Berufs-Porträt Gebäudereiniger für die ARD-Themenwoche 2016 "Zukunft der Arbeit"

Porträt Gerd Tropartz. | Bildquelle: Privat

Berufs-Porträt Gebäudereiniger

"Die Bezeichnung 'Putzfrau' ärgert mich sehr"

Für Gerd Tropartz ist Staubsaugen, Bodenwischen und Fensterreinigen keine lästige Pflichterfüllung. Der 50-jährige Kölner liebt es, Gebäudereiniger zu sein - ein, wie er sagt, sehr abwechslungsreicher Beruf, der nach der Ausbildung Aufstiegschancen biete wie kaum ein zweiter.

ARD.de: Sie sind Gebäudereiniger - warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Gerd Tropartz: Mein älterer Bruder ist ebenfalls Gebäudereiniger. Er hat mir früher immer wieder von seinem Beruf erzählt, und dass er sehr interessant und abwechslungsreich sei. Als ich 17 war, wollte ich das dann auch machen.


Socialmedia. | Bildquelle: ARD

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Unterschätzter Beruf?

Können Sie sich vorstellen, dass es auch Spaß machen kann, Fenster zu reinigen und Böden zu wischen? Diskutieren Sie unten mit!

  

Wie verlief die Ausbildung - auf welchen Wegen sind Sie das geworden, was Sie heute sind?

Meine Ausbildung verlief abwechslungsreich und erfolgreich. Anschließend arbeitete ich mehrere Jahre als Geselle, bevor ich Bereichsleiter der Glas- und Sonderreinigungsabteilung wurde. In meinem Beruf habe ich mich unter anderem durch einen Lehrgang zum "Geprüften Objektleiter" weitergebildet.

 

Können Sie bitte Ihren typischen Arbeitstag von Dienstbeginn bis Feierabend beschreiben?

Morgens bereite ich Aufträge vor und teile Mitarbeiter ein. Tagsüber erledige ich die Kundenbetreuung, mache die Qualitätsprüfung und erstelle Angebote.

 

Ist Ihr Beruf so, wie Sie ihn sich vorgestellt haben, ehe Sie ihn erlernt haben?

Ja das ist er, ich hatte zuvor durch meinen Bruder schon ein ziemlich genaues Bild meiner späteren Tätigkeit.

 

Wie hat sich Ihre Tätigkeit seit Ihrem Berufseinstieg im Jahr 1983 bis heute verändert?

Die Ansprüche der Kunden sind deutlich gewachsen. Heutzutage bin ich immer erreichbar und nutze elektronische Hilfsmittel ganz selbstverständlich. Gleichzeitig wurden immer speziellere Maschinen entwickelt, die die Arbeit erleichtern.

 

Gerd Tropartz. | Bildquelle: Privat

 

Wenn Sie in die Zukunft blicken - wie, glauben Sie, wird Ihr Beruf dann aussehen? Wird es in, sagen wir, 20 bis 30 Jahren überhaupt noch Gebäudereiniger geben, oder werden irgendwann nur noch Roboter die Arbeiten erledigen?

Den Beruf des Gebäudereinigers wird es auch in vielen Jahren noch geben. Reinigungsroboter können später zwar in Teilbereichen eingesetzt werden. Die menschliche Arbeitskraft bleibt aber in der Gebäudereinigung der bestimmende Faktor. Dies gilt erst recht für die fachlich anspruchsvollen Tätigkeiten eines gelernten Gebäudereinigers.

 

Lieben Sie Ihren Beruf?

Ja, ich liebe meinen Beruf, weil ich nicht jeden Tag durch ein Werkstor und abends wieder hinaus gehe, sondern ich weitgehend eigenverantwortlich bei vielen verschiedenen Kunden arbeiten kann.

 

Was denken Ihre Freunde über Ihre berufliche Tätigkeit - ärgert Sie die Bezeichnung "Putzfrau" für Ihre weiblichen Kolleginnen? Und in welchem Verhältnis steht die Höhe der gesellschaftlichen Anerkennung zu Ihrem Gehalt?

Leider ist mein Beruf in der Gesellschaft nicht immer so anerkannt, wie es sein müsste - das zeigt schon die von Ihnen genannte Bezeichnung"Putzfrau", die mich in der Tat sehr ärgert. In unserer Branche spricht man von "Reinigungskräften" und wenn sie eine Ausbildung absolviert haben, von "Gebäudereinigern". Das Gehalt ist angemessen, zudem verfüge ich über einen Dienstwagen, den ich auch privat nutzen kann. In meinem privaten Umfeld erfahre ich durchaus Wertschätzung für meinen Beruf.

 

Angenommen, Sie wären heute in dem Alter, in dem Sie sich für Ihren jetzigen Beruf entschieden haben - würden Sie noch einmal dieselbe Wahl treffen?

Ja, ich würde den Beruf des Gebäudereinigers jederzeit wieder ergreifen. Er ist mir in nunmehr 33 Jahren nie langweilig geworden.

 

Was raten Sie jungen Menschen, die heute mit dem Gedanken spielen, eine Ausbildung zum Gebäudereiniger zu beginnen?

Ich rate den jungen Menschen, die Ausbildung ernst zu nehmen und intensiv durchzuführen. Es gibt kaum einen Beruf, der nach der Ausbildung so gute Aufstiegschancen bietet wie die Gesellenausbildung in der Gebäudereinigung.

 

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die zunehmende Digitalisierung auf die Arbeitswelt und auf die Gesellschaft auswirken - welche Chancen und welche Risiken sehen Sie?

Die Digitalisierung wird die Ansprüche der Kunden erhöhen und für eine noch schnellere Abwicklung der einzelnen Prozesse sorgen. Als Nachteil sehe ich, dass die Beziehung zu den Kunden unpersönlicher wird.

 

Das Interview führte Ingo Fischer.

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Stand: 17.10.2016, 11.00 Uhr

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