Zu nahe

Zwei identische Aufziehpuppen sehen sich an. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Nominiert für den Hörspielpreis der ARD und für den ARD Online Award

Zu nahe

Von Elisa Minth

"Ich bilde einen Daumen aus, du auch? Es sind Stummel, sie werden immer größer. Ich sehe nichts, ich fühle dich. Ich sehe dich auch nicht, doch wir sind da." Zwillinge. Gemeinsame embryonale Zeit, verknüpfte Identitätsbildung, verknotetes Bewusstsein. Kindheit, Jugend, Erwachsensein. Die Ich-Bildung viel später lernen als Einzelgeborene. Das Wir auftrennen müssen und sich auseinanderfädeln. Viel zu genau wahrnehmen. Immer schon mehr gewesen sein, als man selbst.

Die Schriftstellerin Elisa Minth lässt zwei Menschen gemeinsam körperlich werden und ihrer Wege gehen. Viel zu spät bemerken die Zwillinge, dass das eigene Handeln nicht ohne fatale Konsequenzen auf den anderen entschieden werden kann. Liebe und Nähe sind ein untrennbarer Zustand, der die eine an die Oberfläche und die andere in den Untergrund presst. Das bringt auf der einen Seite Leben und auf der anderen Seite den Tod hervor. "Weißt du wie das ist, auf diese Seite der Medaille gefallen zu sein?"

  • Öffentliche Vorführung: Donnerstag, 12. November, 19 Uhr, ZKM_Kubus, in Karlsruhe
  • Nach der Jurydiskussion Frageforum mit Alice Elstner (Regie) und Kurt Reissnegger (Dramaturgie und Redaktion)

Mitwirkende:

Dorothee Hartinger, Barbara Horvath, Michou Friesz, Susanna Wiegand, Eduard Wildner, Rainer Frieb, Michael Köppel

Regie: Alice Elstner

Produktion: ORF 2015

Länge: 53:07 Minuten

Die Autorin

Elisa Minth, geboren 1968 in Oberösterreich, hat ihr Schauspielstudium in Wien absolviert. Nach ihrem Abschluss 1992 studierte sie Philosophie und Theaterwissenschaften. Sie schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Romane und Drehbücher. Seit 2002, nach einem Training bei Sources2, arbeitet sie außerdem als Dokumentarfilmerin.

Hörspiel im ORF

Die Jurydiskussion

Stand: 14.05.2016, 04.12 Uhr

Darstellung: