ARD-Studie 2014: Wie tolerant ist Deutschland?

ARD-Studie

"Intolerant sind die anderen"

Christoph Zalewski

Wie tolerant sind wir? Was sind die wichtigsten Einflussfaktoren für eine tolerante Gesellschaft? Und welche Rolle spielen die Medien beim Thema Toleranz? Diese Fragen untersucht die repräsentative ARD-Studie "Medien und Toleranz". Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Intolerant sind die anderen

Die Einschätzung vieler Bürger ist widersprüchlich, wenn es um die Frage nach ihrer Toleranz geht. Neun von zehn Erwachsenen (88 %) stufen sich selbst als tolerant bzw. sehr tolerant ein. Gleichzeitig halten nur 55 Prozent die Gesellschaft für tolerant bis sehr tolerant. Das positivste Bild von der Toleranz in der deutschen Gesellschaft haben die unter 30-Jährigen, formal höher Gebildete und Menschen mit Migrationshintergrund. 

Bildungsinstitutionen und Medien tragen am stärksten zur Toleranz bei

Bildungsinstitutionen wie Schulen, Hochschulen oder Erwachsenenbildung (71 % Zustimmung) sowie Medien (65 %) gelten bei den Menschen in Deutschland als wichtige Einflussfaktoren für eine tolerante Gesellschaft. Anderen gesellschaftlichen Institutionen, insbesondere den Kirchen (39 %), politischen Parteien und der Wirtschaft (jeweils 35 %) wird eine deutlich geringere Rolle beigemessen. Im mittleren Alterssegment von 30 bis 49 Jahren liegen die Medien sogar vor den Bildungsinstitutionen.

Toleranzforscher zur ARD-Studie

Prof. Dr. Andreas Zick, Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG), Universität Bielefeld: "Die ARD-Studie ergänzt die Toleranzforschung um wichtige Beobachtungen. Dass die Menschen sich selbst für toleranter halten als sie sind, überrascht nicht, ist aber ein Stolperstein, wenn es um die Akzeptanz der Anderen gilt. Toleranz ist eine Ziviltugend. Insbesondere in Zeiten, in denen sich an vielen Stellen Konflikte radikalisieren, braucht Toleranz einen Raum und Zeit, darüber nachzudenken, damit sie keine hohle Formel bleibt. Dazu leistet die ARD-Themenwoche einen wichtigen Beitrag."

Einer erst jüngst veröffentlichten Studie des IKG zufolge halten sich menschenfeindliche Einstellungen, Vorurteile und Diskriminierungen in einem Ausmaß, das im Widerspruch zur eigenen Selbstwahrnehmung steht.


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ARD-Studie 2014

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Stand: 14.11.2014, 06.00 Uhr

Rückblick: ARD-Themenwoche

Toleranz - Anders als Du denkst

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