Kaufhaus am Meer

Gewinnerin des ARD PiNball 2014

Das Kaufhaus am Meer

Mariola Brillowska gewinnt den ARD PiNball. Die Autorin führt - so die Jury - "vertraute Sprache selbst als etwas Absurd-Komisches vor" und erinnert "ganz unprätentiös daran, wie essentiell das Spiel für die Gattung Hör-Spiel doch ist."

Die Begründung der Jury

Melodramatische Klavierklänge, dazu die sehnsuchtsvolle Geräuschkulisse von Möwen am Meer - für einen Augenblick könnte man meinen, es handle sich um den Beginn einer romantischen Liebesgeschichte. Doch das Kurzhörspiel "Kaufhaus am Meer" führt diese anfängliche Szenerie binnen Sekunden ad Absurdum: zwei Stammkundinnen möchten ihren letzten Kauf umtauschen, obwohl sie offensichtlich nicht einmal wissen, was sie da in der Tüte haben. Mal sind es Sandalen, mal Stilettos, "Zimtlatschen" oder Schlittschuhe, mal möchten sie von der Praktikantin namens Praktigotta "170 Yuro" in Cash dafür, mal halten sie nach neuen Schuhen Ausschau, etwa den modischen Korkenzieher-Pantoletten, die ihnen der Geschäftsführer höchstpersönlich "andreht", wobei dieses Andrehen wiederum wortwörtlich verstanden wird und dementsprechend heftige Schmerzensschreie der Kundin nach sich zieht.


Man merkt schnell: Diese wilden Sprünge folgen keinem vorgegebenem Script, vielmehr wirken sie wie das Ergebnis spontaner Kollektivimprovisationen, in denen offenbar alles behauptet werden darf und nichts belegt werden muss. Dennoch nehmen die Akteure das Spiel der Worte und Assoziationen ernst. Sie kreieren nicht nur originelle Bilder und Phantasiebegriffe, vielmehr führen sie die uns scheinbar so vertraute Sprache selbst als etwas Absurd-Komisches vor - und lassen die Zuhörer an diesem Prozess teilhaben: so scheint es fast, als könne man den Akteuren am Mikrofon dabei zusehen, wie sie sprachliche Haken schlagen und sich gegenseitig mit abstrusen Einfällen übertrumpfen. Unbeeindruckt von gängigen Konventionen des Hörspiels etabliert "Kaufhaus am Meer" dabei eine eigene originäre Formensprache und erinnert, ganz unprätentiös, daran, wie essentiell das Spiel für die Gattung Hör-Spiel doch ist.

Stand: Thu Apr 02 02:08:57 CEST 2015 Uhr

Mariola Brillowska

Mariola Brillowska, geboren 1961 in Sopot/Danzig, studierte von 1984 bis 1991 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Seit 1988 produziert sie in eigener Regie Animationsfilme, auch anarchistische Performances und Theatershows zählen zu ihrem Repertoire. Ihr Film Grabowski, Haus des Lebens erhielt bei den Kurzfilmtagen Oberhausen 1991 den Grand Prix. Von 2005 bis 2013 war sie Professorin für Zeichnen und Illustration an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main. Teilnahmen an zahlreichen internationalen Ausstellungen und Festivals sowie Retrospektiven ihrer Werke und Filmwerkschauen finden fortgehend statt, u.a. in New York, Warschau, Peking. 2013 publizierte sie/MB ihren Debütroman "Hausverbot".

Stand: Fri May 01 02:38:57 CEST 2015 Uhr

Bilder aus der Serie "Criminal Art" von Mariola Brillowska

Die Sekte. | Bildquelle: Mariolla Brillowska

Drei Terroristen. | Bildquelle: Mariolla Brillowska

Spurensicherung am Tatort. | Bildquelle: Mariolla Brillowska

Strafendes Kind. | Bildquelle: Mariolla Brillowska

Der Überfall. | Bildquelle: Mariolla Brillowska

Vier Selbstmörderinnen. | Bildquelle: Mariolla Brillowska

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