Liebe unter Fischen

Bergsee. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Nominiert für ARD Online Award 2014

Liebe unter Fischen

Von René Freund

Eine Berliner Verlegerin vor dem finanziellen Aus, ein jodelnder Naturbursche mit gesundem Menschenverstand und eine im Bergsee gründelnde slowakische Nixe: Sie stellen das illustre Personal dieser Versuchsanordnung dar, in deren Zentrum der ausgebrannte Kreuzberger Besteller-Lyriker Alfred Firneis geraten ist. Ehe dieser sich versieht, findet er sich in einer einsam gelegenen Holzhütte mitten in den österreichischen Bergen wieder: "Ein unpassierbarer Abgrund und 16 Kilometer trennen mich von der Welt." Der einzige Weg hinab führt „über grauenhafte Steilwände, Felsklippen, die Hunderte Meter über Abgründen klaffen“, schreibt er. Nach dem ersten Schock und gescheitertem Fluchtversuch, gewinnt Alfred jedoch eine völlig neue Sicht auf die Dinge und sich selbst. „Ich könnte stundenlang zusehen, wie Wasser sich mit Wasser paart“, schreibt Firneis seiner Verlegerin. „Der Stille zu lauschen, das ist das größte Erlebnis, das wir Menschen uns vorstellen können. Und plötzlich höre ich mich und ich verschwinde. Verstehen Sie?“ Aus seiner totalen mystischen Verzückung wird der Dichter von zwei seltsamen Wesen der Bergwelt gerettet. Ein Förster namens August rettet ihm das Leben und verschafft ihm auch weiterhin lebenswichtige Lektionen in gesundem Menschenverstand. Und eine dem Wasser des Bergsees entsteigende Nixe eröffnet ihm Einblicke in ganz neue Interessengebiete. Nixe Mara entpuppt sich als Limnologin, fortgeschrittene Studentin der Gewässerwissenschaft an einer kleinen slowakischen Universität, die das Liebesleben von Phoxinus phoxinus, einem typischen Schwarmlaicher, erforscht, der fast nur noch in alpinen Gewässern anzutreffen ist. Durch diese Begegnung angeregt, beginnt sogar der poetische Genius zu neuem Leben zu erwachen. Eigentlich alles zu schön, um wahr zu sein. Da es sich hier um ein heiter-versponnenes Undinenmärchen unserer Tage handelt, kann es nicht ganz ohne Komplikationen ausgehen. „Liebe unter Fischen“ ist ein Spiel um die Liebe, die Sprache und die Stille.

Mitwirkende:

Fabian Busch - AlfredBritta Steffenhagen - SusanneDavid Miesmer - AugustKatja Danowski - Mara-LisiBettina Stucky - ÄrztinWolfgang Krassnitzer - Wirt

Komposition: Max Nagl

Technische Realisation: Rudolf Grosser, Sebastian Ohm und Birgit Gall

Regie: Beatrix Ackers

Länge: 58‘59 min

Produktion: Norddeutscher Rundfunk

Redaktion: Christiane Ohaus

Stand: Mon Nov 10 12:49:19 CET 2014 Uhr

René Freund

René Freund, geboren 1967 in Wien, lebt als Autor und Übersetzer in Grünau im Almtal, Oberösterreich. Er studierte Philosophie, Theaterwissenschaft und Völkerkunde, war 1988 bis 1990 als Dramaturg am Theater in der Josefstadt in Wien tätig, schreibt Theaterstücke, Romane, Glossen, Sachbücher und Hörspiele. Sein neues Buch"Mein Vater, der Deserteur – Eine Familiengeschichte" erscheint Ende September 2014

Stand: Mon Apr 13 02:12:37 CEST 2015 Uhr

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