Die Quellen sprechen

Nominiert für den Online Award 2013

Die Quellen sprechen

Von Katarina Agathos / Michael Farin

Der erste in 2013 produzierte Teil dieser auf 16 Staffeln geplanten Höredition dokumentiert die antijüdische Politik Deutschlands bis 1937.

Drei Frauen lesen am Schaufenster eines Geschäfts ein Plakat, das zum Boykott jüdischer Geschäfte aufruft.. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

"Wir stehen als Juden vor der Tatsache, dass eine uns feindliche Macht die Regierungsgewalt in Deutschland übernommen hat", heißt es im Leitartikel der Jüdischen Rundschau am Tag nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler. Der erste Teil der Höredition dokumentiert chronologisch die antijüdische Politik Deutschlands bis 1937. Dreißig historische Schriftstücke zeugen davon, wie die deutschen Juden mit allen Mitteln – durch neu geschaffene Verordnungen oder durch rohe Gewalt – drangsaliert, entrechtet und aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Die Masse der Bevölkerung reagierte darauf passiv.

"Des Juden Los ist: nachbarlos zu sein", schrieb 1935 der Berliner Rabbiner Joachim Prinz: "Wir würden das alles nicht so schmerzlich empfinden, hätten wir nicht das Gefühl, dass wir einmal Nachbarn besessen haben." Diese "fehlende Anteilnahme", so heißt es in der Einleitung des ersten Bandes der Publikation Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933 - 1945, sei "das vielleicht wichtigste Verhaltensmuster der deutschen Gesellschaft gewesen, das den Mord an den europäischen Juden begünstigte". Doch bestand das Ziel der NS-Politik zunächst darin, durch Vertreibung "die restlose Ausschaltung des Juden aus der deutschen Lebensgemeinschaft" zu erreichen. Fünf jüdische Überlebende des Holocaust sowie zwei Schauspieler geben den historischen Dokumenten ihre Stimme. Sie berichten von den Massenentlassungen jüdischer Beamter, von reichsweiten antijüdischen Boykotts, von Misshandlungen im ersten offiziellen KZ in Dachau, und von der Verdrängung der Juden aus dem öffentlichen Dienst, den Schulen, aus der Wirtschaft und von der Entrechtung mittels der Durchsetzung des "Arierparagraphen" und der "Nürnberger Gesetze". Als Goebbels Ende 1937 die „Beseitigung“ der Juden aus dem deutschen Kulturleben verkündete, hatten mehr als 125.000 Juden Deutschland verlassen.Die Höredition entsteht im Zeitraum von 2013 bis 2017 in mehreren räumlich und zeitlich geglie­derten Staffeln. Sie wird im Radio, in Bayern 2 ausgestrahlt und im Internet dauerhaft verfügbar bleiben. Im Januar/Februar 2013 wird die erste Staffel mit den ersten vier von insgesamt 16 Teilen veröffentlicht. Die zweite Staffel folgt 2014.

 

Bearbeitung: Wolf Gruner

Regie: Ulrich Gerhardt

Länge: 75‘00

 

Mitwirkende: Bibiana Beglau, Matthias Brandt. Ursula Beyrodt. Henry G. Brandt, Ernst Grube, Anita Lasker-Wallfisch, Max Mannheimer

 

Produktion: BR Hörspiel und Medienkunst in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeit-Geschichte / Edition "Judenverfolgung 1933-1945", 2013

Stand: 14.04.2013, 00.00 Uhr

Die Autoren

Katarina Agathos. | Bildquelle: Katarina Agathos

Katarina Agathos, geboren 1971 in München ist seit 2007 Chefdramaturgin der Redaktion Hörspiel und Medienkunst im BR.  Hrsg u.a.: Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften.Remix (München 2004); Intermedialität und offene Form (München 2006); Hörspiel. Autorengespräche und Porträts (München 2009); Deutschland 2089 (München 2010).

 

Dr. Michael Farin. | Bildquelle: Dr. Michael Farin

Dr. Michael Farin, geboren 1953 in Rotenburg/Wümme, seit 1980 Autor, Publizist, Verleger. Hörspiele: u.a.: Ich wünsche mir jede Nacht einen Traum. (BR 1994); Der innere Turm. (BR 1995); Lisa Fittko, Chicago 2000 (mit Katrin Seybold, BR 2006); Wagnis Weiße Rose (mit Katrin Seybold, BR 2012).

Stand: 14.04.2013, 00.00 Uhr

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