Mobile Karma - Hörspiel von Leo Hofmann

Sinnbild Mobilität. | Bildquelle: colourbox.de Audio Audio

Gewinner des ARD PiNball 2017

"Mobile Karma" von Leo Hofmann

Leo Hofmann gewinnt den Wettbewerb der Freien Hörspielszene!

Begründung der Jury:

"Kann ich ohne Zuhause leben? 'I’m walking on air'" dichtet der Ich-Erzähler in das Mikro seines Smartphones. Da spricht ein Heimatloser, ein Ruheloser, der sich gerne überzeugen will, dass er kein Zuhause braucht. Der sich überzeugen möchte, dass er sich auch in der Raucherlounge am Flughafen oder auf der Zugtoilette oder im Hotelzimmer aufgehoben fühlen kann, so lange er nur mit der ganzen Welt vernetzt ist. Aber was wir aus seinem Sprechen hören, ist doch eindeutig: Tatsächlich ist er gerade völlig allein.

Ohne uns zu viel an die Hand zu geben - wer spricht da zu wem und warum? -, nimmt uns das Hörspiel in seiner heutigen Anmutung sofort gefangen und scheint uns in wohlbekannte Gefilde zu ziehen – hinein in seinen dichten Mix aus Musik, Social-Media-Tönen, Klängen, Vibrationen, Handygesprächsfetzen. Der Lebensstil einer ganzen Generation in der globalisierten Welt auf den Punkt gebracht. Willkommen im 21.Jahrhundert.

In Mobile Karma gibt es keine sichere, gefestigte Hörsituation, alles ist in der Schwebe. Nur einzelne Fetzen lassen sich greifen. Fernkommunikation ist zerbrechlich und immer so  ungleichzeitig, dass es an den Nerven zerrt. Satzfetzen überlagern sich, Nachrichten laufen ins Leere. Die räumliche Distanz ist immer da und lässt wirkliche Nähe gar nicht zu. So sind die Gesprächsteilnehmer letztlich immer auf sich selbst zurückgeworfen; die eigene Situation wird stilisiert, um sie dem anderen vermitteln zu können. Mobile Karma ist ein - ja was?

Ein Hörspiel über Distanzen, die durch den Versuch ihrer akustischen Überbrückung doch nur fortgeschrieben werden.

Ein erzählerischer Popsong über die Unvereinbarkeit zwischen dem tatsächlichen Allein-Sein und einer Gesellschaft, die die Einsamkeit als sogenannte "Zeit für dich allein" zur meditativen Genusspause und zum Lifestyle erhebt. Und eine vielschichtige und konsequente künstlerische Auseinandersetzung mit dem modernen Arbeitsnomadentum."

Inhalt

"Mobile Karma" widmet sich dem Sound des urbanen Nomadismus. In einer Wolke aus Telefonaten, Audio-Notizen, und Signalklängen spürt es einer Gesprächskultur nach, in der sich die Akteure vornehmlich über ihre Abwesenheit und Distanz austauschen. Das Stück horcht dafür in die Leitungen von Mobiltelefonen, ins Zugabteil nebenan, unter die Ohrmuscheln von Headsets und trifft dabei auf Sehnsüchte, Einsamkeit und hyperbeschleunigte Wanderlust. Kann ich ohne Lebensmittelpunkt leben? Können meine Kopfhörer mein Zuhause sein? Doch in den Obertönen der akustischen Situationen, zwischen digitalen Fragmenten, einer Sprache der Liebe und Resten von Pop-Songs kündigt sich zunehmend ein Sturm an...

Stimmen: Leo Hofmann, Filomena Krause, Marion Tampon-LaJariette, Benjamin van Bebber

Der Autor

Leo Hofmann (1986, CH/DE) kreiert und spielt Musiktheater, Klang-Performances und hörspielartige Kompositionen. Er arbeitet mit Stimme, Bewegung und Elektronik, untersucht Musik zwischen Flüchtigkeit und medialer Fixierung, befragt das Visuelle im Musizieren und das Körperliche im Klang. Seine Arbeit umfasst ferner Musik für Theaterproduktionen, radiophone Stücke und Klanginstallationen.

Nach Abschluss seines Master-Studiums "Contemporary Arts Practice" an der Hochschule der Künste Bern im Jahr 2013 erhielt Hofmann diverse Auszeichnungen und Förderungen, darunter die Residenz "Studio Roma" des Istituto Svizzero di Roma, den "Giga-Hertz Förderpreis für elektronische Musik" des ZKM Karlsruhe, die Residenz des Fleetstreet Theater Hamburg, sowie das Klangkunst-Stipendium des Landes Niedersachsen.

Unter seiner Leitung entstanden seit 2013 diverse musiktheatrale Arbeiten, u.a. "Teleprompter Paradise" - ein Electronica Melodrama für zwei Performer -, das Musiktheater "UNGEDULD" für drei Stimmen und Live-Elektronik (Premiere Gare du Nord Basel) und das performative Hörspiel "Pachinko Playalong" (Premiere ZKM Medientheater). Als Composer-Performer spielte er an diversen internationalen Festivals, Konzerthäusern, Theatern und Galerien wie z.B. dem SPOR Festival Aarhus, dem Cabaret Voltaire Zürich, dem Festival KONTAKTE Berlin und dem Goethe-Institut Nairobi.

Zusammen mit dem Musiktheater-Regisseur Benjamin van Bebber gründete er 2015 das "Institut für angewandtes Halbwissen"; eine künstlerische Forschungs- und Produktionsgemeinschaft, welche im Musiktheater nach Qualitäten und Sensibilitäten jenseits von Virtuosität und Opulenz sucht.

Hofmann lebt und arbeitet in Zürich und Hamburg.

Stand: Sat Nov 11 21:42:19 CET 2017 Uhr

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