, die an diesen Hörspieltagen beteiligt sind, als ihr Bestes einreichen.

Gibt es bestimmte Kriterien, nach denen man eine Leistung von Schauspielern in einem Hörspiel bewerten kann?

Die Darstellung der Schauspieler macht in einem Hörspiel nur einen Teil dieses wunderbaren Geflechts aus. Es kommt auf viele Komponenten an, um sich emotional von einem Hörspiel berühren zu lassen: auf die Idee, den Inhalt, die Machart und eben auch auf das Spiel der Schauspieler. Vielleicht kann man dies als Gesamtklang umschreiben. Kriterien, wonach man die Leistung von Schauspielern in einem Hörspiel beurteilen kann, gibt es meiner Meinung nach nicht. Es ist eine hohe Kunst, seinen Körper und seinen Geist so durch "das Rohr" zu bringen, dass es den Zuhörer emotional erfasst. Preise im künstlerischen Bereich zu vergeben, ist eigentlich unmöglich – ich zumindest empfinde es immer wieder als schmerzhaft, weil man damit suggeriert, dass die einen die Gewinner sind und die anderen die Verlierer. Aber die Vergabe von Preisen hat ja in erster Linie den Grund, auf ein Medium oder wie in diesem Fall auf einen Wettbewerb aufmerksam zu machen.

Worin liegt für Sie der wesentliche Unterschied zwischen einem Film und einem Hörspiel?

Einem Hörspiel zu lauschen, ist ein viel intensiveres Erlebnis, als einen Film zu schauen. Beim Film wirst du durch die Bilder viel stärker manipuliert als "nur" beim Zuhören einer Geschichte und bist dabei folglich weniger beteiligt. Abends einfach dazusitzen, die Wörter, die Töne und die Musik eines Hörspiels in mich hineinfließen zu lassen, ohne etwas Anderes nebenbei zu tun, das empfinde ich als Genuss – sofern mich das Hörspiel berührt. Du gehst in eine unbekannte Welt, die deine Vorstellungskraft und höchste Konzentration fordert und im Idealfall deine Fantasie nährt. Die Umschreibung "Kino im Kopf" trifft es sehr gut.

Was schätzen Sie als Schauspielerin am Hörspiel?

Das Hörspiel ist ein einzigartiges, schützenswertes Medium, weil man viel mehr experimentieren kann als in anderen Medien. Ich denke da zum Beispiel an meine Arbeit mit Regisseur Klaus Buhlert zu dem Hörspielprojekt "Ulysses". Klaus Buhlert ist jemand, der nicht nur allumfassend vorbereitet ist, was einem Schauspieler eine große Sicherheit gibt. Er schenkt uns auch einen reich bestückten Raum, in dem wir uns entfalten können – einen Raum, der unsere Spielfantasie anregt, der uns inspiriert und auch dazu bringt, Dinge zu tun, die man sich nicht hätte selber ausdenken können.

Diese Erfahrung ist eine große Bereicherung und macht Lust. Die ganze Essenz all dessen, was man selber ist, fließt in unsere Arbeit und damit in das Mikro, in "das Rohr", hinein. Insofern bestimmt auch der Raum, der dem Schauspieler bei der Produktion eines Hörspiels gegeben wird, im Wesentlichen seine Leistung.

 

Das Interview führte Gitta Deutz.

Stand: Fri Nov 04 13:28:04 CET 2016 Uhr

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