Gut gerüstet gegen Datenklau - Teil 2

Weiße Zahlen vor einem blauen Auge im Hintergrund. | Bildquelle: colourbox.de

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Datenschutz im Internet

Alternativen zu den Datenkraken

Martin Walter

Wer seine Daten nicht preisgeben will, muss nicht gleich das Internet verlassen. Mit einigen Anwendungen ist es möglich, einen sehr hohen Datenschutz zu erzielen. Damit Daten im Internet aber auch langfristig sicher bleiben, fordern Experten ein Eingreifen der Politik.

"Kostenlosen Diensten mit Misstrauen begegnen"

Egal ob Amazon, Dropbox oder Google: Viele Cloud-Dienste und Netzwerke locken mit Gratis-Accounts und üppigem Speicherplatz. Den Preis dafür zahlt der Nutzer, indem er einen Großteil der Rechte an seinen privaten Daten abtritt. Christoph Schäfer rät deshalb, "vermeintlich kostenlosen Diensten stets mit Misstrauen zu begegnen".

Zudem gibt es im Netz längst Alternativen. Viele davon sind nicht kommerziell und bieten wesentlich mehr Datensicherheit. Die Seite "Startpage" zum Beispiel preist sich selbst als "diskreteste Suchmaschine der Welt" an. Im Gegensatz zu Google nutzt die Suchmaske aus den Niederlanden den sicheren https-Standard und speichert keine benutzerbezogenen Daten. Auf den Google-Algorithmus verzichten muss der User dennoch nicht: Startpage bereinigt lediglich alle Informationen, die zu einer Identifizierung führen können - und gibt die Suchanfrage anonym an Google weiter.

Big Brother ein Schnippchen schlagen

Eine Frau sitzt vor einem Laptop, auf dem das Tor-Projekt aufgerufen ist.. | Bildquelle: 3sat

Einen Browser, mit dem man sich anonym im Netz bewegen kann, bietet das sogenannte "Tor-Projekt". Datenschutzexperte Schäfer nennt den kostenlosen Dienst als Browseralternative für "eine relative Anonymität". Dank einer Technik, bei der die genutzen Verbindungen durch ein verteiltes Netzwerk von Servern geleitet werden, bleibt der Onlinegang abgesichtert. Im Gegensatz zu Microsoft Internet Explorer, Google Chrome oder Apple Safari steht der Nutzer damit nicht unter Beobachtung.

Schwieriger gestaltet sich die Suche nach adäquaten Alternativen im Bereich der Sozialen Netzwerke. Das Netzwerk "Diaspora" genießt zwar als freier Facebook-Ersatz hohe Anerkennung. Nur: Wer möchte angesichts von 1,4 Milliarden Mitgliedern seine Freunde bei Facebook zurücklassen und in ein Netzwerk ohne Kontakte wechseln? Ähnliche Argumente fesseln 700 Millionen Smartphone-Besitzer trotz wiederholter Datenpannen an den Messenger-Dienst WhatsApp.

Droht uns künftig die totale Überwachung?

Obwohl nie mehr Menschen aktiv waren als heute, stammen die Datenschutzbestimmungen größtenteils aus der grauen Urzeit des Internets. Nur zögerlich betreten die Regierungen das "#Neuland" Internetgesetzgebung.

Sandro Gaycken. | Bildquelle: Gaycken/FU Berlin

IT-Sicherheitsexperte Dr. Sandro Gaycken

"In Deutschland haben wir ja immerhin noch ein Datenschutzgesetz, das relativ gut ist und relativ gut funktioniert", sagt der Sicherheitsexperte Dr. Sandro Gaycken. Das höre aber an den Landesgrenzen auf. "Wenn ich meine Daten über die Amazon-Cloud laufen lasse, und die sitzen in den USA, dann sind die Daten für die NSA einfach per Gesetz einsehbar – auch wenn es deutsche Daten sind", warnt Gaycken.

"Horrorszenario" Überwachungsapparat

Gaycken forscht an der FU Berlin im Bereich IT-Sicherheit und berät zudem die Bundesregierung. Er fordert ein Umdenken in puncto Datenschutz. "Wir müssen insbesondere unsere Wirtschaft vor Industriespionage schützen", so der ehemalige Hacker.

Wird nichts unternommen, prophezeit Technikphilosoph Gaycken ein Szenario, das George Orwells "1984" vollauf gerecht werden würde: "Wenn wir nichts ändern, verwandelt sich das Internet in einen riesigen Überwachungsapparat."

Stand: 15.04.2015, 17.00 Uhr

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