Und jetzt: Die Welt!

Einsame Frau. | Bildquelle: colourbox.de

Nominiert für den Hörspielpreis der ARD und für den ARD Online Award

Und jetzt: Die Welt!

Von Sibylle Berg

Sie sind klug, gut ausgebildet und leben in prekären Verhältnissen, weil auch das x-te Praktikum kein Geld bringt. Sie verkaufen selbstgekochte Drogen im Internet, schreiben Mode-Blogs und steigern den Marktwert ihres Körpers im Fitnessstudio, obwohl sie den Markt verachten. Sie kommunizieren unablässig per Skype, SMS, Chat oder Telefon, und doch bleibt da ein Gefühl von überwältigender Einsamkeit. - Eine junge Frau bilanziert ihr bisheriges Leben: früher Mitglied einer brutalen Mädchengang, heute friedlich Yoga, früher unbeholfenes Knutschen mit Jungs im Zeltlager, heute Gender-Fragen und die Projekte "Sex" und "Liebe" mit Männern oder Frauen, früher hochfliegende Ideale, heute Pragmatismus. Sehnsucht ist etwas, was man hauptsächlich aus Filmen kennt, Familie ein Verbund, den man sich selbst zusammenstellt, und immer lauert draußen die Welt, stellt Forderungen und diktiert Bilder, denen man unmöglich genügen kann.

Gnadenlos und mit großer Zärtlichkeit porträtiert Sibylle Berg vier Frauen Anfang Zwanzig, die – schwankend zwischen Aggression und Apathie, Aufbruch und Abgeklärtheit – unsicher sind, wofür sie kämpfen sollen, und bei denen schon das Wort "wir" für berechtigte Skepsis sorgt. "Und jetzt: Die Welt!" wurde von der Zeitschrift "Theater heute" zum deutschsprachigen "Stück des Jahres 2014" gewählt.

  • Öffentliche Vorführung : Samstag, 14. November, 14 Uhr, ZKM_Kubus, in Karlsruhe
  • Nach der Jurydiskussion Frageforum mit Marina Frenk (Darstellerin), Stefan Kanis (Regie) und Thomas Fritz (Dramaturgie)

Mitwirkende:

Marina Frenk

Hörspieleinrichtung und Regie: Stefan Kanis

Arrangeur: Marina Frenk

Produktion: mdr 2015

Länge: 54:17 Minuten

Die Autorin

Sibylle Berg, deutsch-schweizerische Schriftstellerin, Journalistin und Dramatikerin, lebt heute in Zürich. 1962 in Weimar geboren, nach dem Abitur Ausbildung zur Puppenspielerin in Naumburg, die durch Ausreiseantrag 3 Jahre später ohne Abschluss beendet wurde. 1984 Ausreise aus der DDR, ab 1996 Autorin und Kolumnistin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, seit 2013 Lehrauftrag im Bereich Dramaturgie an der Zürcher Hochschule der Künste.

Diskussion der Jury zum Hörspielpreis der ARD

Stand: 14.05.2016, 04.18 Uhr

Darstellung: