Der richtige Umgang mit Antibiotika

Eine Frau führt eine Kapsel zum Mund, ein Rezeptschein. | Bildquelle: colourbox.de/picture-alliance/Kombo: ARD.de

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Erkältungszeit

Der richtige Umgang mit Antibiotika

Ina Mersch

An Antibiotika scheiden sich die Geister: Für die einen sind sie eine Wunderwaffe, die Leben rettet. Die anderen sehen sie eher kritisch, weil sie häufig zu Resistenzen führen, die lebensbedrohlich werden können. Die wichtigsten Fragen zum Umgang mit Antibiotika.

Was sind Antibiotika?

Antibiotika sind natürlich gebildete Stoffwechselprodukte von Pilzen und Bakterien. Das Wort Antibiotika stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt "gegen das Leben". An den Kragen geht es aber letztlich nur Bakterien. Sie werden in ihrem Wachstum gehemmt oder abgetötet. Zur Arzneimitteltherapie verwendet man heute Antibiotika, die entweder synthetisch oder biotechnologisch gewonnen werden.

Wozu dienen sie?

Antibiotika werden zur Bekämpfung von Infektionen eingesetzt, die durch Bakterien verursacht werden. Bakterien kommen praktisch überall und in unzähligen Arten und Formen vor. Sie machen uns aber nicht alle krank. Viele sind sogar ausgesprochen nützlich. Sie leisten uns z.B. gute Dienste bei der Verdauung.

Weil Antibiotika nicht zwischen "guten" und "schlechten" Bakterien unterscheiden können, töten sie leider auch die nützlichen ab. Das kann zum Beispiel die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen.

Welche Antibiotika gibt es?

Es gibt es eine Vielzahl von antibiotischen Substanzen. Die wichtigsten sind:

  • Penicilline mit breitem Wirkspektrum
  • Penicilline mit schmalem Wirkspektrum
  • Cephalosporine
  • Sulfonamid-Kombinationen
  • Tetrazykline
  • Makrolide
  • Aminoglykoside
  • Gyrasehemmer

Warum helfen Antibiotika nicht gegen Erkältungen?

Erkältungskrankheiten wie auch die Grippe sind Virusinfektionen. Gegen Viren sind Antibiotika absolut machtlos. Das liegt daran, dass Antibiotika in den Stoffwechsel der Bakterien eingreifen. Viren hingegen haben gar keinen eigenen Stoffwechsel, sondern bedienen sich zur Vermehrung einer Wirtszelle. Sie bieten den Antibiotika praktisch keinen Angriffspunkt.

Trotzdem kann es auch bei einer Erkältung nötig werden, dass der Arzt ein Antibiotikum verschreibt. Das ist immer dann der Fall, wenn es im Laufe einer Erkältungskrankheit zu einer zusätzlichen Infektion mit Bakterien kommt. Mediziner nennen das eine Superinfektion. Typische Beispiele hierfür sind der eitrige Schnupfen, die Nasennebenhöhlenvereiterung nach einem Schnupfen oder Halsschmerzerzen mit hohem Fieber und eitrigem Auswurf. Sind Bakterien beteiligt, handelt es sich meist um Streptokokken, die schwere Folgeschäden verursachen können, z.B. am Herzen oder den Nieren.

Warum werden sie zu oft verschrieben?

Etwa 40 bis 60 Prozent der Antibiotika-Rezepte sind falsche Verordnungen, so Dr. Michael Kresken von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft. In jedem zweiten Fall werden sie also ohne Grund verschrieben, meist bei harmlosen Infekten wie Schnupfen oder Husten. Der Grund: Viele Mediziner scheuen den Aufwand, den eine Blutuntersuchung oder ein Abstrich mit sich bringt. Sie verordnen prophylaktisch Antibiotika, ohne zu klären, welcher Erreger vorliegt und welches Antibiotikum am besten helfen würde.

Aber auch die Erwartungshaltung der Patienten verleitet viele Ärzte zur schnellen Verschreibung: Viele Patienten fordern die Antibiotika regelrecht ein, weil sie nicht ohne ein gut wirksames Medikament nach Hause gehen wollen.

Was können die Folgen des sorglosen Umgangs sein?

Schon heute wirken bei vielen Bakterien Antibiotika nicht mehr, weil die Erreger bereits resistent geworden sind. Im ambulanten Bereich geschieht dies am häufigsten, weil die Patienten ihre Medikamente nicht in ausreichender Dosierung oder nicht mit dem richtigen zeitlichen Abstand einnehmen. Viele setzen die Medikamente ab, sobald es ihnen besser geht. Das Problem: Widerstandsfähige Bakterien können überleben und werden gegen das Medikament unempfindlich. Dabei hilft ihnen die Tatsache, dass das Antibiotikum die Darmflora und die Schleimhäute bereits geschädigt hat und diese nun einen idealen Nährboden für die Ausbreitung der resistenten Keime darstellen.

Da die Bakterien gegen immer mehr Antibiotika resistent werden, sind wir darauf angewiesen, dass die Pharmaindustrie ständig neue Antibiotika entwickelt – ein Wettlauf mit der Zeit.

Ein besonders großes Problem stellen resistente Keime in Krankenhäusern dar.

Wie nimmt man Antibiotika richtig ein?

Ein paar wichtige Regeln zur Einnahme von Antibiotika sollte man unbedingt beachten:

  • Ein Antibiotikum sollte immer so lange und in der Dossierung eingenommen werden, wie es der Arzt verschrieben hat. Bei einem vorzeitigen Abbruch werden nicht alle Bakterien abgetötet, die noch vorhandenen können Resistenzen bilden.

  • Die vorgeschrieben Abstände zwischen den Einnahmen sollten eingehalten werden, um einen gleichmäßigen Pegel an Wirkstoffen zu gewährleisten. "Dreimal täglich" bedeutet also: alle acht Stunden eine Dosis.

  • Hat man eine Tablette vergessen, kommt es auf den zeitlichen Abstand bis zur nächsten Einnahme an, ob man die vergessene noch nachträglich nehmen muss. Genaue Angaben hierzu kann man der Packungsbeilage entnehmen.

  • Manche Antibiotika werden durch Kalzium in ihrer Wirkung gestört. Sie sollten deshalb nicht mit Milch oder kalziumreichen Mineralwässern eingenommen werden. Dasselbe gilt für Alkohol: Er schränkt die Wirksamkeit des Antibiotikums ein. Idealerweise nimmt man die Tabletten mit einem großen Glas Wasser ein. Zwischen dem Genuss von Milch/Milchprodukten und der Antibiotika-Einnahme sollten mindestens zwei Stunden liegen.

  • Einige Antibiotika müssen nüchtern eingenommen werden, andere zum Essen. Wann genau das individuelle Medikament eingenommen werden soll, darüber klären Arzt und Apotheker auf.

  • Wer noch andere Medikamente einnimmt, sollte wegen möglicher Wechselwirkungen mit seinem Arzt darüber sprechen.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

In der Regel sind Antibiotika gut verträglich. Hauptnebenwirkungen sind Allergien, besonders häufig das so genannte Arzneimittelexanthem mit Hautausschlägen am ganzen Körper. Aber auch Störungen der Darmflora können vorkommen. Deshalb kann es zu weichen Stühlen und Durchfall kommen. Bei Frauen treten nach der Therapie häufig Pilzinfektionen auf.  

Was kann man tun, um die Nebenwirkungen zu reduzieren?

Derzeit ist noch nicht genau erforscht, welche Langzeitwirkungen Antibiotika auf den Darm haben. Um die Darmflora schon während der Behandlung zu unterstützen, kann man auf spezielle Präparate aus der Apotheke zurückgreifen, z.B. Hefekulturen aus Saccharomyces boulardii oder Bakterienextrakte aus Lactobacillus rhamnosus. Zu diesen Präparaten gibt es positive Studienergebnisse (D'Souza AL, Rajkumar C, Cooke J et al. Probiotics in prevention of antibiotic associated diarrhoea: meta-analysis. BMJ 2002 [8. Juni]; 324: 1361-4).

Frauen, die nach einer Antibiotikagabe häufig unter Pilzinfektionen leiden, können Zäpfchen mit Milchsäurebakterien helfen, die Scheidenflora zu schützen.  

Stand: 11.02.2014, 08.00 Uhr

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