Qualitätskontrolle

Pool. | Bildquelle: colourbox.de

Gewinner des Deutschen Hörspielpreises der ARD | Nominiert für ARD Online Award 2014

Qualitätskontrolle oder warum ich die Räusper-Taste nicht drücken werde

Von Helgard Haug und Daniel Wetzel (Rimini Protokoll)

Die Begründung der Jury

"Eine junge Frau, Maria-Cristina Hallwachs aus Stuttgart, fährt – es ist die Belohnung für das bestandene Abitur – mit ihren Eltern in den Urlaub nach Kreta. Sie verunglückt schwerstmöglich, das Genick bricht, aber sie überlebt. Am Leben erhalten sie seither ihre Familie, Pflegekräfte, die sich rund um die Uhr abwechseln, die medizinische Technik – und ihr eigene Lebensenergie. Nun, gut zwanzig Jahre nach dem Unfall, erzählt sie ihre Geschichte. Das Hörspiel, das dabei entstand, heißt „Qualitätskontrolle oder Warum ich die Räusper-Taste nicht drücken werde!“, eine Produktion des WDR. Es hat drei Autoren: Maria-Cristina selbst sowie Helgard Haug und Daniel Wetzel, beide Mitglieder der Gruppe Rimini Protokoll, die ihrer innovativen Theater-, Performance- und Hörspielrealisationen wegen berühmt wurde. Das neue Stück ist ein Triumph der Sprache. Maria-Cristina kann sprechen, weil der Zwerchfellsimulator und die Lungenmaschine es ermöglichen und weil sie es will. Und weil es ein Triumph der Sprache ist, ist es auch einer des Radios. „Qualitätskontrolle“ erzählt vom Nie-allein-sein-Können, von Versehrtheit, Verzweiflung, Not, emphatisch auch vom ethischen Dilemma der modernen Medizin – und wird darüber zu einer großen Eloge auf das Wagnis der Existenz. Eine durch ihre Lakonie beeindruckende Dokumentation und artistisch wie technisch brillante Inszenierung finden zu einer Synthese, die uns ergreift und beglückt."

Inhalt des Stücks

"Ich habe nie gefragt, warum mir das passiert ist. Warum ich vor 20 Jahren zur Feier meines Abiturs mit meinen Eltern aus Stuttgart nach Kreta flog. Warum ich in den Pool der Ferienanlage sprang. Das war die letzte Bewegung, zu der ich meinen Körper antreiben konnte. Seitdem herrscht Funkstille zwischen uns, von den Schultern abwärts. Ich wurde von meinem Vater am Rand des Pools beatmet. Ich wurde gefragt, ob ich überhaupt leben wollte. Ich wollte unbedingt. Ich wollte weitermachen. Ich lebe fröhlichen Hauptes.“

Zusammen mit dem Kollektiv Rimini Protokoll hat Maria-Christina, die Heldin dieser wahren Geschichte, ein Stück entwickelt und selbst erzählt, das sich so unaufdringlich wie unausweichlich mit Schicksal, Lebenswert und persönlicher Haltung beschäftigt.

Mitwirkende: Maria-Cristina Hallwachs, sowie Timea Mihályi, Admir Dzini, Eike und Claudine Hallwachs, Detlef Glätzer und andere

Musik: Barbara Morgenstern

Ton: Michael Kube / mainland

Regie: Helgard Haug und Daniel Wetzel

Länge: ca. 53 min

Produktion: Eine Auftrags-Produktion des WDR, 2014

Redaktion: Martina Müller Wallraf

Stand: Mon Nov 10 12:55:25 CET 2014 Uhr

Daniel Wetzel und Helgard Haug

Helgard Haug und Daniel Wetzel, beide Jahrgang 1969, bilden gemeinsam mit Stefan Kaegi das Regiekombinat Rimini Protokoll. Ihre Arbeiten bewegen sich an der Grenze zwischen dokumentarischer Recherche und deren Inszenierung. Sie stellen nicht Laien, sondern Experten des Alltags in den Mittelpunkt. Für "Karl Marx: DAS KAPITAL, Erster Band" (DLF/WDR 2007) erhielten sie den Hörspielpreis der Kriegsblinden.

Stand: Mon Apr 13 02:12:36 CEST 2015 Uhr

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