Orpheus in der Oberwelt. Eine Schlepperoper

Grafik zu Orpheus in der Oberwelt. Eine Schlepperoper. | Bildquelle: Jan Brokof / João Loureiro

Nominiert für den Hörspielpreis der ARD und für den ARD Online Award

Orpheus in der Oberwelt

Von andcompany&Co.

Die Grenze der EU im Südosten ist der Fluss Evros. Dort trieb einst der Kopf des Orpheus - von den Mänaden in Stücke gerissen, nachdem er der Unterwelt entstiegen war. Heute ist der Evros eine der bestbewachten Grenzen Europas. Denn hier verlief bis vor kurzem die billigste, aber auch gefährlichste Landroute für illegale Einwanderer in die EU. Nun kehrt Orpheus zurück an diese Grenze - in Gestalt des glücklosen Schleppers. Und wieder scheitert er bei dem Versuch, erfolgreich von einer Welt in die andere zu führen: Der Weg nach Europa wird zum Gang ins Totenreich.

In der "Schlepperoper" wird jene Figur besungen, die in der heutigen Berichterstattung nur als krimineller Typus auftaucht, während sie in den Zeiten des Kalten Krieges als Fluchthelfer verherrlicht wurde. Der Schlepper Orpheus ist eine Art moderner Dienstleister, der sein Gewerbe verteidigt und zugleich darauf besteht, dass der gewerbliche Aspekt nicht im Widerspruch zu höheren Idealen wie der Liebe steht. Dabei wird Orpheus‘ "schöner Gesang" als Belcanto, Inbegriff der europäischen Oper, zu einem Abgesang auf die europäische Gegenwart.

Monteverdi und Gluck treffen auf Elektrosounds, Arien auf Appelle, Antike auf Aktualität: Assoziativ und analytisch befragt das Performance-Kollektiv andcompany&Co. den antiken Mythos im Hinblick auf unhaltbare Zustände von heute.

Orpheus in der Oberwelt ist mit dem Prix Europa als bestes europäisches Hörspiel 2015 ausgezeichnet worden.

  • Öffentliche Vorführung: Donnerstag, 12. November, 16 Uhr, ZKM_Kubus, in Karlsruhe
  • Nach der Jurydiskussion Frageforum mit Alexander Karschnia, Sascha Sulimma (andcompany&Co.) und Isabel Platthaus (Dramaturgie)

Mitwirkende:

Irida Baglanea, Alexander Karschnia, Claudia Splitt, Komi Mizrajim Togbonou u. a.

Text: Alexander Karschnia, Nicola Nord

Regie: Alexander Karschnia, Nicola Nord, Sascha Sulimma

Kompostion: Sascha Sulimma

Produktion: WDR 2015

Länge: 49:39 Minuten

Die Autoren

andcompany&Co. wurde 2003 von Alexander Karschnia, Nicola Nord und Sascha Sulimma als offenes internationales Netzwerk in Frankfurt am Main gegründet. Die drei Ko-RegisseurInnen behandeln in ihren Stücken die Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. Utopien und Erinnerungsfetzen werden aufgegriffen und im Wiederversprechen auf ihren Mehrwert überprüft. andcompany&Co. entwickeln regelmäßig.

Die Jurydiskussion

Stand: 14.05.2016, 04.11 Uhr

Darstellung: