Hörspiel im Wettbewerb: Gold. Revue

Gold in Fiolen. | Bildquelle: picture-alliance/dpa Audio Audio

Hörspiel im Wettbewerb

Gold. Revue

von Jan Wagner

Es ist Gold, das seit Anbeginn der Dinge ruhte, aber nicht schlief, das nur darauf wartete, gefunden zu werden am Ufer eines Flusses irgendwo in den menschenleeren Weiten, das gelauert hat auf den Einen, der es blitzen sieht, dem es zublinzelt aus dem Wasser und der sich herunterbeugt, um es aufzuheben, Besitzer eines Geheimnisses, das keines bleiben kann. Und so rast das Gerücht von Dorf zu Stadt, über die Länder und Meere, bis die Fabriken und die Büros verstummt sind, die Schiffe leer in der Bucht schaukeln, nur noch die Hacken und Schaufeln hunderttausender von Glücksuchern zu hören sind - "jeder für sich selbst allein, und der Teufel für uns alle".

"Gold" ist ein lyrisches Stimmenspiel von Jan Wagner, in dem sie alle zu Sprache und zu Gesang finden, die Herumtreiber und die Händler, die Schürfer und Gräber, die Bardamen, Bestatter, Liebenden und Missionare, die Säufer und Prasser und Spieler, all jene, die mit nichts als ein bisschen Hoffnung in der Tasche ihr altes Dasein für immer hinter sich ließen, manchmal gewannen, fast immer verloren. Eine Revue zum Rausch, in der die Lebenden und auch die längst vergessenen Toten, verscharrt in der Erde, ein letztes Mal reden dürfen, so wie auch das Gold, das bleibt, während die, die es suchten, vergingen; eine poetische Szenenfolge, ergänzt und gespiegelt von einer Originalmusik des Komponisten Sven-Ingo Koch.

Mit: Mechthild Grossmann, Heikko Deutschmann, Henning Nöhren, Marek Harloff, Rainer Philippi, Jan Maaki, Andre Kaczmarczyk, Rosa Enskat, Sonja Beißwenger, Yohanna Schwertfeger, Maja Schäfermeyer, Julian Panknin 

Regie: Leonhard Koppelmann 

Komposition: Sven-Ingo Koch 

Produktion: DLF/SWR 2017 

Länge: 74’46

  • Öffentliche Vorführung: Mittwoch, 8. November, 20 Uhr, ZKM_Kubus, in Karlsruhe
  • Nach der anschließenden Jurydiskussion findet das Frageforum statt
  • Diskussion und Frageforum können Sie auch im Videolivestream verfolgen.

Der Autor

Jan Wagner. | Bildquelle: Alberto Novelli - Villa Massimo

Jan Wagner, geb. 1971 in Hamburg, lebt in Berlin. Übersetzer englischsprachiger Lyrik, freier Literaturkritiker und bis 2003 Mitherausgeber der internationalen Literaturschachtel DIE AUSSENSEITE DES ELEMENTES. Neben sieben Gedichtbänden – Probebohrung im Himmel (2001), Guerickes Sperling (2004), Achtzehn Pasteten (2007), Australien (2010, alle Berlin Verlag), Die Eulenhasser in den Hallenhäusern. Drei Verborgene (2012), Regentonnenvariationen (2014) und Selbstporträt mit Bienenschwarm. Ausgewählte Gedichte 2001-2015 (2016, alle Hanser Berlin) – sowie den Essaysammlungen Die Sandale des Propheten. Beiläufige Prosa (Berlin Verlag 2011) und Der verschlossene Raum. Beiläufige Prosa (Hanser Berlin 2017) veröffentlichte er mit Björn Kuhligk die Anthologien Lyrik von Jetzt (2003) und Lyrik von Jetzt zwei (2008) sowie das Buch Der Wald im Zimmer (2007). Er erhielt u.a. den Anna-Seghers-Preis (2004), den Ernst-Meister-Preis (2005), den Wilhelm-Lehmann-Preis (2009), ein Villa-Massimo-Stipendium in Rom (2011), den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Tübingen (2011), den Kranichsteiner Literaturpreis (2011), den Paul-Scheerbart-Preis (2013), den Mörike-Preis (2015), den Preis der Leipziger Buchmesse (2015), den Samuel-Bogumil-Linde-Preis (2016), den Zhongkun International Poetry Prize der Universität Peking (2017) sowie den Georg-Büchner-Preis (2017).

Stand: Fri Sep 22 00:00:00 CEST 2017 Uhr

Darstellung: