Geister in Princeton

Nominiert für den Online Award 2013

Geister in Princeton

Von Daniel Kehlmann

Kurz nach seinem Tod hält der Mathematiker Kurt Gödel Rückschau auf sein Leben: Die Kindheit in Brünn, das Studentenleben in Wien, die wöchentlichen Sitzungen im Wiener Kreis, die Flucht vor den Nazis in die USA, die Bekanntschaft mit Albert Einstein in Princeton.

Grabstein Gödels. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Eine Aufbahrungshalle in Princeton, New Jersey, Januar 1978. Adele Gödel steht vor dem Sarg ihres Mannes. Während sie im Krankenhaus lag und sich von den Folgen einer Hüftoperation erholte, hat ihr Mann, Kurt Gödel, jede Nahrungsaufnahme verweigert, sich zu Tode gehungert - aus Angst, vergiftet zu werden. Nun wird ihm posthum, durch Botschaftsrat Strinetzki, der Große Staatspreis zweiter Klasse der Republik Österreich verliehen. Denn Gödel war ein genialer Mathematiker, dazu der größte Logiker seit Aristoteles.

Am 6. September 1930, mit vierundzwanzig Jahren, revolutionierte er auf einer Tagung für Erkenntnislehre in Königsberg die mathematische Logik mit seinem "Unvollständigkeitssatz", nach dem es Sätze gebe, die zwar richtig, im formalen System der Mathematik aber unentscheidbar seien, also nicht beweisbar - und dass sich dies beweisen lasse. Da Gödel wenig später außerdem beweist, dass Zeitreisen theoretisch möglich seien, wohnt er in Kehlmanns Stück folgerichtig auch seiner eigenen Bestattung bei. Dort hält er Rückschau auf sein Leben: Die Kindheit in Brünn, das Studentenleben in Wien, die wöchentlichen Sitzungen im Wiener Kreis, die Flucht vor den Nazis in die USA, die Bekanntschaft mit Albert Einstein in Princeton.

 

Bearbeitung und Regie: Norbert Schaeffer

Länge: 74‘49

Mitwirkende: Wolfram Berger, Wenzel Votava, Petra Morzé, Marcus Kiepe, Yuki Iwamoto, Dietrich Siegl. Erich Schleyer, Erwin Steinhauer, Lucas Gregorowicz, Michael Dangl, Johann Adam Oest, Simon Jaritz, Florentin Groll, Franz Josef Csencsits, Thomas Reisinger, Gerti Drassl

Produktion: NDR/ORF 2013

Erschienen 2013 im Argon Verlag

Stand: 14.04.2013, 00.00 Uhr

Der Autor

Daniel Kehlmann. | Bildquelle: Billy&Hells

Daniel Kehlmann, 1975 in München geboren. Wuchs ab 1981 in Wien auf und studierte dort nach dem Besuch einer Jesuitenschule Philosophie und Germanistik. Debütierte als 22-Jähriger mit dem Roman "Beerholms Vorstellung" (1997). Mit dem Roman "Die Vermessung der Welt" (2005) gelang ihm als Schriftsteller international der Durchbruch. Seitdem zahlreiche Poetikdozenturen u.a. in Mainz, Wiesbaden,Tübingen, Köln, Berlin (FU), Universität Koblenz-Landau. 2012: Gastprofessur am German Department der New York University. Auszeichnungen, u.a. "Candide-Preis" (2005),“Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung“ (2006), "Heimito von Doderer-Preis" (2006) und "Heinrich-von-Kleist-Preis" (2006), "GRAND PRIX du Livre des dirigeants" (2007), “Welt"-Literaturpreis (2007),"Per-Olov-Enquist-Preis" (2008), "Thomas-Mann-Preis“ (2008), "Prix Cévennes" (2010). Theaterpreis "Nestroy" (2012) für sein Stück "Geister in Princeton". Der NDR produzierte als Hörspiel "Die Vermessung der Welt" (2007). Kehlmann lebt als freier Schriftsteller in Wien und Berlin.

Stand: 14.04.2013, 00.00 Uhr

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