Ernährung als Zahnschutz

Frau, die lächelt und Trauben in der Hand hält. | Bildquelle: colourbox.de

Gute Ernährung als Zahnschutz

Mit Käse und Trauben gegen Karies

Ina Mersch

Dass Süßes den Zähnen schadet, ist hinlänglich bekannt. Wie wichtig darüber hinaus der Speichel ist, wissen die wenigsten. Denn je mehr von ihm fließt, umso besser für den Zahnschmelz. Damit das klappt, helfen gesunde Lebensmittel, die den Speichelfluss anregen. Einige Nahrungsmittel sind sogar so gut für die Zähne, dass sie sie schützen und regenerieren können.

Nach jedem Essen beginnt das Zerstörungswerk: Kariesbakterien, die sich auf Zahnbelag (Plaque) angesiedelt haben, nehmen Zucker aus der Nahrung auf und wandeln ihn in Säuren um. Der pH-Wert im Mund sinkt. Wenn jetzt nicht eingegriffen wird, können Schäden entstehen: Aus dem Zahnschmelz werden wichtige Mineralien wie Kalzium und Phosphor herausgelöst. Als Kariesvorstufe bilden sich zunächst Entkalkungen im Zahnschmelz. Wird eine Karies in diesem Anfangsstadium nicht gestoppt, dringt sie weiter in das Dentin (Zahnbein) vor.

Dem entgegen wirkt unser Speichel mit seiner natürlichen Schutzfunktion. Wenn er ausreichend fließt, kann er die Säuren neutralisieren und den Zahnschmelz wieder festigen, indem er die Mineralien Kalzium und Phosphor zuführt. Man nennt das Remineralisation. Sie gelingt am besten, wenn sich möglichst wenig Belag (Plaque) auf den Zähnen befindet. Denn nur so kann der Speichel die Zähne ungestört umspülen.

Wichtig zu wissen: Auch säurehaltige Nahrungsmittel (Säfte und Zitrusfrüchte) schädigen den Zahnschmelz. Es entsteht zwar keine Karies, aber die Säuren greifen den Zahnschmelz direkt an. Die Gefahr ist umso größer, je länger die Säuren auf die Zähne einwirken (z.B. beim Dauernuckeln von Kleinkindern an Fläschchen mit unverdünnten Säften). Deshalb sollte der Mund nach dem Konsum der genannten Nahrungsmittel sorgfältig mit Wasser ausgespült werden. Direktes Zähneputzen ist dann geradezu Gift, da die Zähne bereits durch die Säuren angegriffen und aufgeraut sind und das Putzen noch größere Schäden anrichten kann. Deshalb sollte man damit mindesten eine halbe Stunde warten.

Zahnbelag frühzeitig verhindern

Damit Plaque gar nicht erst entsteht, hilft regelmäßiges Zähneputzen. Die in den Zahnpasten enthaltenen Fluoride hemmen das Bakterienwachstum, versiegeln die Zähne mit Kalziumfluorid und können aus dem Zahn ausgelöste Mineralien ersetzen und den beschädigten Schmelz wieder schließen. Fluoride können direkt auf dem Zahn angewendet werden, z.B. in Form von Zahnpasten, Zahngelees, Mundspülungen oder Lacke. Damit sie lokal gut wirken können, ist es besser, nach dem Zähneputzen nur auszuspucken, nicht zu spülen.

Säuglinge und Kleinkinder, die ein erhöhtes Karies-Risiko haben, können von Fluoridtabletten profitieren.

Interessant zu wissen: In Deutschland wird, wie in den meisten europäischen Ländern, das Trinkwasser grundsätzlich nicht fluoridiert. Zum einen, weil man der Bevölkerung keine "Zwangsmedikation" verordnen will. Außerdem verstößt die Trinkwasserfluoridierung gegen einen zentralen Regelsatz in der Trinkwasserverordnung. Demnach ist das Trinkwasser von Zusätzen freizuhalten und so natürlich wie möglich zu belassen. Zudem befürchtet man eine Überdosierung, wenn fluoridiertes Speisesalz, Zahnpasta und bei Kleinkindern evtl. noch zusätzlich Fluortabletten aufgenommen werden.

Welche Lebensmittel und Getränke die Zähne stark machen

Fluoride können aber auch über die Nahrung aufgenommen werden. Natürliche Quellen sind Fisch und Krustentiere. Fluoridhaltiges Mineralwasser und Speisesalz erfüllen denselben Zweck.  

Außerdem gibt es eine Reihe anderer Nahrungsmittel, die die Zähne stärken:

  • Getränke: Zum Durstlöschen und zum Schutz der Zähne eignen sich Trinkwasser, Mineralwasser oder ungesüßte Tees, die natürlicherweise geringe Mengen Fluorid enthalten (Mineralwasser, Trinkwasser, Tee) oder denen es in unterschiedlicher Menge zugesetzt wurde (Mineralwasser). Fruchtsäfte sind weniger gut, denn sie enthalten neben den genannten Säuren viel Zucker (ein Liter Apfelsaft 36 Stücke Würfelzucker!). Besonders wirksam für die Zähne sind grüner und schwarzer Tee. Die im grünen Tee enthaltenen Katechine bekämpfen Karies-Bakterien (Streptococcus mutans), die Zahnbelag bilden. In beiden Sorten enthalten ist Fluorid. Wichtig zu wissen: Steht auf Lebensmitteln die Angabe "ohne Zucker" ist damit ausschließlich der Kristallzucker gemeint, Frucht-, Trauben- oder Malzzucker können trotzdem enthalten sein.

  • Käse- und Milchprodukte: Sie enthalten viel Kalzium, das die Zähne stärkt und der Demineralisation entgegenwirkt. Ganz besonders gut für die Zähne ist Käse. Und das liegt nicht nur an seinem Kalziumgehalt. Das im Käse enthaltene Fett legt sich wie ein dünner Film über die Zähne und schützt sie so vor einem Säureangriff.

  • Gemüse und Obst: Rohkost ist grundsätzlich gut für die Zähne. Diese müssen beim Kauen von rohem Obst oder Gemüse mehr Arbeit leisten, das Zahnfleisch wird massiert und gereinigt und damit auch die Zahnzwischenräume. Außerdem wird die Speichelbildung angeregt. Gute Kalziumlieferanten sind grüne Gemüsesorten, vor allem Brokkoli, Fenchel oder Grünkohl. Zwiebeln und Sellerie haben sogar die Fähigkeit, das Kariesbakterium Streptococcus mutans zu neutralisieren. Auch Weintrauben (vor allem rote) sind ein kleines Wundermittel. Sie enthalten Polyphenole, die den Stoffwechsel von Kariesbakterien verlangsamen. Interessant zu wissen: Auch Sesamsamen und Mandeln sind ein Heilmittel für die Zähne (und auch für die Knochen), da sie sehr viel Kalzium enthalten und damit den Zahnschmelz stärken.

Warum Pausen zwischen den Malzeiten so wichtig sind

Die Zerstörung der Zahnsubstanz durch Bakterien ist immer auch eine Frage der Zeit. Je länger Säuren auf den Zahn einwirken, umso größer das Zerstörungspotenzial. Und je länger dem Speichel Zeit gegeben wird, die Zähne zu umspülen, umso besser für den Zahn. Deshalb sind Pausen zwischen den Mahlzeiten so wichtig. In diesen Pausen ist alles gut, was die Speichelproduktion anregt, z.B. zuckerfreie Kaugummis oder Zahnpflegebonbons.

Auch Zwischenmahlzeiten, die gründlich gekaut werden müssen, haben einen solchen Effekt, z.B. Obst und Gemüse. Doch Vorsicht: Früchte mit viel Fruchtzucker oder solche mit klebriger Konsistenz (Bananen, Rosinen, Datteln, Feigen) sowie Früchte mit sehr hohem Anteil an Fruchtzucker greifen den Zahnschmelz besonders an, da sie lange auf den Zähnen haften.

Wenn schon Süßes, dann zur richtigen Zeit

Vor allem Kinder essen gerne Süßes. Wenn sie allerdings über den Tag verteilt immer wieder Süßes zu sich nehmen, dann ist auch der Speichel mit seiner Schutzfunktion überfordert. Denn Zucker ist der ideale Nährboden für Kariesbakterien, die sich unter seinem Einfluss explosionsartig vermehren können.

Im Grunde geht es nicht darum, welche Mengen an Süßigkeiten gegessen werden, sondern wie oft. Für die Zähne ist es deshalb besser, wenn eine Tafel Schokolade komplett gegessen wird, als in vielen Stückchen verteilt über den Tag. Das gilt wohlgemerkt nur aus Sicht der Zahngesundheit und auch nur dann, wenn nach dem Genuss der Schokolade die Zähne geputzt werden.

Zahnfreundliche Süßigkeiten, die keinen Zucker oder künstliche Süßstoffe enthalten, sondern Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit, sind eine Alternative, weil sie die Zähne nicht schädigen. Sie sollten aber nur in Maßen genossen werden, weil sie in größeren Mengen Blähungen und Durchfall auslösen.

Übrigens: Zahnfreundliche Süßigkeiten sind am Zahnputzmännchen mit dem Schirm auf der Verpackung zu erkennen.

Stand: Mon Sep 25 00:00:00 CEST 2017 Uhr

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