Gut gerüstet gegen Datenklau

Weiße Zahlen vor einem blauen Auge im Hintergrund. | Bildquelle: colourbox.de

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Datenschutz im Internet

Gut gerüstet gegen Datenklau

Martin Walter

Nachrichtensuche bei Google, Urlaubsbilder auf Facebook oder Bücher-Stöbern bei Amazon: Überall im Internet hinterlassen wir digitale Spuren. Nicht nur die Geheimdienste lesen dort mit, auch Hacker und Werbeindustrie interessieren sich für unsere Daten. Wo Gefahren drohen, welche Maßnahmen zum Schutz der Daten wichtig sind und welche Alternativen es zu den Datenkraken gibt.

Wer sich im Internet bewegt, steht unter Beobachtung. Die Geheimdienstprogramme Prism und Tempora haben die letzten Zweifel beseitigt. Big Brother, die Horrorvision eines Überwachungsstaates, scheint Realität zu werden. Daten und der Zugang zu ihnen sind zu einem globalen politischen und wirtschaftlichen Machtinstrument geworden.

"100-prozentige Anonymität gibt es nie"

Neben Geheimdiensten, Cyber-Spionen und Hackern giert auch die Werbebranche nach persönlichen Informationen. "Personalisierte Werbung" heißt das Zauberwort, das dem Nutzer verblüffend zutreffende Kaufempfehlungen beschert. Wer sich bei Google oder Facebook über Katzen informiert, den erwartet im nächsten Moment Reklame für Katzenfutter. Jedes Posting, jede Suchanfrage und jeder Kauf erweitert das Wissen der Anbieter und sichert den Konzernen Milliardengewinne. 

Christoph Schäfer. | Bildquelle: Christoph Schäfer

Datenschutzexperte Christoph Schäfer

Ist der gläserne Bürger also längst Realität und unerkanntes Surfen im Netz eine naive Utopie? "Eine 100-prozentige Anonymität gibt es nie", sagt der Datenschutzexperte Christoph Schäfer. "Aber eine Vielzahl an Möglichkeiten, seine Spuren im Internet zumindest zu verschleiern." Und: Jeder User ist selbst gefordert, um die Sicherheitshürden möglich hoch zu bauen.

Tipps zum sicheren Surfen

Sichere E-Mails verschicken

Wer bei der elektronischen Post auf Nummer sicher gehen will, sollte seine E-Mails verschlüsseln und sich vom Absender den Erhalt bestätigen lassen. Als Alternative zu den gängigen Mail-Anbietern empfiehlt WDR-Internetexperte Jörg Schieb ein Postfach beim deutschen Dienst "Posteo", der komplett werbefrei ist und großen Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legt. Auf dem Desktop kann der Thunderbird von Mozilla die Standardprogramme Outlook oder Apple Mail ersetzen.

Sicherheitseinstellungen beim Browser

Internet Explorer, Chrome und Safari sammeln Daten ihrer Nutzer. Die bekannteste nichtkommerzielle Alternative ist der Mozilla Firefox. Wichtig sind hier die Sicherheitseinstellungen. So empfiehlt sich der Verzicht auf die Nutzung Aktiver Inhalte (z.B. Flash oder Java), das regelmäßige Löschen von Cookies und die Aktivierung des browserintegrierten Phishing- und Malware-Schutzes. Wem das zu kompliziert ist, der kann mit dem Browser "Tor" direkt anonym surfen.

Suchmaschinen unbedenklich nutzen

Auch wenn Google quasi ein Monopol bei der Suche im Netz inne hat, gibt es gute und sichere Alternativen. Eine davon ist "Duckduckgo". Die englischsprachige Seite garantiert eine anonyme Suche. Haken: Für deutsche Nutzer liefert sie nicht immer das optimale Ergebnis. Wer auf den Google-Algorithmus nicht verzichten möchte, kann sich mit Startpage behelfen. Die "diskreteste Suchmaschine der Welt" wirkt wie eine Art Filter und liefert Suchresultate von Google unter Wahrung der Privatsphäre.

Datenschutz in Sozialen Netzwerken

"Die einzig wirklich effektive Maßnahme zum Schutz von Daten in sozialen Netzwerken ist, sensible Daten dort erst gar nicht einzustellen", sagt der Datenschutzexperte Christoph Schäfer. Wer darauf nicht verzichten möchte, sollte seine Privatsphäre-Einstellungen möglichst restriktiv einstellen. Allerdings schützt auch das die Daten nur vor anderen Nutzern - der Anbieter weiß nach wie vor alles. Eine Alternative zu Facebook & Co. ist das nicht-kommerzielle Netzwerk "Diaspora", das keine Daten sammelt.

Datenschutz durch die Cloud

Viele Dienste wie Dropbox, Google Drive oder iCloud locken mit kostenlosem Speicherplatz. Wer seine Dateien dort ablegt, sollte sie aber vorher verschlüsseln, z.B. mit dem kostenlosen Programm "Truecrypt". Mehr Datenschutz gewährleisten deutsche Cloud-Anbieter wie "Strato HiDrive", "CloudSafe" oder die "TelekomCloud". Eine freie Alternative ist das nichtkommerzielle "OwnCloud".

Kartendienste ohne Standortdaten nutzen

Die großen US-Anbieter wie Google Maps, Apple Maps oder Bing Maps stehen im Verdacht, Standortdaten ihrer Nutzer zu sammeln. Wer deshalb auf Nummer sicher gehen möchte, wechselt zum kostenlosen "OpenStreetMap". An dem freien Kartendienst beteiligen sich weltweit über eine Million Menschen, die Karten sind teilweise sogar genauer als bei den kommerziellen Diensten.

Mobile Smartphone-Sicherheit

"Nicht einfach jede App installieren, nur weil andere diese toll finden", empfiehlt Datenschutz-Experte Christoph Schäfer als wichtigste Regel. Ein genauer Blick im App-Store lohnt, oft verstecken sich vor allem hinter Gratis-Apps Schadprogramme. Weitere Sicherheit bieten Schutzsoftware und regelmäßige System-Updates, sowohl bei Android- als auch bei iOS-Geräten. Um für Datenverlust gewappnet zu sein, sind regelmäßige Back-Ups der persönlichen Daten ratsam.

Sicheres Online-Banking

Bankgeschäfte über das Internet sollten nie an einem Rechner mit unbekanntem Sicherheitsstatus geführt werden. Die Datenverbindung muss dabei immer über den "https"-Standard laufen. Weitere Sicherheitstipps: Die Webadresse manuell eingeben, die Sicherheitseinstellungen des Rechners aktuell halten und ein möglichst sicheres Onlinebanking-Verfahren nutzen (z.B. FinTS).

Sicherheit in WLAN-Netzen

Vor allem öffentliche WLAN-Hotspots stellen ein Sicherheitsrisiko dar, da der Datenverkehr meist nicht verschlüsselt wird. Auch eine Anmeldung ist kein Zeichen für sicheren und verschlüsselten Datenverkehr. Damit persönliche Dinge nicht abgefangen und missbraucht werden können, sollte man daher "VPN" (Virtual Private Network) nutzen. Nachteil: Meist ist dieser Dienst kostenpflichtig.

Das größte Hindernis hin zu mehr Sicherheit für persönliche Daten stellt die Faulheit der Nutzer dar. "Den gesunden Menschenverstand ein- und die Bequemlichkeit ausschalten", empfiehlt der selbstständige Datenschutzbeauftragte. Egal ob beim Surfen am PC, per Smartphone oder auf dem Tablet: Wer seine Daten möglichst sicher wissen möchte, muss aktiv werden und Vorkehrungen treffen.

Sicherheit kostet Zeit

Firewall, Anti-Viren-Programme und System-Updates gehören dabei zur Grundversorgung. Ebenso elementar wie zeitintensiv ist die Verschlüsselung des E-Mail-Verkehrs. "Man muss sich einarbeiten, Zusatz-Software installieren, sich einen persönlichen Schlüssel besorgen und diesen Schlüssel mit seinen Kommunikationspartnern austauschen", zählt ARD-Onlineexperte Jörg Schieb die Hindernisse auf. Für viele übersteigt dieser Aufwand die Angst vor einem möglichen Informationsklau. Doch gerade bei sensiblen Daten lohnt sich die Beschäftigung mit der Datenverschlüsselung.

Sicherheit kostet also vor allem Zeit. Jeder, der sich einmal näher mit den Privatsphäre-Einstellungen seines Facebook-Accounts auseinandergesetzt hat, kann das vermutlich bestätigen. Allein die Suche nach den entsprechenden Optionen wird schnell zu einem kleinen Abenteuer.

Stand: 15.04.2015, 18.00 Uhr

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