Fügung

Nominiert für den Online Award 2013

Fügung

Von John Burnside

Die Geschichte von sexueller Abhängigkeit, archaischen Besitzansprüchen und pubertärer Verzweiflung. Sie mündet in einen Mord, bei dem die Schuldigen unschuldig und die Unschuldigen schuldig wurden.

Grüne Tür. | Bildquelle: colourbox.com

Dies ist eine Geschichte vom Ende der Kindheit. – Von jenen letzten Tagen, in denen alles zufällig geschah und keine Erklärung, klänge sie auch noch so plausibel uns gänzlich zufriedenstellte. – Es war eine Zeit der Geheimniskrämerei, aber auch der absurden Ehrlichkeit. – Jene von uns, die diese Zeit überlebten, können von Glück reden, wenn sie zurückschauen und das Geschehene als Erzählung zu begreifen vermögen. – Der Ansicht sind wir zumindest hier in dieser Gegend.

 

Irgendwo im Norden von Großbritannien, in einer kleinen, von wilder Natur umgebenen Stadt des Kohlereviers, ist inzwischen die traditionelle Vertrautheit der Arbeiter und ihrer Familien in den Mietskasernen der Fremdheit bezahlbarer und schäbiger Einfamilienhäuser wie  trostloser Einkaufsmalls gewichen. Drei Männer erzählen von der Liebe zwischen George Taylor, dem 30-jährigen Schlachter, und Carol Poole, der 17-jährigen Tochter der einflussreichsten Familie vor Ort. Der Schlachter starb, das Mädchen beging Selbstmord.

Einer der Männer, der sich einst zum geheimnisvollen Taylor hingezogen fühlte und der die verbotene Liebe von Ferne beobachtet hatte, beginnt seine Version zu erinnern. Sie erzählt  von sexueller Abhängigkeit und Gewalt, archaischen Besitzansprüchen und pubertärer Verzweiflung. Seine Geschichte mündet in einen Mord, bei dem die Schuldigen unschuldig blieben und die Unschuldigen schuldig wurden.

Auf Anregung des SWR hat John Burnside sein erstes Hörspiel geschrieben, das er im Original "Happenstance" betitelt. Es mit "Zufall" zu übersetzen, erschien nicht sinnvoll, als "Unglückliche Vorhersehung/Vorsehung" oder "Blinde Fügung" zu weitgehend, da  "happenstance" das Vorgefallene nicht wertet. "Anything that happens suddenly or by chance without an apparent cause", sagt das Wörterbuch. In "Fügung" klingt hingegen stärker das Wirken des Schicksals an, worum  es hier letztlich geht.

Regie: Iris Drögekamp

Übersetzer: Bernhard Robben

Dramaturgie: Manfred Hess

Mitwirkende: Christian Redl, Felix von Manteuffel, Elmar Roloff

Länge: 50‘39

Produktion: SWR 2013

Stand: 14.04.2013, 00.00 Uhr

Die Autoren

John Burnside, geboren 1955 in Dungermline, Fife/Schottland, gilt als einer der renommiertesten Schriftsteller der britischen Gegenwartsliteratur. Er lehrte als Professor für Kreatives Schreiben an der University of St. Andrews und schreibt eine Kolumne für "The Guardian". Zuletzt erschienen auf Deutsch seine Romane "Lügen über meinen Vater" (ausgezeichnet mit dem Internationalen Literaturpreis Corine 2011) sowie "Helle Sommernächte" (2012). Sein Gedichtband "The Light Trap" (2002) erschien 2011 als "Versuch über das Licht" auf Deutsch. Ausgezeichnet u.a.  mit dem Petrarca Preis 2011 und - für seinen jüngsten Lyrikband "Black Cat Bone" - 2011 mit dem Forward Poetry Preis und den T.S. Eliot-Prize.

Stand: 14.04.2013, 00.00 Uhr

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