Das Stocken der Welt

Nominiert für PiNball

Das Stocken der Welt Nr. 178d, Abt. XIV [Reenacting Ronald Reagan]

Von Carsten Brandau

Als der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan an Alzheimer erkrankt, schreibt er einen Abschiedsbrief an die amerikanische Nation. Eine 9-Jährige liest dieses Vermächtnis.

Ronald Reagan. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Audio Audio

Als der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan an der Alzheimerschen Krankheit erkrankt, schreibt er am 5. November 1994 einen Abschiedsbrief an die amerikanische Nation: "I now begin the journey that will lead me into the sunset of my life." Fast 20 Jahre später lässt der Hörspielmacher Carsten Brandau seine 9-jährige Tochter den ins Deutsche übersetzte Text des Briefes für sein großangelegtes "Archiv des weltlichen Stockens" einsprechen.


Carsten Brandau bearbeitet diese Aufnahme, arbeitet rhythmische Elemente heraus und versucht ein ansatzweise tanzbares Hörstück zu entwickeln, das sich letztlich dann doch nicht tanzen lässt. Als "akustisches Reenactment" öffnet es den Hörern und Hörerinnen allerdings die Tür in eine ganz persönliche, assoziative Wirklichkeit – getreu dem Motto "A loudspeaker is a window into an imaginary space!" von Paul Lansky. So überlagern sich in dem Hörstück "Das Stocken der Welt Nr. 178d, Abt. XIV [Reenacting Ronald Reagan]" auf inhaltlicher und formaler Ebene die verschiedensten Gegensätze: Jung und Alt, Anfang und Ende, Naivität und Weisheit. Während die unbekannten Wörter die junge Sprecherin rein formal ins Stocken bringen, kündigen Reagans Sätze auf inhaltlicher Ebene das Stocken seiner eigenen Lebenswelt an. Und eben diese beiden Stockungen spiegeln sich wider in dem Schnitt des Hörstücks, indem immer wieder Rhythmen aufgenommen, Techniken verworfen werden; indem immer wieder neu angesetzt und gleichzeitig der Versuch unternommen wird, auf bereits Erarbeitetes zurückzugreifen.

Regie: Casten Brandau

Sprecherin: Juli Lea Brandau

Text: Ronald Reagan

Länge: 6'00

Stand: Sun Apr 14 00:00:00 CEST 2013 Uhr

Der Autor

Carsten Brandau. | Bildquelle: Silja Ritter

Carsten Brandau wurde 1970 in Hamburg geboren. In Trier, London und Heidelberg studierte er Germanistik, Geschichte und Philosophie. Danach arbeitete er als Regieassistent im Schauspiel. Seit 2000 entstanden eigene Regiearbeiten. 2003 zog Brandau zurück nach Hamburg, wo er als Theaterautor und Hörspielmacher lebt. Seine Texte, die vom Münchner Drei Masken Verlag vertreten werden, und seine Hörspiele, die größtenteils als Autorenproduktionen entstehen, wurden mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet und u.a. am Hamburger Thalia Theater, am Wiener Burgtheater, am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Deutschen Theater Berlin und auf verschiedenen Radiosendern der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit 2011 leitet Brandau die partizipatorische Stadtteilperformance "Altona macht auf!".

Stand: Sun Apr 14 00:00:00 CEST 2013 Uhr

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