Die Juden

Büste des Lessing-Museums. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Hörspiel im Wettbewerb

Die Juden

Von G. E. Lessing | bearbeitet von L. Koppelmann

Für Emanzipation, Bildung und allgemeine Menschenrechte - gegen Vorurteile und Diskriminierung, für religiöse Toleranz und für Humanität und für die Vernunft als Urteilsinstanz. Das waren wesentliche Kennzeichen der "Aufklärung" und der deutsche Dichter Gotthold Ephraim Lessing (1729 -1781) war einer ihrer bedeutendsten Vertreter. Seine Dramen und seinen theoretischen Schriften sind vor allem dem Gedanken der Toleranz und Vorurteilsfreiheit verpflichtet.

Lessings Stück "Die Juden", ein "Lustspiel in einem Aufzuge", geschrieben 1749, thematisiert Antisemitismus und das Verhalten einem "Fremden" gegenüber. Neu und kühn ist, wie Lessing seine Hauptfigur zeichnet. Zum ersten Mal in der Geschichte des Theaters betritt die Figur eines positiv gezeichneten Juden die Bretter des Welttheaters. Lessing schrieb das Stück mit zwanzig, es gilt als Vorstufe und komisches Gegenstück zu "Nathan, der Weise".

"Ich bin ein Jude" - dieser lapidare Satz, den der fremde Held der Geschichte, ein Reisender, gegen Ende sagt, kippt das vorgeblich lustig-feine Spiel um Identitäten in bittere Realität: "Ein Jude? Grausamer Zufall!" sagt der Baron und es wird klar, dass er seine Tochter einem Juden nicht zur Frau geben kann. Und Christoph, der Bedienstete des Reisenden, wirft diesem vor: "Sie sind ein Jude, und haben das Herz gehabt, einen ehrlichen Christen in ihre Dienste zu nehmen? Sie hätten mir dienen sollen. So wäre es nach der Bibel recht gewesen!"

Lessings Stück, geschrieben vor mehr als 260 Jahren, berichtet von einer bitteren Tatsache: Dass es gegen die Aufklärung und ihr Ziel, das allgemein Menschliche als Wesentliches unseres Seins zu verstehen, immer wieder Versuche gab und gibt, Differenzen zu konstruieren und zu behaupten.

  • Öffentliche Vorführung: Donnerstag, 10. November, 16 Uhr, ZKM_Kubus, in Karlsruhe
  • Nach der anschließenden Jurydiskussion findet das Frageforum statt

Mitwirkende: Michael Maertens, Cornelius Obonya, Peter Matic, Pippa Galli, Brigitte Karner, Karl Markovics, Thomas Mraz

Bearbeitung und Regie: Leonhard Koppelmann

Produktion: ORF/NDR 2015

Länge: 54:26 Minuten

Leonhard Koppelmann. 1970 in Aachen geboren. Aufgewachsen in Köln. Abitur 1989. Im Anschluss: Assistent für Hörspiel und Feature, WDR Köln und NDR Hamburg. 1991 Beginn der Arbeit als Autor für den Hörfunk, bald darauf erste Regiearbeiten. Bis dato über zweihundert Hörspielinszenierungen, zuletzt u.a. Frank Witzel "Die Erfindung der RAF…", John Dos Passos "Manhattan Transfer", Hermann Hesse "Siddhartha", Michel Houellebecq "Unterwerfung", Wolfram Lotz "Die lächerliche Finsternis" sowie immer wieder Elfriede Jelinek. Zahlreiche Veröffentlichungen auf Tonträger. Auszeichnungen u.a.: 2004 "Hörspiel des Jahres", Akademie der darstellenden Künste. Von 1991 bis 1995 Studium der Theaterregie, Universität Hamburg. Von 1995 bis 1998 Engagement am Thalia Theater Hamburg. 1996 Inszenierung: "Die Juden" von G. E. Lessing (Auszeichnung: Getrud-Eysoldt-Preis als bester Nachwuchsregisseur). Zuletzt Inszenierungen am Schauspielhaus Düsseldorf, am Staatstheater Mainz, am Staatsschauspiel Dresden und wieder am Thalia Theater Hamburg. Regelmäßig arbeitet er auch mit der Verschränkung von Theater- und Hörspielformen. Sein letztes Live-Hörspiel "Bastian Pastewka und der Fall Paul Temple", das 2013 hier auf den ARD-Hörspieltagen aus der Taufe gehoben wurde, gastierte in über 40 Städten vor insgesamt fast 50 000 Gästen.

Stand: Mon Nov 14 12:05:13 CET 2016 Uhr

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