Hiden Shakespeare

Das Ensemble hidden shakespeare. | Bildquelle: Lutz Jäkel

Improvisiertes Live-Hörspiel | 10.11. | 21 Uhr | ZKM Karlsruhe

"hidden shakespeare": Unerhört spontan

Wer ist das Opfer, wer der Täter? Bei "hidden shakespeare" bestimmt das Publikum die Handlung. Mit einem Krimi-Hörspiel kommen die Helden des Improvisations-Theaters nach Karlsruhe. Wir sprechen mit Ensemble-Mitglied Frank Thomé über die Herausforderung, ein Hörspiel auf die Bühne zu bringen und über die Macht von Improvisation.

ARD Hörspielfestival: Wie ist hidden shakespeare eigentlich zu diesem rätselhaften Namen gekommen?

Frank Thomé: Es gibt uns dieses Jahr seit 25 Jahren. Nach den ersten drei Jahren gab es einen Wechsel im Ensemble, damals kamen Rolf Claussen und ich dazu. Deshalb war ich bei dem Prozess der Namensfindung gar nicht dabei. Naja, und die Kollegen wissen es auch nicht mehr so genau. Es war wohl auch Alkohol im Spiel...


Seit 25 Jahren gelten hidden shakespeare als eines der renommiertesten und erfahrensten Improvisationstheater Deutschlands. Inspiriert von den Vorschlägen der Zuschauer entwickeln die fünf Schauspieler Mignon Remé, Kirsten Sprick, Thorsten Neelmeyer, Rolf Claussen und Frank Thomé spontan ganze Dramen, Kurzfilmszenen, Gedichte, Songs - und in Karlsruhe sogar ein Kriminalhörspiel. Der Heimathafen von hidden shakespeare ist Hamburg. Nach Auftritten beim Bundespräsidenten, Gastspielen kreuz und quer in Europa, Afrika, Amerika der Karibik und den erfolgreichen Filmen "Heiligabend mit Hase" und "Ein Endspiel" kommt das Ensemble erstmals auch zu den ARD Hörspieltagen.

Vermutlich nicht ganz selten im Namensfindungsbereich…

(lacht) Als sie angefangen haben, haben sie verstecktes Theater gemacht. Das ging zurück auf den Theatermacher Augusto Boal. Sie wurden engagiert und sind dann an irgendwelche Orte gegangen – zum Beispiel auch in andere Theateraufführungen oder in Cafés. Sie haben ihre Rollen gehabt und haben angefangen zu spielen, ohne dass die Leute vorher wussten, dass das ein Theaterstück ist. Das verbirgt sich so ein bisschen hinter dem Wort "hidden". Und Shakespeare ist mehr oder weniger einfach ein Synonym für Theater generell. Allgemein ist es so, dass wir keinen Shakespeare spielen, auch wenn das immer mal vom Publikum gewünscht wird. Aber dann improvisieren wir einen – einen unentdeckten Shakespeare sozusagen.

Wir fragen das Publikum und die Vorgaben, die aus dem Publikum kommen, setzen wir dann um. Und ich glaube, für das Publikum ist es immer interessant zu sehen, wie schnell das passiert. Also, dass uns irgendetwas zugerufen wird und dass das wirklich sofort stattfindet. Wenn die Leute uns nicht kennen, dann merkt man immer, am Anfang ist die Furcht da, dass sie auf die Bühne müssen. Das ist die größte Angst. Deshalb haben wir das ganz am Anfang auf unsere Plakate und Flyer geschrieben: Das Publikum darf alles, nur nicht auf die Bühne! Wir machen auch immer ein warm up, um ihnen eben diese Angst zu nehmen.

Und wie werden Sie mit den Elementen des Hörspiels spielen?

Der Unterschied ist ja, dass wir keine stummen Handlungen zeigen können. Also wenn wir einen Krimi auf der Bühne machen, dann kann es sein, dass ein Verdächtiger stumm etwas versteckt – solche Sachen sind hier nicht möglich. Deshalb werden wir wohl auch mit einem Erzähler arbeiten. Es kann aber auch gut sein, dass das eine Figur ist, die mitspielt und aus ihrer Sicht erzählt.

Wollen Sie auch mit Geräuschen arbeiten? Vorbereiten können Sie die ja nicht.

Im Moment gibt es dazu zwei Ideen. Wir haben einen Musiker dabei, der solche Effekte mit Computer oder Keyboard blitzschnell herstellen kann. Die andere Idee ist, dass jemand von uns alle Geräusche mit dem Mund macht. Das kann sehr witzig sein, denn ich kann mir vorstellen, dass er vom Publikum auch gefordert wird.

Und setzen Sie Requisiten ein?

Darauf verzichten wir immer. Wir haben zwar schon mal damit experimentiert, aber das Schöne ist ja, dass wir, eben dadurch dass wir kein Bühnenbild haben, weder an Ort noch an Zeit gebunden sind, wir können in der Zeit hin und her gehen.

Wie beim Hörspiel.

Ja, und das soll natürlich auch bei dem Krimi in Karlsruhe so sein. Da wird es sicher auch Rückblenden geben. Dass man dann vielleicht auch "sieht" wie die Beteiligten als Kinder aufgewachsen sind, oder so etwas. Und deshalb verzichten wir konsequent auf Requisiten und Kostüme. Denn auch wenn man einen Krimi macht und eine Pistole und eine Giftampulle dabei hat – der Fall wird sich erfahrungsgemäß immer so entwickeln, dass das, was man braucht, fehlt. Ich bin da auch immer sehr erstaunt, dass sich das Publikum davon nicht gestört fühlt. Das ist die Leistung des Publikums, ähnlich wie beim Hörspiel, dass sich die Leute das alles vorstellen.

Und welche Erwartungen haben Sie an den Abend in Karlsruhe?

Ich bin neugierig auf das hörspielaffine Publikum. Da bin ich sehr gespannt, wie das ankommt, dass wir kein Skript haben. Und ich kann mir vorstellen, dass die Konzentration des Publikums noch höher ist als im Theater. Hörspielhörer sind ja geschult darin, sich auf eine Geschichte einzulassen und eben ihre eigenen Bilder entstehen zu lassen. Das zu bedienen, das ist die Herausforderung für uns.

 

Stand: Wed Oct 11 16:42:09 CEST 2017 Uhr

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