tag der Zahngesundheit

Frau mit Brackets, die einen Apfel in der Hand hält. | Bildquelle: colourbox.de

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Was uns perfekte Zähne kosten

Schönheit um jeden Preis?

Wer träumt nicht vom perfekten Lächeln - strahlend weiß und makellos. Doch schöne Zähne sind nicht nur teuer, wir müssen für sie unter Umständen auch gesunde Zahnsubstanz opfern. Der Zahnmediziner Dr. Henning Madsen erklärt, warum Zahnmedizin und Schönheitschirurgie heute in der gleichen Falle stecken.

ARD.de: Jedes Hollywood-Lächeln ist heute strahlend weiß, die Zähne makellos gerade. Gibt es diesen Trend zur Schönheit auch in Deutschland?

Dr. Madsen: Ja selbstverständlich, diesen Trend gibt es in allen wohlhabenden Ländern.

Welchen Preis zahlen wir für die Makellosigkeit unserer Zähne?

Nun, die ästhetische Zahnmedizin kostet Geld. Und das sind ja meist Leistungen, die die gesetzliche Krankenversicherung nicht trägt und die private unter Umständen auch nicht. Aber das scheint vielen Menschen die Sache wert zu sein.

Wenn man sich Zahnverschönerungsmaßnahmen anschaut, geht das denn ohne Einbußen? Nehmen, wir z.B. Veneers. Vor dem Aufkleben wird ein Teil der Zahnsubstanz abgetragen.

Veneers sind hauchdünne Keramikschalen, die mit einem Spezialkleber auf der Zahnoberfläche angebracht werden. Sie sind für die Zähne im Idealfall nur gering invasiv und nur mit dem Opfer von ein paar Zehntelmillimetern Schmelz verbunden. Bei den modernen Veneer-Techniken kann man manchmal sogar ganz ohne Abtragung arbeiten. Bei einer Krone sieht das schon ganz anders aus, da bleibt nach dem Abschleifen nur ein kegelartiger Stumpf vom Zahn übrig.

Auch das Bleaching steht immer wieder in der Kritik.

Auch das ist eigentlich nur wenig bis gar nicht invasiv. Da wird mit Oxidationsmitteln gearbeitet, welche die in den Zahnschmelz eingelagerten Farbstoffe zerstören, sodass der Schmelz weiß aussieht. Optimal für den Schmelz ist das nicht. Aber es verursacht auch keine schweren Schäden.

Unter der Voraussetzung, dass das Bleaching beim Zahnarzt gemacht wird und nicht von mir selbst zuhause?

Klar, beim Homebleaching ist die Behandlung nicht unter der Kontrolle von jemandem, der sich damit auskennt. Bei falscher Anwendung kann man damit sicher Schaden anrichten. Aber das Homebleaching muss nicht unbedingt invasiver oder schädlicher sein.

Bei welchen Maßnahmen würden Sie Bedenken anmelden?

Ich würde bei allen Maßnahmen Zurückhaltung walten lassen, bei denen viel Zahnsubstanz geopfert wird. Es gibt z.B. die Strategie, bei schiefstehenden Zähnen durch Überkronung oder aberwitzig geformte  Veneers die Zahnstellung auszugleichen. Dabei wird entweder die Form der Zähne stark nachteilig verändert oder viel Zahnsubstanz geopfert  - manchmal sogar beides. Dabei werden leicht Grenzen überschritten, wenn man auf diese Art Engstände der Frontzähnen beseitigen will. Das ist eine Sache, die einfach zu invasiv, zu teuer und letztlich eine unvorteilhafte Versorgungsform ist.

Man kann Engstände ja kieferorthopädisch beseitigen, das ist nicht invasiv, die Zahnsubstanz bleibt voll erhalten und die Zahnanatomie auch. Bei einer Überkronung können sich Spätfolgen einstellen, weil bei so behandelten Zähnen später oft der Nerv abstirbt und man dann eine Wurzelbehandlung machen muss.

Sind makellose Zähne nur etwas für "Reiche"?

Vielleicht ist das eine Altersfrage. Früher, also bis vor etwa 30 Jahren, war ja die Karies bei Kindern eine Selbstverständlichkeit. Und später bei den Erwachsenen das Lückengebiss, also das zerstörte Gebiss. Heute ist es ganz normal, dass es ganze Klassen von Zwölfjährigen gibt, von denen die meisten kariesfrei sind. Heute haben junge Leute die Chance, mit einer guten Pflege auch vernünftig auszusehen. Deshalb stellt sich dort die Frage nicht mehr so, ob man den Wohlstand an den Zähnen erkennt.

Stand: Mon Sep 25 00:00:00 CEST 2017 Uhr

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