Anlageformen für alle Altersgruppen

Eine Familie am Strand bei Sonnenuntergang. | Bildquelle: colourbox.de

Anlageformen für alle Altersgruppen

Mehrere Anlagen, weniger Risiko

Die Lebensversicherung war in Deutschland lange Zeit sehr beliebt, um für die Rente vorzusorgen. Doch inzwischen werden häufig nicht einmal die eingezahlten Beiträge garantiert. Wegen den niedrigen Zinsen ist es kaum noch möglich, ohne Risiko gute Erträge zu erzielen. ARD.de sprach mit Katharina Henrich von der Verbraucherzeitschrift "Finanztest" darüber, welche Anlageformen heutzutage für Jung und Alt sinnvoll sind.

Zusammenfassung:

  • Wer nur den Mindestlohn verdient, ist nach heutigen Berechnungen im Rentenalter auf die Grundsicherung angewiesen.
  • Anleger müssen sich kontinuierlich um ihr Geld kümmern, wenn sie eine gute Rendite anstreben.
  • Ein höheres Renteneintrittsalter kann gleichbedeutend sein mit einer Rentenkürzung, wenn Arbeitnehmer gesundheitlich nicht in der Lage sind, so lange zu arbeiten.

ARD.de: Frau Henrich, ist die Rente noch sicher?

Katharina Henrich: Davon gehe ich aus. Allerdings sieht es sehr schlecht aus für Geringverdiener, Menschen, die längere Zeit arbeitslos waren und Selbständige, die alleine arbeiten. Denn das deutsche Rentensystem basiert auf dem Äquivalenzprinzip: Wer lange und viel arbeitet und dabei recht gut verdient, bekommt eine ordentliche Rente. Diejenigen, die nur den Mindestlohn verdienen, sind nach heutigen Berechnungen im Alter auf die Grundsicherung angewiesen.

Katharina Henrich. | Bildquelle: Stiftung Warentest

Katharina Henrich, Expertin für Altersvorsorge bei der Zeitschrift "Finanztest"

Finanzexperten haben berechnet, dass die Arbeitnehmer gar nicht früh genug anfangen können, Rentenbeiträge einzuzahlen, damit sie im Alter von einer Rendite profitieren können. Ist es zwingend erforderlich, privat vorzusorgen?

Insbesondere für Gering- und Durchschnittsverdiener ist das ratsam. Allerdings fällt es ihnen oft schwer, einen Teil ihres Gehalts in private Vorsorge zu investieren. Dazu kommt, dass Arbeitnehmer wegen der zurzeit niedrigen Zinsen sehr früh mit dem Sparen anfangen müssen, wenn sie ihr Geld sicher anlegen wollen. Alternativ können sie in Aktienfonds investieren, das ist aber riskanter. Menschen mit geringem Einkommen, die dieses Risiko nicht eingehen wollen, können die niedrigen Renditen nur durch frühzeitiges Ansparen kompensieren.

Was sind die besten Möglichkeiten, Geld anzulegen?

Das Lieblingsprodukt der Deutschen war lange Zeit die Lebensversicherung. Doch sie ist teuer und oft werden noch nicht einmal die eingezahlten Beiträge  garantiert, vor allem bei langen Laufzeiten. Daher ist es fraglich, ob es sich lohnt, sich über Jahre an ein Produkt zu binden, das in den ersten Jahren nur Verluste abwirft. Für Arbeitnehmer mit geringem Einkommen, wie Mütter, die nur einen Minijob haben, kann sich aber eine Riester-Rente aufgrund der Förderung immer noch lohnen. Leider gibt es kaum noch Riester-Banksparpläne. Für Unter-40-Jährige kommen aber immer noch Riester-Fondssparpläne infrage.

Allen anderen rate ich eher dazu, das Vermögen selbst anzulegen. Dabei sollte man das Geld auf mehrere Anlagen verteilen, um das Risiko zu verringern. Beispielsweise können sie einen Teil auf Fest- oder Tagesgeldkonten anlegen und den anderen Teil in marktbreite ETF (exchange-traded funds, Anm. d. Red.) investieren. Das sind börsengehandelte Fonds, die einen Index - etwa den Dax - passiv nachbauen. Anders als bei der Lebensversicherung  muss man sich um das angelegte Geld aber kontinuierlich kümmern, wenn man eine gute Rendite anstrebt.


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Zur Riester-Rente haben Sie einmal gesagt, dass die Organisation dieser Anlageform für viele zu aufwändig ist. Was sollte an diesem Vorsorgemodell verbessert werden?

Sowohl für die Kunden als auch für die Anbieter ist die Riester-Rente zu bürokratisch. Außer dem Arbeitgeber, dem Anbieter und der Rentenversicherung sind auch die Krankenversicherung sowie die Zentrale Zulagenstelle für Altersversorgung beteiligt. Bei allen Institutio­nen können Fehler passieren. Für den Verbraucher ist es oft schwer nachzuvoll­ziehen, was falsch gemacht wird. Beispielsweise werden Zulagen häufig zu Unrecht zurückgebucht. Zudem ist es selbst für Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen schwierig, vier Prozent des Gehalts einzuzahlen. Nur dann bekommen sie die vollen Zulagen. Außerdem muss der Beitrag bei jeder Gehaltserhöhung angepasst werden. Eine solche Anpassung wird von Versicherern oft wie ein neu abgeschlossener Vertrag bewertet; dementsprechend können dann auch andere Konditionen gelten. Für die Verbraucher ist das frustrierend.

Welche Art der Vorsorge würden Sie Arbeitnehmern mittleren Alters empfehlen, die bisher keine Gelegenheit hatten, in private Altersvorsorge zu investieren?

Eine gute Rendite für sicheres Altersvorsorgesparen ist ganz schwierig, wenn der größte Teil des Erwerbslebens schon vorbei ist. Aktieninvestments sind für Anleger 50 plus riskant, da sie weniger Zeit haben, eventuelle Verluste auszusitzen. Solche Arbeitnehmer sollten sich am besten bei der Rentenversicherung erkundigen, ob sie einmalige Sonderzahlungen leisten können, um so ihre gesetzliche Rente zu erhöhen. Derzeit lohnen sich Sonderzahlungen bei der Rentenversicherung mehr als bei einer privaten Sofortrente. Zum Beispiel können Erwerbstätige ab 50 Jahren Abschläge mit Einmalzahlungen ausgleichen und dann vorzeitig in Rente gehen. Arbeiten sie weiter, erhöhen sich ihre Rentenansprüche.

Würde es helfen, die Rente mit 70 Jahren einzuführen?

Die gesetzliche Rente hat ein demografisches Problem. Es gibt nicht mehr genug junge Arbeitnehmer, um mit ihren Beiträgen langfristig die Rentenansprüche der Älteren in gleicher Höhe zu finanzieren. Dazu steigt die Lebenserwartung. Ja, eine Lösung wäre, das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Für Arbeitnehmer, die gesundheitlich  gar nicht in der Lage sind, bis 70 zu arbeiten, ist das aber faktisch eine Rentenkürzung. Eine andere Möglichkeit: die Beiträge erhöhen, eine Umverteilung innerhalb des Rentensystems zugunsten von Niedrigverdienern oder ein höherer Steuerzuschuss. Das alles ist aber sehr unpopulär.

Einigen Arbeitnehmern geht es auch im Alter gesundheitlich noch gut, sodass sie weiterhin arbeiten könnten. Das sogenannte Flexirentengesetz, das zum 1. Juli 2017 vollständig in Kraft tritt, erleichtert es, im Rentenalter Geld dazuzuverdienen. Ist das Gesetz auch für die Rentenversicherung von Vorteil?

Dieses Gesetz alleine wird die Probleme des deutschen Rentensystems nicht lösen. Wenn Rentner sich etwas dazuverdienen und weiterhin Beiträge zahlen, können sie jetzt weitere Rentenpunkte sammeln und so ihre Ansprüche erhöhen. Sprich: Die Rentenkasse nimmt zwar mehr ein, zahlt aber auch mehr aus. Das gleiche gilt, wenn Selbständige verpflichtet würden, in die Rentenversicherung einzuzahlen.

Das Interview führte Daniel Wydra

Stand: Mon Apr 10 00:00:00 CEST 2017 Uhr

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